Waldboden statt Gitterkäfig
Autor: Stephan Großmann
Iphofen, Dienstag, 15. Oktober 2019
Die Schweine von Hans Huss haben echt Schwein gehabt.Sie leben zumindest eine Zeit lang in der freien Natur.
Plötzlich raschelt es im Unterholz. Eine kleine Gruppe von fünf Schweinen nähert sich neugierig. Sie schnüffeln drauf los und grunzen aufgeregt, dabei scharren ihre Füße auf dem ohnehin schon ganz aufgewühlten Boden herum. Nach ein paar Minuten scheinen ihnen die Besucher langweilig geworden zu sein, sie trollen sich und verschwinden hinter den Zweigen. Warum sie das tun? Weil sie es können.
„Immer mehr Menschen achten auf Herkunft
und Geschmack.“
Das, was sich zwischen großen Huteichen und kleinen Hainbuchen im Herzen Unterfrankens abspielt, ist in der Art einmalig in Deutschland. Maximal 250 Tiere leben dort auf einer Waldfläche von 50 Hektar. Sie ernähren sich hauptsächlich von dem, was ihnen der Wald zu bieten hat: Eicheln, Brombeerblätter, Pilze. Was im ersten Moment an das freie Leben von Wildschweinen erinnert, ist eine traditionelle, in Vergessenheit geratene Halteform für Hausschweine: die Waldweide.
Hans Huss blickt sich um, beobachtet eine weitere Gruppe Schweine. Er nickt zufrieden. In diesen Tagen besucht der Agraringenieur aus Freising beinahe jede Woche das Waldstück bei Iphofen, um nach seinen Tieren zu sehen. Wollte er jedes Einzelne zu Gesicht bekommen, müsste er sich viel Zeit nehmen – vier Schweine teilen sich gerade eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes.
Drei bis vier Monate lang leben die sogenannten Eichelschweine im Wald, zur Herbstveredelung. Vorher lebten Huss? Tiere knapp sechs bis sieben Monate lang in einem regionalen Vormastbetrieb.
In einigen Wochen wird das erste Mal geschlachtet. Schon jetzt trudeln die Vorbestellungen ein. Nur drei Termine gibt es pro Jahr, nur dreimal bekommen die Kunden das mittlerweile sehr begehrte Eichelschwein-Fleisch frisch. Das ist ungleich teurer als Abgepacktes im Laden. Pro Kilogramm Schnitzel werden beispielsweise 22,50 Euro fällig – das mindestens Vierfache wie im Discounter. Ein Kotelett kostet gerne sogar das Fünffache. „Immer mehr Menschen achten auf Herkunft und Geschmack“, sagt Huss. „Und manche sind bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen.“ Zu seinen Kunden zählen längst nicht nur Sterneköche und Bio-Metzger. „Mittlerweile machen Privatleute etwa die Hälfte der Kundschaft aus“, so Huss.