Traditionell und nachhaltig
Autor: Daniela Röllinger
Kitzingen, Freitag, 06. Dezember 2019
Jedes Jahr neue Kugeln für den Christbaum? Das muss nicht sein. Der Schmuck von Oma hat seinen besonderen Charme und weckt Erinnerungen.
Das Haus ist mit Lichterketten geschmückt, auf dem Adventskranz glitzern bunte Kugeln und Plastikfiguren, am Christbaum glänzt Lametta. Geht das in Zeiten, in denen Klimaschutz und Nachhaltigkeit in aller Munde sind? Vieles, aber nicht alles, sieht Dr. Kirsten Bähr kritisch. Die Umweltreferentin beim Verbraucherservice Würzburg sagt nämlich auch: „Je länger etwas genutzt wird, desto nachhaltiger ist es.“
Rot, pink, blau, braun, weiß, gold, silber: Die Trendfarben für den Schmuck am Weihnachtsbaum variieren Jahr für Jahr. Wer sich der Mode unterwirft, bei dem stapeln sich im Keller die Kartons. Wie oft genutzt? Womöglich nur ein-, zweimal. Irgendwann landen die Deko-Objekte in der Mülltonne.
Mehrfach verwenden
Weihnachtskugeln sind aus Glas oder – weil vielen das zu zerbrechlich sind – aus Kunststoff. Ein langlebiges Material und deshalb gut über lange Zeit zu verwenden. Wären da nicht die wechselnden Farb-Trends. „Wenn ich ein Sortiment von Weihnachtsschmuck auf dem Speicher habe und es jedes Jahr wieder verwende, kann das schon nachhaltig sein“, sagt Kirsten Bähr. „Wenn ich jedes Jahr etwas Neues kaufe, ist das eher ungünstig.“
An Weihnachten ist es nicht anders als sonst im Jahr: Die Frage der Nachhaltigkeit hängt direkt vom Verhalten der Menschen ab. Lametta – das in diesem Jahr wieder „in“ sein soll – einfach im Baum hängen zu lassen, das geht gar nicht. Wird es fein säuberlich abgesammelt und dann im nächsten Jahr wieder verwendet, sieht es schon nicht mehr ganz so schlimm aus. Und wenn es irgendwann doch weggeworfen wird, ist die richtige Sortierung des Mülls ganz wichtig.
„Oft gibt es keine klaren Ja/Nein-Antworten auf die Frage der Nachhaltigkeit“, sagt Kirsten Bähr. Obwohl sie Lametta durchaus kritisch sieht, ebenso wie Schokoanhänger am Weihnachtsbaum, denn die sind in Alufolie verpackt, die dann im Müll landet. Wobei Alu zumindest recycelt werden könne, sofern der Abfall richtig getrennt wird.
Langlebige Materialien sind die eine Alternative, die noch bessere sind Dinge, die gut abbaubar sind. Die Natur bietet da viele Möglichkeiten – Tannenzapfen, getrocknete Früchte, Gewürze wie Zimtstangen. Auch selbst gebastelte Strohsterne – aus echtem Stroh, nicht aus künstlichem – machen sich gut am Christbaum, ebenso Bänder und Schleifen aus wiederverwertbaren Materialien. „Eine gute Möglichkeit ist es auch, Sterne oder andere Anhänger aus Wolle zu häkeln.“ Dass auf vielen Weihnachtsmärkten schon solche Anhänger angeboten werden, hält die Umweltreferentin für ein gutes Zeichen. Zudem gibt es viele Anleitungen, solchen Schmuck selbst herzustellen, vom gehäkelten Christbaum über den Nikolaus bis zum Lebkuchenmann. Der muss nicht unbedingt aus Wolle bestehen – auch selbst gebackene Figuren erfreuen am Christbaum das Auge.
„Beim Thema Weihnachten hat sich die Nachhaltigkeit noch nicht so durchgesetzt“, findet Kirsten Bähr, auch wenn immer mehr Leute auf diesen Aspekt achten. „Weihnachten ist ein sensibler Bereich“, sagt sie. Viele knüpfen bestimmte Vorstellungen und Erwartungen an das Fest, haben ein bestimmtes Bild im Kopf, wie Weihnachten gefeiert werden soll. Da spielen auch Erinnerungen eine Rolle. Daher hat es nach Ansicht von Bähr sogar einen ganz besonderen Charme, Dinge von früher wieder zu verwenden – vielleicht den Schmuck an den Baum zu hängen, den die Oma schon verwendet hat. „Das ist in vielen Familien sogar Tradition.“