Suche nach bestmöglicher Qualität
Autor: Ralf Dieter
Schwarzenau, Mittwoch, 06. Mai 2020
Im Versuchs- und Bildungszentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau starten in diesen Tagen die Arbeiten für den Bau eines neuen Schlachthauses. Die Kapazitäten werden ausgeweitet, die Forschung intensiviert.
Montag ist Schlachttag. Und das soll auch nach dem Bau eines neuen Schlachthauses so bleiben. Schließlich wollen die Mitarbeiter des Versuchs- und Bildungszentrums für Schweinehaltung in Schwarzenau weiter forschen. Ihr Ziel: Die bestmögliche Qualität bei Schweinefleisch erreichen.
Günter Paul lebt in Schwarzenau, seit mehr als 20 Jahren arbeitet er im Staatsgut. Er hat schon tausende Schweine auf ihrem Weg vom Ferkel bis zum Endprodukt begleitet. Jeden Montagvormittag werden rund 100 Schweine geschlachtet, etwa 15 pro Stunde. „In normalen Schlachthöfen geht das viel schneller“, erklärt Paul. In Schwarzenau liegt der Fokus nicht auf Masse, sondern auf Klasse. „Wir sind ein Bildungs- und Versuchszentrum“, erinnert der Leiter der Einrichtung, Thomas Schwarzmann. „Wir demonstrieren auch Landwirten in der Ausbildung, wie sich optimale Fleischqualität darstellt.“
Ein Chip im Ohr
Ab einem Lebendgewicht von 118 Kilo werden die Schweine geschlachtet. Die meisten Tiere kennen Günter Paul und seine sieben Mitarbeiter von klein auf. Jedes fünfte Schwein in der Schlachtstraße ist in Schwarzenau zur Welt gekommen, die anderen werden als Ferkel aus Zuchtbetrieben in ganz Nordbayern nach Schwarzenau gebracht und gemästet. Von klein auf wird jeder Schritt der Ferkel überwacht und dokumentiert. Ein Chip im Ohr ermöglicht eine lückenlose Überwachung. Gehen sie zum Futternapf und fressen, wird die Menge erfasst und später ausgewertet. „Die Fütterung hat auch einen Einfluss auf die Qualität des Fleisches“, sagt Schwarzmann. Viel entscheidender sei jedoch der Stress, der beim Transport zum Schlachthaus entsteht. Je kürzer die Wege, desto besser. „Das lässt sich am PH–Wert sehr gut nachvollziehen“, erklärt Günter Paul. In Schwarzenau dauert der Transport vom Stall zum Schlachthaus nur ein paar Minuten.
PH-Wert und Tropfsaftverlust
Der entscheidende Faktor für die Fleischqualität ist allerdings die Zucht. „Wenn der Landwirt weiß, in welche Richtung er gehen will, dann weiß er auch, welchen Eber er sich aussucht“, erklärt Paul.
Als der 49-Jährige beim Versuchszentrum angefangen hat, ging es vor allem um Masse. Groß und fett sollten die Schweine sein, um viel Fleisch zu bringen. „Das hat sich komplett gewandelt“, sagt Paul. Seit etwa zehn Jahren geht es darum, möglichst saftiges und geschmacksintensives Fleisch zu erzeugen. Also messen die Techniker den intramuskulären Fettanteil, bestimmen den PH-Wert oder nehmen den so genannten Tropfsaftverlust ins Visier.
In einem kleinen Labor untersucht eine Mitarbeiterin, wie sich das portionierte Fleisch in einer typischen Lebensmittelverpackung hält. 24 Stunden wird es eingeschweißt in einer Folie gelagert. Anschließend wird es auf seine inneren Werte hin untersucht. Ein Richtwert dabei: Je weniger Flüssigkeit sich in der Schale befindet, um so besser.
Vier Metzger sind jeden Montag in der Forschungsanstalt zugange, insgesamt arbeiten sieben Mitarbeiter an der Mastleistungsprüfungsanstalt. „Wir erfassen die Daten“, erklärt Paul. Ausgewertet werden sie an der Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub. Die dortige Leistungsprüfungs-Abteilung für Schweine soll in absehbarer Zeit geschlossen werden. Die Forschung rund um die Schweinefleischerzeugung wird dann zentral in Schwarzenau erfolgen. „Eine Aufwertung für unseren Standort“, freut sich Schwarzmann. Ohne bauliche Maßnahmen ist die Umstrukturierung allerdings nicht zu stemmen.