Von wegen schwarzes Schaf
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Mittwoch, 19. Sept. 2018
Tierische Kontrolle: Das Veterinäramt zu Besuch beim Circus Solero
Solche Patienten hat Dr. Claudia Baldauf auch nicht alle Tage. Wobei: Patienten ist das falsche Wort. Die Trampeltiere vom Circus Solero sind wohlauf. Der Besuch der Veterinärärztin ist Routine.
Fünf Trampeltiere, sieben Ziegen, zwei Holländische Friesen, dazu Shetland- und Welsh-Ponys: Auf der Wiese an der B8 am Anfang der Kitzinger Siedlung stehen nicht nur ein großes Circuszelt und ein paar Wohnanhänger. Dort sind auch die Tiere unter einem Zeltdach untergebracht. Und deren ordnungsgemäße Pflege will überwacht und dokumentiert sein.
Sobald ein Zirkus, der mit Tieren reist, in einer Stadt gastiert, muss das Veterinäramt informiert werden. „Wir schauen dann erst mal in die Zirkus-Datenbank“, erklärt die Tierärztin. Dort tragen die Kollegen aus anderen Landkreisen eventuelle Unregelmäßigkeiten oder Auffälligkeiten ein. „Früher hat es schon das eine oder andere schwarze Schaf gegeben“, erinnert sich Dr. Baldauf, die seit 2001 in Kitzingen ihren Dienst verrichtet. „Das hat sich längst geändert.“
Keine Beanstandungen
Vieles hat sich zum Besseren gewandelt. Zu ihren Anfangszeiten waren die Tiere beispielsweise noch überwiegend angebunden. Jetzt können sich Ali Baba, Achilles und all die anderen Vierbeiner des Circus Solero in ihren Boxen bewegen. Sie haben alle jederzeit Zugang zu Wasser und bekommen frisches Heu. Futter, Trinken, Bewegungsmöglichkeiten, genug Schatten und Luftzirkulation: Das sind die Dinge, nach denen Dr. Baldauf vor allem schaut. Beim Circus Solero gibt es keine Beanstandungen. Nur eine Kleinigkeit. Bei zwei Ziegen fehlen die Ohrmarken.
Gabriele Köllner schüttelt den Kopf, wenn sie an die Vorurteile denkt, die es immer noch über die Tierhaltung im Zirkus gibt. „Wir behandeln unsere Tiere gut“, betont sie und fragt, wie es auch anders sein könne. Jeden Tag werden sie einem Publikum vorgeführt, jeden Tag von der Öffentlichkeit begutachtet.
Köllner ist quasi mit den Tieren aufgewachsen, ist ein echtes Zirkus-Kind. „Meine Großeltern und Ur-Großeltern hatten auch schon einen Zirkus“, sagt sie. Jetzt ist sie mit ihrer Tochter und ihren Enkeln in Kitzingen gelandet. Nicht zum ersten Mal.
Der Platz zwischen Mozartstraße und B8 ist in Privatbesitz. Köllner ist froh und dankbar, dass die Familie ihre Zirkus-Zelte dort zum wiederholten Male aufstellen darf. „Es wird immer schwieriger, einen geeigneten Ort zu finden“, berichtet sie. Viele Städte würden ihr gar keinen Platz mehr vermieten, andere irgendwo am Rande der Stadt, in einem unattraktiven Gewerbegebiet. „Da kommen kaum Leute vorbei“, ärgert sie sich. Das Geschäft werde immer schwieriger, Jugendliche würden kaum noch kommen, nur noch die ganz kleinen Kinder mit ihren Bezugspersonen.