Vorsorge ist besser als Soforthilfe
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Montag, 03. Sept. 2018
Experten prophezeien, dass nur wenige Landwirte Zuschüsse in Anspruch nehmen.
Stell Dir vor, es gibt staatliche Hilfe in Millionenhöhe. Aber keiner ruft sie ab. Zumindest niemand im Landkreis Kitzingen. Unvorstellbar? Keinesfalls.
150 bis 170 Millionen Euro beschließt die Bundesregierung als Soforthilfe für all die Landwirte, die in diesem Jahr von der Dürre betroffen sind. Den gleichen Betrag sollen die Länder zuschießen. „Diese Hilfe wird in unseren Breiten niemand in Anspruch nehmen“, prophezeit der Obmann des Bayerischen Bauernverbandes, Alois Kraus. Eine Erklärung hat er auch: Zinslose Darlehen würden unter dem Strich wenig weiterhelfen. „Die muss man ja irgendwann zurückzahlen.“
Es gibt noch einen anderen Grund, warum die Landwirte in der Region vermutlich keine Soforthilfe in Anspruch nehmen werden. Wer einen entsprechenden Antrag stellen will, der muss erst einmal Eintragseinbußen in Höhe von mindestens 30 Prozent nachweisen. In den Gesprächen mit seinen Kollegen hat Kraus immer wieder vernommen, dass diese Grenze nicht erreicht wird. Und das ist die gute Nachricht in einem schlechten Erntejahr: Im Vergleich zu den Kollegen im Norden und Osten des Bundeslandes sind die meisten fränkischen Landwirte noch mit einem blauen Auge davon gekommen. „Regional ist ja doch der eine oder andere Schauer runter gekommen“, erinnert Kraus. So extreme Ertragseinbußen wie in Niedersachsen oder Brandenburg habe es hierzulande nicht gegeben.
Das bestätigt auch der Geschäftsführer des Bauernverbandes in Kitzingen, Wilfried Distler. Die Kollegen in Norddeutschland hätten die Hilfe bitte nötig, in Franken sei man den Umgang mit Trockenheit gewohnt. Die meisten Landwirte legen seit Jahren einen größeren Futtervorrat an.
Bernd Hörner hat rund 60 Kühe in seinem Stall stehen. Die wollen mit Futter versorgt werden, Tag für Tag. Hörner kann sich noch an die Erzählungen seines Vaters erinnern: 1976 hat der täglich frisches Heu geholt, auch damals war das Jahr sehr trocken und heiß. Der Kleinlangheimer sorgt auch deshalb – wie die meisten seiner Kollegen – vor. Etwa ein Drittel des Jahresbedarfs an Futter legt er als Vorrat an. „Die letzten beiden Jahre sind ja gut gelaufen“, sagt er, was Alois Kraus bestätigen kann. „Die Erträge und die Futtersituation waren relativ gut.“
Aber das trockene Jahr 2018 geht natürlich auch an den hiesigen Landwirten nicht spurlos vorbei. „Mit der Vorratshaltung kommen wir an unsere Grenzen“, berichtet Kraus. Und Bernd Hörner ergänzt, dass die Preise für den Doppelzentner Stroh schon enorm gestiegen sind – von durchschnittlich acht bis neun Euro in den letzten Jahren auf rund 20 Euro. Die Frage lautet deshalb, ob die Soforthilfe der Bayerischen Staatsregierung überhaupt praxistauglich ist, wie Distler zu bedenken gibt. „Zuschüsse für den Zukauf von Grundfutter sind grundsätzlich gut gemeint“, sagt er. „Das Problem ist nur, dass am Markt kaum Futter verfügbar ist.“
Noch so ein Jahr und den Landwirten wird es auch in Mainfranken an die Existenz gehen. Subventionen vom Bund oder von den Ländern sind für Bernd Hörner trotzdem nicht die Lösung. Gerade nicht auf lange Sicht.