Kein Geld für die Tiere: wird das Kitzinger Tierheim aufgelöst?
Autor: Diana Fuchs
Kitzingen, Mittwoch, 20. Juni 2018
Das Team will kein Dienstleister mehr für Gemeinden sein, die zu wenig zahlen.
Wer will in einem einsturzgefährdeten Haus arbeiten? Angela Drabant will es nicht, aber sie tut es trotzdem, Tag für Tag, seit über einem Jahr. An den Rissen in der Wand geht sie einfach vorbei. Ihr und ihren Kollegen sowie den ehrenamtlichen Helfern bleibt nicht viel anderes übrig. „Oder sollen wir die Tiere ihrem Schicksal überlassen?“
Das Kitzinger Tierheim an der Straße Richtung Kaltensondheim steht auf alten Bergbaustollen, die allmählich nachgeben und einstürzen. Das ist seit April 2017 öffentlich bekannt. Wie stark das Gebäude gefährdet ist, das sich fünf Meter über den Gruben befindet, lässt sich nicht konkret sagen. Aber das Bergamt hat schon im Frühjahr 2017 unter anderem untersagt, auf dem Gelände Veranstaltungen mit Besuchern abzuhalten. Zudem haben die Fachleute die Stadt Kitzingen als Grundstückseigentümerin auf ihre Pflicht verwiesen, die Gefahr zu beseitigen – sprich die Stollen zu verfüllen – und gemeinsam mit dem Tierschutzverein einen Notfallplan „für eine mögliche Räumung“ zu erarbeiten.
Kleiner Hund in Karton in Kitzinger Wald ausgesetzt
Tierheim einsturzgefährdet
Was ist seitdem passiert? Im Gebäude selbst werden die Erdbewegungen von sogenannten Rissmonitoren überwacht, die regelmäßig kontrolliert werden. „Die Risse sind in den vergangenen Monaten nicht größer geworden“, stellt Tierheim-Leiterin Angela Drabant erleichtert fest. Die Stadt hat insgesamt sechs Grundstücke für einen Neubau vorgeschlagen, denn die Verfüllung der Stollen würde wohl eine siebenstellige Summe verschlingen und wäre damit nicht wirtschaftlich. „Allerdings war keine der angebotenen Flächen wirklich brauchbar; entweder lagen sie in Schutz- oder Überschwemmungsgebieten oder zu nah an Wohnbebauung“, sagt Iris von Crailsheim, 2. Vorsitzende des Tierschutzvereins Kitzingen und Umgebung. Der Verein ist Träger des Tierheim. „Wir sind ziemlich enttäuscht von der Stadt Kitzingen und vom Oberbürgermeister. Seit einem Jahr ist kein einziger Vorschlag mehr von der Stadt gekommen, obwohl Siegfried Müller Anfang 2017 gesagt hatte: 'Wir wissen um unsere Verantwortung und werden da auch reagieren müssen.'“
Das Tierheim-Team hat sich selbst auf die Suche nach geeigneten Immobilien gemacht. „Leider haben wir nichts Bezahlbares gefunden.“ Also sahen sich Iris von Crailsheim und Gerd Menche, Vorsitzender des Tierschutzvereins, auch nach Grundstücken um. Außer in Iphofen hatten sie jedoch keinen Erfolg – und auch das potenzielle Grundstück dort ist mit vielen Fragezeichen behaftet. „Die Lage am Ortsrand wäre ideal und der Kaufpreis machbar, die Erschließung müsste aber noch geklärt werden. Wir haben eine Bauvoranfrage an die Stadt Iphofen gestellt. Jetzt können wir nur abwarten.“
Gut ein Jahr nach Bekanntwerden der Einsturzgefahr steht das Tierheim-Team nun ziemlich rat- und hilflos da – nicht nur, was die bauliche Situation betrifft, auch hinsichtlich der finanziellen Lage. Denn ein Brief an alle Landkreis-Gemeinden mit der Bitte, die pauschale Fundtierabgabe ans Tierheim zu erhöhen, die alle Kommunen zu zahlen haben, traf nicht überall auf Gegenliebe oder auch nur auf Verständnis.