Ein großer, schwarzer Geländewagen biegt auf den Vorplatz des Kitzinger Amtsgerichts ein. Der bekannte Berliner Rapper Fler ist als Zeuge vor dem Kitzinger Gericht geladen. Sein Freund soll einen jungen Mann brutal zusammengeschlagen haben. Fler sagte zugunsten seines Jugendfreundes aus. Eine uneidliche Falschaussage, wie die Staatsanwältin meinte. Zuvor hatten nämlich vier Zeugen die Schuld des Angeklagten belegt.
Der Rapper trat als letzter Zeuge im Gericht auf. Von den Geladenen war sein Anfahrtsweg wohl der weiteste. Von Berlin bis ins beschauliche Kitzingen. "Dorfochsen" gehörte dann auch zu den ersten Worten von Fler, als er aus seinem Auto stieg.
Seinen Freund, den Angeklagten, begrüßte er herzlich. Sie sollen in der gleichen Gegend aufgewachsen sein, kannten sich also bereits seit ihrer Jugend. Im Oktober 2010 hatte ihn Fler dann zu einem seiner Auftritte im Mainfrankenpark eingeladen.
Dort soll der 33-jährige Angeklagte einen Ortsansässigen angegriffen haben. Als Zeuge des Vorfalls musste nun Fler vor Gericht aussagen.

Angeklagter als Opfer


Die Atmosphäre an dem Abend der Tat sei zunächst super gewesen, erklärte Fler vor Gericht. Wenn einer das Opfer an diesem Abend gewesen sei, dann der 33-jährige Angeklagte. "Wir hätten eigentlich die Polizei anrufen müssen." Er habe nur gesehen, wie sein Freund von einem Betrunkenen mit freiem Oberkörper geschubst wurde. "Das war eine richtige Attacke gegen ihn." Provokationen davor habe er nicht gesehen. Daraufhin seien auch gleich die Fans eingeschritten, hätten den Angreifer umringt und ihn attackiert. Aber es sei mehr ein Gerangel gewesen. Er selbst habe dann den Angeklagten weggezogen. Was mit dem Angreifer dann passiert sei, habe er nicht mehr mitgekriegt, da er seinen Freund gleich mit in den Backstagebereich genommen habe.
Der Angeklagte sei also das Opfer gewesen und nicht der Täter. Doch so etwas passiere ständig. Immer wieder heißt es, dass sie die Aggressoren seien, nur weil sie aus Berlin kommen, erklärte Fler. "Ich kenne das. Am Ende trifft es immer mich." Wenn irgendetwas passiert, würden immer die beschuldigt, die Auftritte haben. Seine Musikkarriere sei deswegen schon in Gefahr. "Wir wollen mit Klasse auftreten und mit Klasse wieder gehen." Doch Fler war nicht der einzige Zeuge in dieser Verhandlung. Schon zuvor hatten vier Zeugen den Angeklagten schwer belastet.

Schwere Beschuldigungen


Die Aussagen der vier Zeugen stimmten im Wesentlichen überein. Danach sei nicht der 33-jährige Berliner das Opfer gewesen, sondern ein 23-Jähriger aus der Region Kitzingen.
Der 23-Jährige sei mit seiner Freundin in den Mainfrankenpark gegangen, um einen netten Abend zu verbringen. "Wir waren einfach gut drauf." Auf der Tanzfläche zog der 23-Jährige sein T-Shirt aus. Er sei einfach gut aufgelegt gewesen. Daraufhin soll er den Angeklagten gesehen haben. Laut dem 23-Jährigen grinste ihn der Berliner an und verpasste ihm einfach drei Schläge auf die Schulter. Das wollte sich der 23-Jährige nicht einfach gefallen lassen. Er zog sein T-Shirt wieder an und schubste den Angeklagten von hinten. Der fiel auf den Boden. Jetzt eskalierte die Situation. Laut der Anklageschrift soll der 33-jährige Berliner mit der Faust mehrere Male in das Gesicht des jungen Mannes geschlagen haben. Der 23-Jährige fiel zu Boden. Sein Gesicht lag auf der Treppe zum DJ-Pult. Doch das soll dem Angeklagten nicht gereicht haben. Jedes Tier in der freien Wildbahn würde jetzt halt machen, erklärte die Staatsanwältin. Aber nicht der Angeklagte. Er soll auf den am Boden Liegenden "mit extremer Wucht" eingetreten haben. Sein Gesicht war schon in Richtung Boden gewandt. Der 33-Jährige habe auf den Kopf eingetreten. An den weiteren Hergang konnte sich das Opfer nicht erinnern. "Das Blut muss ohne Ende gelaufen sein", erklärte das Opfer vor Gericht. Das wisse er aber nur aus Erzählungen. Zu dem Zeitpunkt war er schon weggetreten. Am Ende musste er ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Schläger hatte ihm zwei Platzwunden und eine Gehirnerschütterung verpasst. "Es ist schon krass, wenn Leute aus Berlin hierher kommen und sie denken, sie können sich aufführen wie die Axt im Wald", erklärte das Opfer vor Gericht. Wenige Tage nach der Attacke hätte er sogar im Internet, auf Twitter, gesehen, dass sie sich damit gebrüstet hätten, wie viele sie im Mainfrankenpark zusammengeschlagen hätten. Noch heute habe er Angst, dass die Berliner, Leute zu ihm nach Hause schicken würden.

Weitere Konsequenzen


Das Gericht glaubte den übereinstimmenden Aussagen der vier Zeugen. Wegen schwerer Körperverletzung wurde der arbeitslose Berliner zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Zudem muss Rapper Fler nun auch mit einer Strafverfolgung rechnen. Seine Aussage stufte der Richter als "reine Gefälligkeitsaussage" unter Freunden ein. Gegen ihn werde ein Ermittlungsverfahren wegen uneidlicher Falschaussage eingeleitet werden, erklärte die Staatsanwältin. Seinen Auftritt im Mainfrankenpark dürfte Fler wohl so schnell nicht vergessen.