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Umstrittener Nikolaus Fey: Wiesentheid entscheidet noch nichts


Autor: Andreas Stöckinger

Wiesentheid, Freitag, 17. Sept. 2021

Der Sohn Wiesentheids war lange als Heimatdichter bekannt. Doch längst ist seine Nazi-Vergangenheit umfassend aufgearbeitet und belastet Fey schwer. Wo bleiben die Konsequenzen?
Was geschieht mit der Nikolaus-Fey-Straße in Wiesentheid? Darüber ist sich der Gemeinderat noch nicht einig.


Wie geht der Markt Wiesentheid mit seinem verstorbenen Ehrenbürger Nikolaus Fey um? Wird die Grund- und Mittelschule, wie auch die Ortsstraße, die den Namen des Heimatdichters trägt, umbenannt? Dazu fand eine lebhafte Debatte in der Sitzung des Wiesentheider Gemeinderats statt.

Zum Hintergrund: Während Nikolaus Fey lange Zeit vor allem als fränkischer Heimatdichter bekannt war, zeichnet die jüngere Geschichtsforschung ein anderes Bild. Eine Würzburger Fachkommission, die sich intensiv mit Namensträgern Würzburger Straßen auseinandergesetzt und dazu tiefgründig recherchiert hatte, kam zum Ergebnis:  "Fey ist als überzeugter Nationalsozialist anzusehen." Er habe während des Dritten Reichs aktiv an der Ausgestaltung nationalsozialistischer Propaganda-Inszenierungen mitgewirkt und von der NS-Herrschaft persönlich profitiert, so heißt es unmissverständlich.

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Schwere Verfehlungen in der NS-Zeit

Er habe sich zudem eine Vielzahl schwerer Verfehlungen während der NS-Zeit zuschulden kommen lassen, insbesondere durch seine Beteiligung an der brutalen deutschen Besatzungsverwaltung in Polen, so das Ergebnis der Kommission. Fey war in der Regierung des Generalgouvernements Referent in der "Hauptabteilung Propaganda", die die Aufgabe hatte, die kulturellen Traditionen des polnischen Volkes auszulöschen.

Im Wiesentheider Gemeinderat ließ sich am Donnerstagabend heraushören, dass man wohl die nach Fey benannte Schule umbenennen wird. Für diesen Schritt habe sich bereits die Grundschule ausgesprochen; bei der Mittelschule steht die Entscheidung noch aus. Der Gemeinderat um Bürgermeister Klaus Köhler einigte sich nun darauf, dass man bis November auf das Votum von dort warten wolle.

Die Ehrenbürgerwürde, die Fey von seinem Geburtsort einst verliehen bekam, müsse man ihm nicht entziehen, sagte Bürgermeister Köhler. Diese sei mit dessen Tod erloschen, argumentierte der Bürgermeister. Ob man Fey damit aus der Liste der Ehrenbürger löscht, blieb offen.

Wiesentheid scheut Konsequenzen 

Während andere Kommunen längst Konsequenzen gezogen haben, hält Köhler die Frage, ob auch die nach Fey benannte Straße in Wiesentheid einen anderen Namen bekommen solle, für schwierig. Das brächte für die Anwohner einiges an Aufwand und Kosten mit sich, meinten manche Räte. Mit der Dritten Bürgermeisterin Helma Schug (CSU) wohnt sogar ein Ratsmitglied in der betroffenen Straße. Sie gab zu bedenken, dass man dann auch alle anderen Straßen in Wiesentheid überprüfen müsse. Das sei sehr aufwändig; dazu müsse man ein eigenes Gremium bilden, sagte Bürgermeister Köhler.

Köhler hatte von einem Vortrag berichtet, den der Schulleiter der Wiesentheider Grundschule, Carsten Busch, über Fey gehalten habe. Darin habe sich Busch intensiv mit der Person auseinandergesetzt und einige Facetten des 1881 in Wiesentheid geborenen Heimatdichters aufgezeigt. Für ihn, so Köhler, sei das sehr aufschlussreich gewesen. Er habe sich Fey als "viel krasseren Menschen" vorgestellt. Busch habe vorgeschlagen, an der Schule eine Tafel aufzustellen, die einerseits auf Feys kulturellen Verdienste hinweise. Andererseits solle auch der Grund darauf stehen, warum man der 1972 gebauten Schule den Namen entzogen habe.

Während mancher der Gemeinderäte sich in der Sitzung nicht recht festlegen wollte, hatte Harald Godron eine deutliche Meinung. Als Lehrer für Geschichte stehe er täglich vor jungen Menschen. Der Schulname sei nicht mehr tragbar; auch die anderen Schritte müsse man als Konsequenz gehen. Da dürfe man keine organisatorischen Gründe oder Bequemlichkeit vorschieben. Der Gemeinderat ließ die Entscheidung, ob die Straße nun umbenannt wird, noch offen.