Seit April ist es durchgehend zu warm
Autor: Siegfried Sebelka
Kitzingen, Donnerstag, 02. August 2018
Seit April liegen die Temperaturen Monat für Monat über dem Schnitt, die Niederschläge weit drunter. Der Juli hat den Trend fortgesetzt. Zum Leidwesen der Bauern.
Mit einer Temperatur von 21,7 Grad hat der Juli 2018 die seit April anhaltende Serie der warmen Monate fortgesetzt. Die vergangenen vier Monate waren im Schnitt 3,5 Grad wärmer als im Mittel. Was für die Bauern erschwerend dazu kommt, sind die geringen Niederschläge: Es fehlen 120 Liter und damit die durchschnittlichen Niederschläge von zwei Monaten.
Den Norden trifft es härter
„Dennoch sind wir im Landkreis bisher glimpflich weggekommen“, sagt Thomas Karl. Der Pflanzenschutzexperte am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen will mit Blick auf die Katastrophenmeldungen aus dem Norden der Republik nicht von einer Missernte reden. „Es war bisher eine unterdurchschnittliche Ernte“, sagt Karl. Die ist beim Getreide abgeschlossen. Wobei die Wintergerste noch am besten abgeschnitten hat. Bei Weizen, Roggen und anderen Sorten habe es aber Einbußen gegeben.
Sorgen um den Mais
Sorgen machen derzeit Mais und Zuckerrüben, aber auch die Acker- und die Sojabohne. Vor allem der Mais vertrocknet, kann wegen des fehlenden Regens nur kleine Kolben bilden. „In denen steckt aber die Energie“, sagt Karl und hofft mit den Bauern auf mehr Niederschläge. Dann könnte sich der Mais noch einmal regenerieren. „Der Regen am Donnerstag war Gold wert“, erklärt Karl, der in der Mainbernheimer Straße 30 Liter pro Quadratmeter gemessen hat. Ob noch was dazu kommt, ist angesichts der Wetterprognosen offen. Karl geht davon aus, dass die Maisernte an manchen Standorten schon in der nächsten Woche beginnen wird. Das Problem: Ist der Mais zu trocken, lässt er sich nicht mehr silieren und als Futter für Vieh oder Biogasanlagen verwenden.
Die Zahlen vom Juli
Zu den Zahlen der Wetterstation: Der Juli lag mit 21,7 Grad um 3,2 Grad über dem langjährigen Mittel von 18,5 Grad. An 23 Tagen lagen die Temperaturen über 25 Grad, an neun Tagen über 30, darunter die letzten acht Julitage. Am wärmsten war es am 31. Juli mit 36 Grad. Die kälteste Nacht hat Karl am 3. Juli mit 10,3 Grad gemessen. Bemerkenswert: „Die Temperaturen gingen im Juli nie unter zehn Grad zurück“ – gemessen an der Station in zwei Meter Höhe.
45 Prozent weniger
31,5 Liter Regen hat Karl aus dem Messbecher geholt und damit 45 Prozent weniger als in einem Durchschnitts-Juli, der es auf 56 Liter bringt. 17 Liter pro Quadratmeter sind am 6. Juli gefallen. Danach hat es noch acht Regentage gegeben, mit Niederschlägen zwischen einem und fünf Litern. Damit fehlen im Jahr 2018 nach sieben Monaten rund 120 Litern in Vergleich zu einem Durchschnittsjahr. Interessant noch: Vor einem Jahr hat sich der Juli ganz anders präsentiert und es auf 120 Liter in einem Monat gebracht.
Sonne pur
Dass der Juli als heißer Monat in Erinnerung bleiben wird, liegt an den Temperaturen am Ende, aber auch den Sonnenstunden. 279 hat Karl registriert. Nur im „Supersommer“ 2013 waren es mit 298 noch mehr. Dass es auch anders gehen kann, zeigt das Jahr 2007, als die Sonne nur an 180 Stunden zu sehen war.