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Verrückt nach dem Käfer: Was das Kultfahrzeug von VW so besonders macht


Autor: Daniela Röllinger

Kitzingen, Donnerstag, 19. November 2020

Dietmar Parakenings hat sich mit 18 Jahren seinen ersten VW-Käfer gekauft. Seitdem schlägt sein Herz für das Kultfahrzeug.
Schön, schnell, faszinierend: Käfer haben es Dietmar Parakenings angetan. In den 1990er Jahren fuhr er Rennen mit, ging unter anderem beim Käfer-Cup auf dem Hockenheimring mit seinem Rennkäfer auf die Strecke. Fotos: Parakenings


Die Namensgleichheit des Ortes ist Zufall: 1935 stellte Ferdinand Porsche in seiner Villa im Feuerbacher Weg in Stuttgart den Prototyp des ersten Volkswagens vor. Das Fahrzeug, das als Käfer Kultstatus erreichen sollte. Ein Auto, das bis heute Millionen Menschen begeistert. Einer von ihnen lebt in Feuerbach bei Wiesentheid. Seit 32 Jahren schlägt das Herz von Dietmar Parakenings für das Auto mit den kugelrunden Scheinwerfern. Zeitweise nannte er bis zu 40 Fahrzeuge sein Eigen.

Man könnte meinen, die Liebe zu Fahrzeugen wäre Dietmar Parakenings in die Wiege gelegt worden. Sein Vater war ein begeisterter Autoschrauber. Er kaufte Unfallautos, schlachtete sie aus, baute sie um. Doch den Sohn hat das nicht interessiert. „Das hat jeden gewundert”, erinnert er sich lachend.

Erster VW-Käfer zum 18. Geburtstag: Schon bei der ersten Fahrt packt ihn die Leidenschaft

Mit seinem 18. Geburtstag änderte sich das schlagartig. Parakenings kaufte sich einen VW-Käfer und schon bei der ersten Fahrt packte ihn die Leidenschaft – zum Leidwesen seiner Eltern. „Irgendwann hat mein Vater gefragt, was die ganzen Autos da draußen sollen.“ Innerhalb kürzester Zeit hatte der Sohn zehn Käfer gekauft.

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Ausbauen, umbauen, ausschlachten, einbauen, aufmotzen: In den letzten 32 Jahren hat der heute 50-Jährige an unzähligen Fahrzeugen geschraubt. Ein Wort, das nur für Laien eher abwertend klingt. Ein echter Autoschrauber, der kennt sich aus. Der weiß genau, wo welches Teil hingehört, was wie funktioniert. Der fachsimpelt über PS und Baujahr, weiß, wo der Hubzapfen der Kurbelwelle sitzt und welcher kleine Dreh an welcher Schraube das Auto den entscheidenden Tick schneller machen kann. Für einen Autoschrauber klingt es wie Musik, wenn die Motoren dröhnen.

Gedröhnt haben die Motoren von Dietmar Parkenings Fahrzeugen oft. Beim Schrauben, bei privaten Fahrten, aber auch auf der Rennstrecke. Mehrere Jahre ist der Feuerbacher Rennen gefahren, war beim Käfer-Cup dabei, drehte schnelle Runden beim Rennslalom auf dem Hockenheimring, fuhr auf dem Salzburgring, auf der Avus in Berlin, in Zandvoort in Holland, im DTM-Rahmenprogramm. Immer umgeben von Menschen, die genauso begeistert waren von Fahrzeugen wie er. Deren Käfer bis zu 250 PS hatten. „Da kannst Du schon was rausholen“.

Käfer-Cup: Noch heute treffen sich die "Verrückten" auf der Rennstrecke

Käfer-Infizierte, mit denen man fachsimpelte, Benzingespräche führte von der Ankunft bis zur Abfahrt – bis zum nächsten Wochenende dann. Zwischendurch, unter der Woche, wurde der Motor ausgebaut, zerlegt und wieder zusammengebaut. „Ich war nur am Schrauben“, sagt Dietmar Parakenings über die Zeit vor 25 Jahren. Von 1993 bis 1995 hat er nur für die Rennen gelebt. „Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Es war verrückt.“ Eine Zeit, die ihm unglaublich viel Spaß gemacht hat – die Begeisterung hört man noch heute, wenn er darüber erzählt. Und noch heute treffen sich die „Käfer-Cup-Verrückten“ regelmäßig, um auf einer 2,3 Kilometer langen Rennstrecke ihre Kräfte zu messen. Auch Dietmar Parakenings wird beim nächsten Treffen wieder dabei sein.

Erst einen Käfer, dann zehn, dann 40 – irgendwann wurde es doch zu viel. Die Fahrzeuge brauchten Platz und auch das Ersatzteillager, das sich der Feuerbacher mit den Jahren angelegt hatte, wuchs und wuchs. Anfang der 2000-er Jahre rückten die Fahrzeuge nach und nach in den Hintergrund, Parakenings widmete seine Zeit der Reaktivierung der Steigerwaldbahn. 2005 kaufte er seinen letzten Käfer. Es war, wie so viele seiner Autos, ein Sondermodell: die „Ultima Edicion“, ein Exemplar der letzten Serie, die 2003 in Mexico vom Band lief, bevor die Produktion eingestellt wurde. „Nach meinem Käfer wurden nur noch 59 gebaut”, sagt der 50-Jährige. Noch immer ist das Auto zugelassen, noch heute fährt Dietmar Parakenings regelmäßig damit. „Mit den anderen Käfern ist die Ultima Edicion nicht vergleichbar”, sagt er. „Die Hülle ist ein Käfer, aber sonst hat sich viel verändert.“

Kat, Alarmanlage, Bordcomputer, ein modernes Fahrzeug eben. Und eines, an dem er auch nicht schraubt. „Der ist so vom Band gelaufen und komplett unberührt.” Verkaufen wird er ihn nicht, genauso wenig wie den Golf 1, den er 2003 erworben hat, und den Gelb-Schwarzen-Renner – den gibt es weltweit nur noch etwa 100 Mal, berichtet der Autofan stolz.

Die Preise für die „Ultima Edicion“ und für den Rennkäfer sind hoch, Parakenings würde gutes Geld bekommen, wenn er verkaufen würde. Vor allem, weil sie in gutem Zustand sind. „Heute kriegst Du selbst für ein Sondermodell, das nur noch ein Schrotthaufen ist, viel Geld.“ Das war nicht immer so, der Feuerbacher hat die meisten seiner Fahrzeuge sehr günstig erworben und sie dann selbst auf Vordermann gebracht. Wer Fotos von der Bodenplatte eines Käfers Baujahr 1972 sieht, kann sich kaum vorstellen, dass man so etwas nicht verschrottet, sondern mit der Karosserie eines Postkäfers vereint. In vielen Stunden ist so nicht nur ein fahrbares Auto, sondern ein begehrtes Sammlerstück entstanden.

Derzeit bringt Dietmar Parakenings seine Sammlung auf Vordermann. Viele Fahrzeuge hat er verkauft, darunter das begehrte Sondermodell „Weltmeister“. Es stammt aus der Reihe, die 1972 gebaut wurde und mit der der Käfer den Ford Tin Lizzy als meistproduziertes Auto ablöste. Auch einen Teil seines Ersatzteillagers hat er im Internet angeboten. „Es war einfach nicht mehr genug Platz da.“ Die Modelle, die er behält, sind wetterfest untergebracht, in sie will er jetzt wieder mehr Zeit investieren. Denn die Faszination, die ihn als 18-Jähriger packte, hält auch nach 32 Jahren noch an.