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Volle Konzentration auf die Straße


Autor: Ralf Dieter

Kitzingen, Dienstag, 18. Sept. 2018

Viele Autofahrer unterschätzen immer noch die Gefahren, die von Ablenkungen am Steuer ausgehen.
Nicht zu unterschätzende Gefahr: Etwa ein Drittel der Verkehrsunfälle in Deutschland gehen mittlerweile auf irgendeine Art von Ablenkung des Fahrers zurück. Harald Hufnagel und seine Kollegen von der PI Kitzingen starten am Donnerstag einen Aktionstag.


Mal schnell eine Whats-App-Nachricht schreiben? Mal kurz aufs Handy schauen, wer da angerufen hat? In den eigenen vier Wänden kein Problem. Im Büro auch nicht. Im Auto hochgefährlich. Die Polizeiinspektion in Kitzingen will mit einem Aktionstag auf die Gefahren der Ablenkung im Straßenverkehr hinweisen.

Harald Hufnagel und seine Kollegen haben schon viele Unfälle aufnehmen müssen, bei denen die Verursacher schlicht und einfach abgelenkt waren. Essen, Trinken, eine Unterhaltung mit dem Beifahrer, weinende Kinder auf dem Rücksitz: All das kann zu einem Moment der Unaufmerksamkeit führen. Und schon ist es passiert.

Zum Schuljahresbeginn war Hufnagel in der Fischergasse in Kitzingen eingeteilt, um die Sicherheit der Schulanfänger zu gewährleisten. Dabei beobachtete er eine Frau, die mit einem Becher Kaffee in der Hand sichtlich Probleme hatte, ihr Auto zu manövrieren. „Es gibt viele Arten der Ablenkung“, weiß der Verkehrssachbearbeiter bei der Polizeiinspektion Kitzingen.

Handy ist am gefährlichsten

Am häufigsten werden Autofahrer jedoch durch ihr Handy abgelenkt – und das ist fast immer gefährlich, wie die Statistik unterstreicht.

Die Wahrscheinlichkeit, beim Lesen oder Schreiben einer Nachricht einen Verkehrsunfall zu verursachen, ist zwölf mal höher als ohne irgendeine Ablenkung.

14 Meter legt ein Autofahrer bei Tempo 50 innerhalb von einer Sekunde zurück. Wer das Navi bedient oder „mal kurz“ eine Textnachricht schreibt, der braucht dafür deutlich länger als eine Sekunde. Entsprechend weit ist die Strecke, die er dabei im Auto zurücklegt – ohne wirklich aufmerksam zu sein.

Die Gefahren, die von der Benutzung eines Handys im Straßenverkehr ausgehen, sind seit etwa fünf Jahren ein Thema. „Seit 2017 wird das Bedienen eines Handys während der Autofahrt sanktioniert“, berichtet Hufnagel. 100 Euro plus 28,50 Euro Gebühr für einen Punkt in Flensburg. So lautet die Strafe. In Fachkreisen werden aber schon jetzt Stimmen laut, die für einen zweiten Verstoß dieser Art zusätzlich ein Fahrverbot von einem Monat fordern. „Mancher lernt halt nur durch harte Strafen“, sagt Hufnagel. Eine Untersuchung in den USA hat ergeben, dass 68 Prozent der Unfälle auf eine Ablenkung zurückzuführen sind, in Deutschland liegt die Zahl bei ungefähr 50 Prozent.

Einsichtige Autofahrer

Jeder zweite Unfall könnte vermieden werden, wenn die Autofahrer sich auf das Wesentliche konzentrieren würden. „Denken Sie nur an die Auffahrunfälle an Ampeln“, sagt Hufnagel. „Die sind fast immer auf Ablenkung zurückzuführen.“ Das Erstaunliche: Kaum ein Autofahrer, der angehalten wird, bestreitet die Gefahr, die von seinem Fehlverhalten ausgeht. „Die Leute sind in der Regel einsichtig“, sagt Hufnagel und berichtet von einem erstaunlichen Phänomen: Wer mit dem Handy am Ohr am Steuer sitzt, drosselt in der Regel seine Geschwindigkeit. „Viele Autofahrer gehen instinktiv vom Gas, weil sie wissen, dass ihr Verhalten gefährlich ist.“ Abstellen tun es jedoch die Wenigsten. Die Versuchung ist einfach zu groß. Auch da hat Harald Hufnagel einen Tipp. „Ich verstaue mein Handy einfach im Rucksack, wenn ich Auto fahre.“

Und wenn das Kleinkind auf dem Rücksitz weint? „Nach vorne schauen, beruhigend auf das Kind einreden und bei der nächsten Möglichkeit rechts ranfahren“, rät der Experte.

Am Donnerstag, 20. September, wird die Polizei im gesamten Landkreis Kitzingen den Aktionstag „Ablenkung“ durchführen. Konkret heißt das: Vier stationäre Kontrollen werden aufgebaut, insgesamt fünf Stunden lang werden Beamte sich verstärkt auf diese Problematik konzentrieren. „Natürlich schauen auch die Kollegen, die auf Streife sind, an diesem Tag verstärkt auf Verehrsteilnehmer, die abgelenkt sind“, sagt Hufnagel. Mit dem Aktionstag wollen die Beamten auf ein Fehlverhalten aufmerksam machen, das immer weiter um sich greift. Die richtigen Konsequenzen muss jeder Autofahrer für sich ergreifen.