Rarität am Ratstisch: Frauen sind in der Minderheit

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Erstmals zogen 1972 mit Sibylle Heisel (geborene Wagner), Juliane Kohler und Gudrun Kittel (2. Reihe, Mitte von links) drei Frauen in den Kitzinger Stadtrat ein ...
Archivfoto Kittel
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Eine Frau, viele Männer - das trifft auf viele Gemeinderäte zu. Es geht auch anders. In Seinsheim zum Beispiel: mit einer Frauenquote, die höher ist als im Bundestag.

31 Prozent oder 218 von 709 – so viele Frauen sind im 19. Bundestag vertreten, der im September gewählt wurde. Das sind deutlich weniger, als bei den Wahlen 2013, da lag die Frauenquote bei 37,1 Prozent. Das letzte Mal war die Quote vor 19 Jahren so gering. Auch im bayerischen Landtag schaut's nicht besser aus. Dort beträgt die Quote gerade mal 28,3 Prozent. Und wie stellt sich die Situation in den 31 Stadt- und Gemeinderäten im Landkreis Kitzingen dar?

„Viele Frauen sind kein Nachteil“

Klarer Spitzenreiter ist Seinsheim. Unter den zwölf Gemeinderatsmitgliedern sind fünf Frauen; das entspricht 41,66 Prozent. Das freut auch Bürgermeister Heinz Dorsch. „Das ist nur positiv“, sagt Dorsch und weist auf die gute Atmosphäre im Gremium hin. Gerade bei neuen Ideen seien die Frauen sehr engagiert. „Viele Frauen im Rat sind bestimmt kein Nachteil“, erklärt er.

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Ähnlich sieht es Roland Hoh, Bürgermeister von Biebelried. Mit einer Quote von 33,3 Prozent belegt die Gemeinde den zweiten Platz. Vier Frauen stehen acht Männern gegenüber. „Die Mischung macht's“, sagt Hoh. Gerade bei planerischen Entscheidungen hätten die Damen das bessere Gefühl. An dritter Stelle kommt der Kitzinger Stadtrat. Von den 30 Plätzen sind acht von Frauen besetzt (26,7 Prozent).

Wie ein Fußballspiel

An die Anfänge im Kitzinger Stadtrat erinnert sich Gudrun Kittel. Das CSU-Urgestein war 1972 eine der ersten Frauen am Ratstisch. Mit ihr zogen auch Sibylle Heisel (geborene Wagner) und Juliane Kohler in den Stadtrat ein. Gerne denkt Kittel an die 18 Jahre als Stadträtin zurück. „Am Anfang gab es nicht mal eine Damentoilette“, erzählt sie lachend. Getagt wurde noch im historischen Sitzungssaal. Schnell habe die 76-Jährige kapiert, wie sie ihre Wünsche umsetzen konnte. „Man muss im Team spielen“, gibt sie ihre Erfahrungen weiter und vergleicht die Stadtratsarbeit mit einem Fußballspiel. „Viele Stadtratskollegen spielten Fußball. Ich habe ihnen den Ball zu geworfen und dann machte es klack.“

Staunen und Enttäuschung

Seit 2014 ist Uta Wandera im Mainbernheimer Stadtrat. Sie ist die einzige Frau von 14 Ratsmitgliedern um Bürgermeister Peter Kraus (Frauenquote: 7,1 Prozent). Ihre Erklärung: „Frauen müssten halt auch Frauen wählen“, sagt die SPD-Stadträtin, die für eine Frauenquote in Politik und Wirtschaft ist. Das Hauptsache-qualifiziert-Argument lässt sie nicht gelten. „Nach unqualifizierten Männern wird nicht gefragt. Bei Frauen wird über die Qualifikation diskutiert“, sagt die Rechtsanwältin. „Das finde ich ungerecht.“

Mainbernheims Bürgermeister Kraus hat keine Erklärung dafür, warum nur eine Frau im Stadtrat vertreten ist. Ein Gremium mit Frauen sei „besser als eine reine Männerwirtschaft“. Bei der Wahl 2014 standen auf allen Listen Frauen – auch solche, die sich sehr für das Städtchen engagieren. „Es ist echt erstaunlich und auch enttäuschend“, sagt Kraus. Ihm fehle der weibliche Blickwinkel bei einigen Themen.

Keine Diskussionen

Positiv sticht hervor, dass in fünf von 31 Landkreis-Kommunen Frauen das Sagen haben. Christine Konrad ist Bürgermeisterin von Dettelbach, Ingrid Reifenscheid-Eckert von Willanzheim, Marlene Bauer von Segnitz, Gerlinde Stier von Kleinlangheim und Doris Paul von Wiesenbronn. Während Stier nur noch eine Frau im Gemeinderat neben sich hat (Frauenquote: 8,3 Prozent), hat Paul gleich zwei im achtköpfigen Rat (25 Prozent). In Wiesenbronn gebe es schon sehr lange Frauen im Gemeinderat, sagt Paul. „Da gibt es überhaupt keine Befindlichkeiten und Diskussionen.“ Die 50-Jährige ist nicht nur in ihrer Gemeinde aktiv. Sie ist auch stellvertretende Landrätin und eine von 17 Frauen im Kreistag (Frauenquote: 28,3 Prozent), dem auch eine Frau vorsteht: Landrätin Tamara Bischof – übrigens nur eine von vier Landrätinnen in Bayern.

Gute Zusammenarbeit

1984 kam Ruth Bauer das erste Mal in den Kreistag und blieb dort 24 Jahre. Eine Handvoll Frauen kümmerte sich damals um die Belange des Kreises. „Ich hatte nie eine Schwierigkeit damit, eine von wenigen unter vielen Männern zu sein“, erinnert sie sich. Wichtig war ihr, dass man sich für die Sache einsetzt. „Man darf nicht darauf rumspielen, dass man eine Frau ist“, sagt die 84-Jährige. Noch heute ist ihr die gute Zusammenarbeit über die Fraktionsgrenzen hinweg in Erinnerung – egal, ob Mann oder Frau.