Wer ist zuverlässig, gewissenhaft, sympathisch - und will Volksbefrager werden? Für den Zensus 2022 stellt Johannes Teubert gerade ein Team zusammen.
Volkszählung? Da fällt einem sofort die biblische Geschichte von Maria und Josef ein, die loszogen, um sich ins Melderegister eintragen zu lassen – und auf der Reise ein Kind namens Jesus bekamen. Gut 2000 Jahre später gibt es immer noch Volkszählungen. Allerdings muss dafür niemand durchs Land wandern – im Gegenteil: Die Volksbefrager kommen direkt zu den Menschen. 190 solcher Volksbefrager, Erhebungsbeauftragte genannt, werden derzeit gesucht. Sie sollen von Mai bis August im Kreis Kitzingen an Haustüren klingeln und wichtige Daten erheben.
Gibt es genügend Wohnungen? Braucht es mehr Heime?
Zensus 2022: Unter diesem Stichwort findet die große Bevölkerungsumfrage statt. Sie soll Fragen wie diese beantworten: Wie viele Einwohner hat die Kommune? Wie leben und arbeiten die Menschen dort? Gibt es genügend Wohnungen? Wo werden neue Schulen gebraucht, wo mehr Seniorenheime?
Alle zehn Jahre wird der Zensus in allen Ländern der Europäischen Union durchgeführt, als Fundament für Entscheidungen in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Aber wozu brauchen wir in Deutschland eine solche „Volkszählung“ überhaupt? Haben wir nicht ein perfektes Melde-System, so dass wir genau wissen, wer wo und wie lebt? „Nein“, sagt Johannes Teubert. „Natürlich haben wir Melderegister, aber die sind nicht perfekt.“ Zum Beispiel gebe es in Deutschland kein einheitliches Immobilienregister und keine übergeordnete Stelle, die alle Daten bündelt. „Viele Daten bleiben bei einzelnen Behörden und werden nicht weitergegeben, so dass es zum Beispiel vorkommen kann, dass Menschen in zwei Städten gemeldet sind – wenn sie sich etwa nach einem Umzug nicht abgemeldet haben“, sagt der Leiter der Zensus-Erhebungsstelle des Landkreises.
Johannes Teubert ist aktuell dabei, sich ein 190 Personen starkes Team zusammenzustellen. „Zuverlässig, gewissenhaft und sympathisch sollen meine Leute sein“, sagt Teubert. Volljährigkeit und ein Wohnsitz in Deutschland sind Voraussetzungen, ebenso wie gutes Deutsch, telefonische Erreichbarkeit und zeitliche Flexibilität. Fremdsprachenkenntnisse sind oft nützlich.
„Wir schulen unsere Erhebungsbeauftragten natürlich vor ihrem ersten Einsatz“, sagt Teubert. „Für ihre Arbeit, die sie sich zeitlich frei einteilen können, bekommen sie eine steuerfreie Aufwandsentschädigung von durchschnittlich 800 Euro bei 100 bis 150 Befragungen.“ Jede Befragung dauere normalerweise zwischen fünf und 15 Minuten.
Maruschka Hofmann-Sircelj bestätigt das. Die Kitzingerin hat schon beim letzten Zensus vor zehn Jahren als Erhebungsbeauftragte gearbeitet. „Mir hat es viel Spaß gemacht, mit den Menschen in Kontakt zu kommen“, sagt die 76-Jährige. „Anfangs sind die Leute manchmal argwöhnisch und haben Angst, zum Beispiel über ihre Berufstätigkeit, Nebenjobs oder ihre Arbeitssuche zu erzählen. Aber wir können sie dann beruhigen: Wir sind nicht vom Finanzamt. Und die Ämter bekommen auch keine Daten von uns.“
Johannes Teubert nickt. „So ist es. Die lokalen Behörden bekommen von uns keine Daten zurückgespielt. Uns geht es nur um die statistisch relevanten Zahlen – etwa um die Bevölkerungszahl, die ja die Berechnungsgrundlage unter anderem für den Länderfinanzausgleich ist.“ Name und Adresse der befragten Person würden zwar erhoben, aber nur getrennt von den Befragungsergebnissen: „Die Aussagen der Menschen können also nicht zurückverfolgt werden.“