Stein für Stein eine Überraschung
Autor: Diana Fuchs
Kitzingen, Freitag, 02. August 2013
Sanierung: Eine Rotweinflasche aus dem Jahr 1930 hat er gefunden und auch sonst hat er so manches Mal feuchte Augen bekommen: Hans Lang lässt ein 2300 Quadratmeter großes Altstadt-Areal mit Stadtvilla, -mauer und -türmen sanieren. Ein abenteuerliches Projekt.
Hans Lang, ein Abenteurer? Nein, eigentlich gar nicht. Den Diplom-Betriebswirt, Steuerberater und Rechtsanwalt bringt man in Kitzingen eher mit Begriffen wie Bodenständigkeit und Sicherheit in Verbindung. Und doch: Seit rund einem Jahr ist Lang auch eine Art Indiana Jones der Altstadt.
Dort, zwischen Leidenhof, Kapuzinerstraße und Kaufhaus Storg, hat er zusammen mit seiner Frau Ingrid vor vier Jahren ein 2300 Quadratmeter großes Areal mit allerlei historischer Bausubstanz gekauft, darunter zwei alten Stadttürmen mit jahrhundertealten Geheimnissen.
„Das verwilderte Grundstück mit seinem alten Baumbestand hat mich fasziniert“, denkt Lang an die Zeiten zurück, in denen er die letzte Besitzerin besuchte. „Die alte Frau Hartner gehörte zu meinen langjährigen Klienten.“ Sie war die Hinterbliebene des früheren Malergeschäftes Michael Hartner, das im Leidenhof 11 seinen Betriebssitz hatte.
Wenn, dann richtig. Schon vor ihrem Tod hatte die alte Damen es Hans Lang ans Herz gelegt, der Erbengemeinschaft das Grundstück abzukaufen. Nach Rücksprache mit seiner Frau tat der Steuerberater, der aus einer alten Etwashäuser Gärtnerei stammt, das tatsächlich. „Dieses Objekt“, sagt er fast feierlich, „ist so schön und so zentral - das gibt es in Kitzingen nur einmal.“
Klar war aber von Anfang an auch: Eine vollumfängliche Instandsetzung und Generalsanierung war unumgänglich. Und eine solche kostet Geld. Viel Geld.
Hans Lang nahm die Herausforderung an. „Wenn, dann g'scheit“ - nach diesem Motto ließ er dem mit ihm befreundeten Architekten Karl-Heinz Schmidt weitgehend freie Hand. Als Bauleiter sollte der für schwierige Denkmalschutzobjekte bekannte Schmidt nicht nur die alte, dreigeschossige Villa auf Vordermann bringen, sondern auch die innere Stadtmauer, die sich mitten durchs Grundstück zieht, sowie die beiden früheren Stadttürme. Letztere stehen auf Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert.
Verglichen mit historischen Stichen wurde schnell deutlich, dass Mauer und Türme Anfang des vergangenen Jahrhunderts einige Meter weiter aus der Erde ragten. „Sie müssen – wahrscheinlich nach dem Krieg – verfüllt worden sein.“