"Der Operateur bleibt Herr im Ring", betonte Chefarzt Dr. Mathias Bender bei der Präsentation des neuen Operations-Roboters am Endoprothetikzentrum der Landkreisklinik in Bad Windsheim. Denn der Chirurg führt den Roboterarm. Eigenständig kann dieser nicht einfach sägen oder fräsen. Der Roboter setzt das eins zu eins um, was vorher exakt geplant wurde. Auch nur millimeterkleine Abweichungen sind nicht möglich.

Am 7. Juli hatte Mathias Bender mittelfrankenweit das erste Knie mit einem Roboterarm operiert. Da staunte auch Innenminister Joachim Herrmann: Der so operierte Patient lief bei der offiziellen Präsentation nur drei Tage nach seinem Eingriff mit sicheren und gleichmäßigen Schritten durch den Raum. Ohne Krücken. Die hatte er eigentlich nur zur letzten Sicherheit dabei.

Änderungen während Operation möglich

Bender erläuterte die vom Roboter assistierte Operation, bei der der Patient nicht verletzt werden kann. Basis ist ein per CT erstelltes 3-D-Modell vom Knochen. Dieses kennt der Roboter. Neu ist, dass während der Operation noch bei Bedarf Änderungen vorgenommen werden können, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Zum Roboter gehören noch eine Rechnereinheit und ein Kamerasystem. Neben Bender besitzt noch der Facharzt für spezielle Orthopädie und Unfallchirurgie, Dr. Nikolaj Vasak, die notwendige Qualifikation für Operationen mit Hilfe des Roboters. Die Kosten von etwa einer Million Euro trug der Landkreis. Landrat Helmut Weiß nannte die Anschaffung einen wichtigen Schritt in die Zukunft der Klinik in Bad Windsheim.

Die ist Stand Juli eine von 17 Kliniken in Deutschland, die über einen Roboter der Marke Stryker Mako verfügen. Für Bad Windsheim ist das trotzdem ein deutschlandweites Alleinstellungsmerkmal, wie Stefan Schilling, Vorstand der Kliniken des Landkreises, betonte. Denn die hochpräzise Operation mit Roboterhilfe paart sich in Bad Windsheim mit dem Rapid-Recovery-Programm der Klinik, das auf eine rasche Genesung ausgelegt ist. Dazu komme die vor sieben Jahren erfolgte Auszeichnung zum Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung. "Bundesweit einmalig", hob Schilling hervor.

Appell, das Kliniknetz zu erhalten

Nicht zuletzt deswegen war zu der Präsentation auch der Bayerische Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, Joachim Herrmann, gekommen. Der sprach von einem neuen Zeitalter bei Knieoperationen. Die digitale Technik könne helfen, zu noch besserer medizinischer Leistung zu kommen.

Doch nicht nur wegen der Technik fühlten sich die Patienten wohl in der Klinik, sondern vor allem wegen der großartigen Mitarbeiter. Staatsminister Herrmann betonte auch die Bedeutung einer flächendeckenden Versorgung mit Kliniken. "Das hat sich in der Corona-Krisensituation bewährt." Klinik-Vorstand Stefan Schilling hörte dies Worte sehr gerne, hatte er doch eingangs eindringlich appelliert, das Kliniknetz zu erhalten und die Arbeit der "Helden der Nation" besser zu honorieren. "Das dürfen keine Lippenbekenntnisse sein."