Otto Hünnerkopfs Abschied: Schwarzes Buch und grünes Herz
Autor: Andreas Brachs
Wiesentheid, Freitag, 23. November 2018
Nach 15 Jahren im Landtag zieht der ehemalige Abgeordnete aus dem Stimmkreis Bilanz. Hünnerkopf verrät, was ihn geärgert und was ihn gefreut hat und was er noch vorhat.
Dieses Lob nimmt Otto Hünnerkopf gern mit: Als der langjährige CSU-Abgeordnete seine letzte Rede im Landtag gehalten hat, bedanken sich Grüne und Sozialdemokraten bei ihm. Er sei ein Kollege gewesen, der im Umweltbereich mit Sachverstand gearbeitet habe und nun eine Lücke hinterlassen werde.
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Zimmer in München an einem Tag geräumt
Nach 15 Jahren im Landtag hat Hünnerkopf mit diesem Lebensabschnitt abgeschlossen. Sein Zimmer in München ist an einem Tag ausgeräumt. Wehmut lässt er erst gar nicht aufkommen. Er freut sich auf den kommenden Lebensabschnitt. Mit 67 Jahren geht er getrost in die Rente.
Dabei war der Anfang turbulent: In der CSU habe „Unzufriedenheit“ mit seinem Vorgänger Franz Brosch geherrscht. Doch erst zehn Tage vor der Nominierung eines CSU-Abgeordneten für die Landtagswahl 2003 sei der damalige stellvertretende Landrat Lothar Voltz zu Hünnerkopf gekommen und habe ihm angeboten zu kandidieren.
Turbulenter Beginn
„Ich wollte das nie werden“, sagt Hünnerkopf heute; er habe aber den Wunsch vieler Parteimitglieder nach Erneuerung gespürt. Hünnerkopf gewinnt die Nominierung denkbar knapp mit 50 zu 49 Stimmen. „Danach habe ich fast zehn Kilo abgenommen“, blickt er zurück. So hoch seien der Erwartungsdruck und so groß seine Zweifel gewesen. Am Ende habe er mit Gottvertrauen die neue Aufgabe angepackt und sei letztlich schnell im Landtag angekommen.
Hünnerkopf steht einerseits linientreu und loyal zu seinem schwarzen Parteibuch; andererseits ist er in der CSU ein Exot mit einem grünen Herzen. Seine beruflichen Schwerpunkte Landespflege und Landschaftsökologie kann er mitunter nur schwer bei den Konservativen unterbringen. Manchmal hätten die Kollegen eingesehen, „dass wir als CSU im Umweltbereich engagierter sein müssen – und dann war es wieder ernüchternd“, resümiert Hünnerkopf.
1#googleAds#100x100Die größte Enttäuschung
So sei etwa sein 15-jähriger Kampf für mehr Personal in den Unteren Naturschutzbehörden erfolglos geblieben. „Für mich die größte Enttäuschung“, räumt er ein.
Einen Teil des schlechten Wahlergebnisses seiner Partei führt Hünnerkopf darauf zurück, dass sie die Umweltthemen zu wenig ernst genommen habe. Er erklärt: „Für mich ist Klimaschutz genauso wichtig wie Vollbeschäftigung. Aber in dieser Klarheit war ich allein.“


