Der Pflegebedarf im Landkreis ist hoch – aber nicht in allen Bereichen gedeckt
Es sind vor allem die Bilder an der Wand, die Barbara Werst ein Gefühl von Zuhause vermitteln. Ihre Familie ist darauf zu sehen, Kinder, Enkel, Urenkel. Sie sind in ganz Deutschland verteilt, und doch hat die 94-Jährige sie ganz nah bei sich. Und was sie außerdem hat, ist Sicherheit.
„Ich fühle mich hier rundum wohl und gut versorgt“, sagt die Seniorin. „Es war eine große Entscheidung, aber ich habe sie noch nie bereut.“ Offensichtlich hat Barbara Werst ihr Glück gefunden, hier, im Altenbetreuungszentrum in Iphofen. Und da ist sie nicht die Einzige. Ob Bewohner oder Patienten, Pfleger oder Leitende Angestellte – sie alle scheinen hier ein bisschen auf einer Insel der Glückseligen zu leben. Und das ist alles andere als selbstverständlich, wenn es um das Thema Altenpflege geht, auch im Landkreis Kitzingen.
Alle fünf Jahre ermittelt das Landratsamt zusammen mit einem Bamberger Sozialforschungsinstitut im Rahmen des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts die aktuellen Zahlen der bestehenden Pflegeangebote und den Pflegebedarf im Landkreis Kitzingen. Dazu gibt es eine Prognose, die zwar überwiegend positiv ausfällt – aber eben nicht in allen Bereichen. Während vollstationäre Pflegeplätze zur Genüge verfügbar sind und auch in naher Zukunft sein werden, fehlen im Bereich der teilstationären und ambulanten Pflege auf längere Sicht die Plätze. „Jeder möchte, so lange es geht, daheim bleiben“, weiß Herbert Köhl, der Leiter der Fachstelle für Bürgerschaftliches Engagement und Seniorenfragen im Landratsamt. Zudem hat die Bundesregierung mit ihrer Pflegereform, die seit dem 1. Januar in Kraft ist, den Grundsatz „Ambulant vor stationär“ geprägt und forciert mit Zuschüssen für pflegende Angehörige, aber auch für die Einrichtungen selbst, ihre Durchsetzung.
Da verwundert es nicht, dass in den letzten Jahren immer wieder Projekte wie das Betreute Wohnen in Marktsteft oder in der Kitzinger Siedlung umgesetzt wurden. Und dass immer mehr private Anbieter ambulanter Pflege auf dem Markt aufgetaucht sind. Zusätzlich bieten viele wohltätige oder kirchliche Träger in ihren Senioreneinrichtungen Tagespflege an – wie es auch die Diakonie in Markt Einersheim plant. „Nur so kann es funktionieren“, sagt Helmut Witt, ehrenamtlicher Vorstand des Verbandes der Deutschen Alten- und Behindertenhilfe in Bayern. „Die Tagespflege ist schlecht refinanziert und damit als eigenständige Einrichtung schwer zu halten.“ Dass die Notwendigkeit im Landkreis Kitzingen besteht, bezweifelt er nicht – zumal das Eintrittsalter von Senioren in die vollstationäre Pflege inzwischen bei rund 90 Jahre liegt.
Die hat Barbara Werst längst erreicht – und doch reicht ihr das Angebot, das sie im Betreuten Wohnen im Altenbetreuungszentrum nutzen kann, voll und ganz aus. Wenn sie einmal nicht selbst kochen möchte oder die Vorräte, die ihre Tochter am Wochenende in den Kühlschrank stellt, aufgebraucht sind, lässt sie sich von der hauseigenen Sozialstation etwas zu essen bringen oder nimmt am Mittagstisch im Nebengebäude teil.
Natürlich ging es ihr auch schon schlechter, der eine oder andere Sturz zwang sie, die Kurzzeitpflege in Anspruch zu nehmen. Und wenn es einmal so weit sein sollte, dass sie Vollzeitpflege braucht, möchte sie unbedingt einen Platz auf der Station im ABZ in Anspruch nehmen.
Susanne Feldhäuser kann ihr da im Moment allerdings noch keine Zusage geben, denn die Plätze in „ihrer“ Einrichtung sind komplett belegt – in allen Bereichen. Mit der Stadt Iphofen als Träger ist das Haus in der privilegierten Lage, alle Arten der Pflege anbieten zu können. Neben dem Betreuten Wohnen und der Lang- und Kurzzeitpflege gibt es auch die Sozialstation sowie eine Tagespflege-Einrichtung. Dort treffen sich maximal zwölf Senioren, manche kommen an drei, manche an fünf Tagen, sie haben unterschiedliche Pflegestufen und damit unterschiedliche Ansprüche.