Aubs Trainer droht: "Gefahr besteht, dass ich zurückkomme"
Autor: Felix Mock
Aub, Freitag, 20. Dezember 2019
Christopher Dietl hat die Fußballer des TSV Aub von der B- bis in die Kreisklasse geführt. Nach dieser Saison und vier Jahren ist für den Trainer Schluss – vorerst.
Fürchten werden sie sich nicht beim TSV Aub, wirklich ernst gemeint ist die Drohung Christopher Dietls natürlich auch nicht, wenn er sagt: "Die Gefahr besteht durchaus, dass ich nach Aub zurückkomme." Erst einmal geht er weg – das ist fix. Zum Saisonende verabschiedet sich der 47-Jährige vom Kreisklassisten (14./15 Punkte). Wohin, ist noch ungewiss.
Die Entscheidung kam für niemanden überraschend. Dietl wollte seinen Posten eigentlich schon zum Ende der vergangenen Saison niederlegen, als seine Jungs ihre Premierensaison in der Kreisklasse auf dem souveränen sechsten Rang beendeten. Doch er blieb. Auch, weil seinem Heimatverein nach dem Durchmarsch von der B- in die Kreisklasse kniffligere Zeiten bevorstanden. Der Coach, zuvor auch sechs Jahre Sportvorstand und zwei Jahre Sportleiter beim TSV, wollte nicht in solch unruhigen Zeiten von Bord gehen.
Negativserie hat viele Gründe
"Ein Durchmarsch von der B- in die Kreisklasse kommt nicht von ungefähr", erzählt Dietl. "Die Jungs haben alles dem Fußball untergeordnet und sich dem Erfolg verpflichtet." Derlei Hingabe könne man nicht zum Dauerzustand machen – nicht in der Kreisklasse, nicht in dem jungen Alter seiner Schützlinge. Es sind die üblichen Verdächtigen, die den Triumphlauf des TSV stocken ließen: Studium, Schichtarbeit, die neue Freundin. Man gebe verletzungsbedingte Ausfälle und einige Abgänge hinzu, schon krebst der zuvor noch stabile Kreisklassist am Tabellenende herum.
Gleich im ersten Saisonspiel, beim SV Willanzheim, gab's ordentlich Haue - 0:5. Sechs weitere Spiele musste Aub auf seinen ersten Saisonsieg warten, zu Hause gegen die SpVgg Giebelstadt war es soweit (3:2). Das Sorgenkind war schnell ausgemacht: Nach 14 Partien hat der TSV nur 18 Tore auf dem Konto. "Das Experiment, meinen Sohn im Sturm auflaufen zu lassen, ist nicht wirklich geglückt", sagt Dietl. Was in der Vorbereitung noch gut funktioniert habe, wollte in der Punkterunde nicht gelingen. Die Lösung fand Dietl in einem Neuzugang: Cherno Jallow. Der Kontakt sei über den zum FC Geesdorf abgewanderten Ibrima Saine zustande gekommen. Seitdem spielt Sohnemann Jakob wieder hinten (Dietl: "So stehen wir wieder viel stabiler"), Jallow übernimmt den Angriff.
Klassenerhalt ist das Saisonziel
Ein Aufwärtstrend ist klar erkennbar, der TSV gewann drei der letzten vier Spiele und steht drei Punkte vor dem Relegationsplatz. Doch wohin geht's für Aub bis zum Saisonende? "Nach oben, ganz klar. Außer Gelchsheim ist in der Liga jeder schlagbar", sagt Dietl, der aber gleich im nächsten Satz zugibt: "Es wird eine enge Geschichte. Die Entscheidung über den Klassenerhalt wird wohl erst im letzten Saisonspiel fallen."
Der künftige Trainer soll im besten Fall eine intakte Kreisklassenmannschaft übernehmen. Wer Dietls Nachfolge antritt, steht noch nicht fest. "Wir haben vier, fünf Kandidaten im Auge", sagt der Vorsitzende Claus Rübling. "Wir haben eine recht junge Mannschaft und peilen deswegen eine Lösung mit einem Spielertrainer an." Hauptsächlich, weil der dann näher dran sei an der Jugend. Für Rübling sei Dietls Entschluss zwar schade, aber absolut nachvollziehbar. "Neue Impulse zu setzen, ist nicht unbedingt schlecht", sagt der 45-Jährige. Vermissen müsse er Dietl schließlich auch nicht: "Er ist ja von hier, die Entscheidung ist im Einvernehmen gefallen. Wir trinken auch weiterhin unser Bier zusammen, alles gut."
Dietls Ziel ist ungewiss
Auch Dietl ist in Kontakt mit Vereinen – verraten will er natürlich nichts. Nur so viel: Es gab bereits interessante Angebote, sowohl aus dem Herren- als auch aus dem Jugendbereich. Manche Offerten, so reizvoll sie auch seien, hat Dietl bereits abgelehnt. Die geografische Distanz sei schlicht zu groß gewesen, die Strecke von Aub zu weit. Wohin es den 47-Jährigen verschlägt, bleibt abzuwarten. Fast schon sicher scheint dagegen, dass sie ihn beim TSV irgendwann in der ein oder anderen Funktionen wieder begrüßen. Denn: "Der TSV Aub wird immer mein Verein sein."