Druckartikel: „Wir sind mit unserer Krankheit nicht alleine“

„Wir sind mit unserer Krankheit nicht alleine“


Autor: Nina Grötsch

Kitzingen, Mittwoch, 13. Juni 2018

Volkskrankheit "Zucker": Allein in Deutschland sind Schätzungen zufolge sechs Millionen Menschen betroffen. Franz Ringelmann schätzt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Diabetes-Selbsthilfegruppe in Kitzingen. Sie existiert seit 20 Jahren.
Achtung Zuckerfalle! Diabetiker müssen beim Essen deutliche Abstriche machen – aber keinesfalls auf alles verzichten, was schmeckt. Bei den Treffen der Diabetiker-Selbsthilfegruppe bekommen die Teilnehmer hilfreiche Tipps und Ratschläge zum Umgang mit ihrer Krankheit.


Kitzingen Diabetes ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten Krankheiten. Allein in Deutschland sind laut Schätzungen sechs Millionen Menschen betroffen. Dazu zählen auch Franz Ringelmann und seine Frau Elfriede. Die beiden Dettelbacher leben seit vielen Jahren mit der Stoffwechselerkrankung – und haben gelernt, mit ihr umzugehen. Dabei geholfen haben ihnen die Besuche in der Diabetes-Selbsthilfegruppe Kitzingen. Seit 20 Jahren bringt sie Diabetiker zusammen.

Frage: Für den Laien gehören Diabetes und Insulin untrennbar zusammen. Das ist wohl gar nicht so?

Franz Ringelmann: Im Gegenteil. Prof. Elliot Procter Joslin hat schon 1932 Folgendes gesagt: „Die Insulinbehandlung ist eine Verschwendung von Zeit und Geld, solange der Patient nicht in der Lage ist, seine Sache selbst in die Hand zu nehmen. Außerdem ist Insulin etwas für die Schlauen, egal ob es sich um Patienten oder Ärzte handelt.“ Dies erkannte im Jahr 1998 auch der alteingesessene Apotheker Peter Ley von der Löwen-Apotheke in Kitzingen und gründete die Diabetiker-Selbsthilfegruppe, die bis heute besteht.

Wann muss Diabetes mit Insulin behandelt werden? Gibt es Alternativen?

Franz Ringelmann: Wenn der Blutzucker dauernd über 200 m/mol pro ccm Blut ist, reicht bei Typ 2 sehr oft eine Umstellung der Ernährung, Gewichtsabnahme sowie Bewegung, sprich Sport. Hat man jedoch Diabetes Typ 1, dann muss dem Körper Insulin zugeführt werden, weil er es nicht mehr selbst produzieren kann.

Peter Ley hat die Selbsthilfegruppe gegründet. 20 Jahre später gibt es sie immer noch. Wie sehen die Treffen aus?

Franz Ringelmann: Peter Ley vereinbarte mit dem Evangelisch-Lutherischen Dekanat, monatlich einmal einen Raum im Paul-Eber-Haus kostenfrei nutzen zu dürfen. Bei den vom ihm geleiteten Treffen kamen anfangs vier bis acht Personen. Das steigerte sich auf zwölf bis 14 und mittlerweile kommen 20 bis 25 Menschen zu den Treffen. Das ist toll! Nach Peter Ley übernahm Christa Baum die Leitung und seit ein paar Jahren hat dieses Amt meine Frau Elfriede Ringelmann inne. Wir sind immer auf der Suche nach Referenten, die bei den Treffen über Diabetes und damit zusammenhängende Krankheiten und Probleme berichten. Das ist toll, weil neue Erkenntnisse nicht an einem vorbei gehen.

Seit wann sind Sie und Ihre Frau Mitglied der Selbsthilfegruppe? Was schätzen Sie an der Gruppe?

Franz Ringelmann: Ich bin seit 2004 dabei. Damals wurde bei mir Diabetes mellitus festgestellt. Bei meiner Frau wurde sie schon sechs Jahre früher diagnostiziert. Sie ist der Gruppe 1999 gleich beigetreten, als sie erfahren hat, dass es sie gibt. Wir schätzen an den Treffen das Zusammengehörigkeitsgefühl. Man ist mit seiner Krankheit einfach nicht alleine, kann sich mit anderen Diabetikern austauschen und von den Referenten immer das Neueste erfahren.

Wer referiert bei den Treffen?

Franz Ringelmann: Die Liste ist lang. Es fängt mit Diabetes-Assistenten an und geht weiter mit Diabetes-Beratern, Diät-Assistenten, Podologen, Hautärzten, Heilpraktikern, Physiotherapeuten, Apothekern, Diplom-Psychologen oder Augenarzt. Auch das Gesundheitsamt und ein Fachmann für Osteoporose war schon vor Ort; ebenso ein orthopädischer Schuhmachermeister. Es ist auf jeden Fall abwechslungsreich.

Steht zum runden Geburtstag der SHG eine besondere Veranstaltung an?

Franz Ringelmann: Ja. Gemeinsam mit der AOK-Die Gesundheitskasse veranstalten wir am Mittwoch, 20. Juni, um 18 Uhr einen Abend im Paul-Eber-Haus, bei dem Diabetes-Beraterin Tanja Ün und Physiotherapeutin Yvonne Müller zu Gast sind. Die beiden werden fachlich sehr ansprechende Vorträge über gesunde beziehungsweise richtige Ernährung und leicht vollziehbare Bewegung in der Pause halten. Interessierte sind herzlich willkommen.

Willkommen sind Besucher aber jederzeit?

Franz Ringelmann: Natürlich! Wir freuen uns immer über neue Gesichter. Auch Angehörige von Diabetikern sind bei unseren Treffen gerne gesehen. Ebenso Interessierte, die mehr über das Thema wissen wollen. In der Regel finden die Treffen immer am dritten Mittwoch im Monat statt. Wer mehr erfahren möchte, kann sich auch gerne unter Tel. 09324/99850 persönlich an uns wenden.