Sie haben wieder geöffnet. Und ihre Leiter hoffen inständig, dass es diesmal für immer ist.

Unter Corona leiden so gut wie alle Branchen. Die Kultur mit am meisten. Museen waren monatelang geschlossen, bis es Anfang März einen Hoffnungsschimmer gab. Die Inzidenz im Landkreis Kitzingen fiel damals unter 50. Die Häuser öffneten. Allerdings nur für kurze Zeit. Dieses Mal soll alles anders sein.

Das Knauf-Museum in Iphofen hat bereits seit letztem Samstag wieder geöffnet, das Freilandmuseum Kirchenburg in Mönchsondheim zog einen Tag später nach. In Kitzingen eröffnete das Fastnachtmuseum am Dienstag und an Christi Himmelfahrt öffnete auch das Malerwinkelmuseum in Marktbreit seine Pforten.

„Alles Lamentieren hilft eh nichts.“
Reinhard Hüssner, Leiter Kirchenburgmuseum

Dessen Leiterin Simone Michel-von Dungern bleibt angesichts leicht steigender Inzidenzwerte zur Wochenmitte betont vorsichtig. „Eine erneute Schließung wäre schrecklich“, meint sie. Ganze zwei Wochen hatte das Malerwinkelmuseum vor Ostern geöffnet. Etliche Besucher kamen, darunter erfreulich viele Einheimische. „Man hat gemerkt, dass die Menschen wieder etwas erleben wollten“, sagt die Leiterin. Mit zwei Ausstellungen – „Bauklötze staunen“ und „Jüdisches Leben in Marktbreit“ – will sie diese Neugierde befriedigen. Sollte die Inzidenz im Landkreis Kitzingen an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 steigen, müsste sie allerdings wieder schließen – so wie alle Museen im Landkreis.

Reinhard Hüßner macht sich deshalb keine Gedanken. „Alles Lamentieren hilft eh nichts“, sagt der Leiter des Kirchenburgmuseums in Mönchsondheim. Er blickt lieber optimistisch nach vorne. Das Freilandmuseum hat bereits am letzten Sonntag wieder geöffnet. „Einen großen Vorlauf brauchen wir nicht“, erklärt Hüssner. Das Schutz- und Hygienekonzept steht seit langem, vieles spielt sich in Mönchsondheim eh im Freien ab. In die Kirchenburg selbst dürfen nicht mehr als 50 Personen gleichzeitig. Kein großes Problem, sind Führungen – sehr zum Leidwesen des Museumsleiters – bislang generell verboten. „Dabei könnten wir doch beispielsweise Familien problemlos durch unser Gelände führen“, meint er.

Ein paar Kilometer weiter in Iphofen ist Markus Mergenthaler froh, dass es (noch) keine Führungen im Knauf-Museum gibt. Zu gefährlich sei das, zumal die meisten Mitarbeiter noch nicht geimpft sind. 50 Personen dürfen gleichzeitig in die aktuelle Ausstellung „Als Franken fränkisch wurde“. Die Ausstellung zeichnet mit archäologischen Funden Tracht, Bewaffnung, Alltagskultur aber auch Kunst und Glaubensvorstellungen der ersten Franken in Franken nach. Am ersten Tag der Wiedereröffnung kamen von 11 bis 17 Uhr etwa 80 Besucher. An den insgesamt gerade mal 19 geöffneten Tagen in diesem Jahr waren es rund 1000. „Die Leute sind interessiert“, sagt er. „Aber gleichzeitig verängstigt.“ Im letzten Jahr öffnete das Knauf-Museum am 20. Mai. Rund vier Wochen hat es gedauert, bis der Betrieb wieder richtig angelaufen war. Zu Anfang der Pfingstferien rechnet Mergenthaler mit dem gleichen Effekt. Dann soll der Tourismus in Bayern wieder hochgefahren werden, Hotels, Campingplätze und Gastronomie wieder öffnen. „Ein schönes Rahmenprogramm gehört zu einem Museumsbesuch einfach dazu“, sagt er.

Wie sich besondere Angebote gegenseitig bedingen können, hat Dr. Katrin Hesse während der ersten Öffnungsphase in diesem Jahr erlebt. Die World-Press-Photoausstellung in den Schaufenstern der Stadt hat auch etliche Besucher ins Fastnachtmuseum gespült. „Leider mussten wir dann wegen der gestiegenen Inzidenz wieder schließen“, bedauert sie. Jetzt soll das Fastnachtmuseum möglichst dauerhaft geöffnet bleiben.

„Die Leute sind interessiert. Aber gleichzeitig verängstigt.“
Markus Mergenthaler, Leiter Knauf Museum

Das ewige Hin und Her sei für Mitarbeiter und Besucher das denkbar Schlechteste, meint sie. 27 Besucher dürfen gleichzeitig in die Ausstellung „Typen, Tiere, Witzfiguren. Molliköpfe in der Fastnacht“, die bis Ende des Jahres verlängert wurde. „Kaum jemand hat sie bisher sehen können“, bedauert Dr. Hesse. Das soll sich ab sofort ändern. Mit einer vorherigen Anmeldung erhält jeder einen Termin. Wer spontan vorbei kommt, hat – wie in allen anderen Museen – ebenfalls gute Chancen. Eine Abweisung wegen Überfüllung dürfte kaum ausgesprochen werden. Von diesen Zeiten können alle Museumsleiter derzeit nur träumen.

Museen sind wieder auf

Besuchsregelung: Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 ist gemäß aktuellem Beschluss der Bayerischen Staatsregierung eine vorherige Anmeldung erforderlich, unter 50 nicht mehr. Steigt die Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100, müssen die Museen wieder schließen. Derzeit liegt die Inzidenz im Landkreis Kitzingen bei knapp unter 100. Bei allen Museen gilt, das Hygienekonzept einzuhalten und eine FFP2-Maske zu tragen.

Öffnungszeiten: Da die Museen im Landkreis unterschiedliche Öffnungstage und -zeiten haben, empfiehlt sich vorher ein Blick auf deren Homepage oder ein Anruf.