Zu viel Müll in der Stadt
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Dienstag, 14. Juli 2020
Am Bleichwasen, am Mainkai, im Rosengarten, an den Containerstandorten: Überall finden sich wilde Müllablagerungen. Das Problem ist nicht nur auf die Stadt begrenzt.
Wenn die meisten Leute aus dem Haus gehen, ist der Spuk schon vorbei. Dann haben die Mitarbeiter von Georg Günther schon ganze Arbeit geleistet. Wie viel Müll sie gerade an Samstagen und nach den Wochenenden zu entsorgen haben, können sich die meisten Bewohner Kitzingens gar nicht vorstellen.
Um 5 Uhr in der Früh machen sich die Straßenreiniger des Bauhofes auf den Weg. Ihre Mission: Kitzingen vom Müll befreien. Einer ist für die Innenstadt und den Mainkai zuständig, einer für das restliche Stadtgebiet und ein anderer dreht auf der Kehrmaschine seine Runden. 400 Abfallkörbe werden pro Woche geleert.
Manche an sieben Tagen die Woche, andere nur einmal. Normalerweise sind die Arbeiter an den Wochenenden sechs bis acht Stunden unterwegs, um die Innenstadt, den Mainkai und das Gartenschaugelände vom Müll zu befreien. „Im Moment sind es bis zu zwölf Stunden“, sagt Günther.
Besonders schlimm hat sich die Lage am ehemaligen Gartenschaugelände entwickelt. Pizzaschachteln, Fast-Food-Verpackungen, Flaschen und vieles mehr türmen sich auf den Rasenflächen und an den Sitzecken. „Die Leute lassen ihren Müll einfach liegen“, ärgert sich Günther.
Eine ganz neue Problematik ist die Vermüllung in diesem Bereich nicht. Seit etwa eineinhalb Jahren beobachtet Günther eine Zunahme an liegen gelassenem Müll. Ausnahme: Während der Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Zeit sei das Stadtgebiet so sauber wie nie zuvor gewesen. „Aber jetzt lassen es die Leute wieder krachen“, stellt der Bauhofleiter fest, der grundsätzlich kein Problem damit hat, wenn gefeiert wird. „Aber dann sollte man wenigstens den Müll zu den Abfallkörben tragen.“
Oberbürgermeister Stefan Güntner ist auf die Thematik von einer Bürgerin angesprochen worden. Er hat dem Bleichwasen am vergangenen Freitag zusammen mit seinen Kitzinger Bürgermeisterkollegen und der Polizei einen Besuch abgestattet. Eine Erkenntnis, die er mit in den Stadtrat nehmen will: Vor Ort gibt es nicht genug Abfalleimer. „Wir müssen einen Mittelweg finden“, sagte er am Dienstag in einem Telefonat mit dieser Redaktion. Einerseits soll das Stadtbild nicht vermüllt werden. Andererseits könne es auch nicht sein, dass die Problematik auf die Allgemeinheit abgewälzt wird. Mehr Abfallkörbe und mehr Arbeitsstunden bedeuten letztendlich mehr Müllentsorgungskosten. Denkbar sei auch eine Erhöhung der Bußgelder oder der Erlass einer Satzung, die beispielsweise ein Alkoholverbot am Gartenschaugelände beinhaltet. „Aber Verbote sind erst mal nicht unser Ansatz“, sagt Güntner. Vielmehr will er das Gespräch suchen und die Feiernden sensibilisieren. „Wenn das nicht funktioniert, sind wir irgendwann gezwungen zu handeln.“
Der Bleichwasen ist längst nicht der einzige Ort, an dem die Mitarbeiter des Bauhofes ganze Arbeit leisten müssen. „Am Rosengarten hatten wir auch schon jede Menge Müll auf den Rasenflächen liegen“, erzählt Günther. Und beim Gedanken an die „Alte Poststraße“ wird ihm jetzt noch ganz anders. „Da haben die Kollegen schon mal eine ganze Schweinehälfte wegräumen müssen.“ Einen ganzen Bus, voll mit Müll, habe der Bauhof dort schon mal entsorgen müssen, immer wieder werden in diesem Bereich illegale Müllablagerungen beobachtet. Die Stadt will dort besonders wachsam sein, um die Täter zu erwischen.