Druckartikel: Sie packen's dann mal

Sie packen's dann mal


Autor: Ralf Dieter

Kitzingen, Donnerstag, 19. April 2018

Das Team von jungStil zieht von der Innenstadt ins Stadtteilzentrum in der Siedlung - doch für die Kitzinger Stadtjugendpflege ist das nur eine Zwischenlösung.
Viel zu tun und trotzdem gute Laune: Oliver Schübert, Sainab Hassan, Jochen Kulczynski und Cornelia Grundler haben in dieser Woche den Umzug von der Innenstadt ins Stadtteilzentrum in der Siedlung gemeistert.


Seit neun Jahren ist Jochen Kulczynski der Leiter von „jungStil“, der städtischen Jugendarbeit in Kitzingen. „In dieser Zeit war immer Bewegung drin“, sagt er. So viel Bewegung wie momentan dürfte aber auch für ihn und seine Mitarbeiter ungewöhnlich sein.

Seit Anfang der Woche läuft der Umzug der Stadtjugendpflege. Vom Bürgerzentrum direkt am Main geht es ins Stadtteilzentrum in der Siedlung. Eine Übergangslösung. Wie lange sie dauern wird, weiß derzeit keiner der Beteiligten.

Schreibtische, Schränke, Ordner: Alles muss aus- und wieder eingeräumt werden. Das Haus mit der offiziellen Adresse „Schrannenstraße 35“ ist bekanntlich verkauft. Ein Investor will dort ein Hotel errichten. Bis Ende Juli müssen alle bisherigen Nutzer ausgezogen sein. Jochen Kulczynski wollte den Umzug möglichst bald über die Bühne bringen. Im Mai beginnt der Verkauf der Ferienpasskarten, spätestens dann beginnt auch die heiße Phase für sein Team.

Zusammen mit der Stadt hatte Kulczynski Alternativen für den Umzug in die Siedlung besprochen. Ein paar Büroräume in der Innenstadt anmieten, beispielsweise. „Aber das hier ist die praktikabelste Zwischenlösung“, meint er. Seit Anbeginn des Stadtteilzentrums ist die Stadtjugendpflege dort vertreten. Zwischen 20 und 30 Kinder kommen werktags zu den nachmittäglichen Angeboten zwischen 15 und 18 Uhr. Genug Platz für die Büros gab es im Erdgeschoss auch. Und wer sich beispielsweise einen Ferienpass direkt abholen möchte, der findet vor der Tür einen Parkplatz.

Ferienpassaktionen laufen weiter

Spätestens bis Ende dieser Woche soll der Umzug mit all seinen nachfolgenden Arbeiten geschafft sein. Dann stehen den vier Mitarbeitern, die sich drei Vollzeitstellen teilen, zwei eingerichtete Büros zur Verfügung. Für die jungen Gäste gibt es im Erdgeschoss nach wie vor einen Chill-Raum sowie eine komplett eingerichtete Küche. Die Räumlichkeiten geben einiges her. In den Sommerferien hat Kulczynski den großen Saal im Stadtteilzentrum für drei Wochen angemietet. Dort können bei schlechtem Wetter Angebote für die Ferienpasskinder entwickelt werden.

Dennoch: Ganz ideal ist das Gelände für die Jugendarbeit natürlich nicht. Gerade der Außenbereich ist nicht gerade ein El Dorado zum Spielen und Toben. Zwei viel befahrene Straßen sind in unmittelbarer Nähe. „Aber es soll ja auch nur eine Zwischenlösung sein“, sagt der Stadtjugendpfleger.

Zwei Varianten stehen momentan für eine dauerhafte Lösung zur Debatte. Bei beiden handelt es sich um Neubauten. Die größere Variante beinhaltet ein Gebäude, in dem neben der Jugendarbeit auch der Familienstützpunkt und eventuell sogar die „Rappelkiste“ – ein Angebot der Aktionsgemeinschaft Sozialisation (AGS) für die Betreuung von Grundschulkindern am Nachmittag – unterkommen. „Oder es entsteht ein Haus, das nur von der Stadtjugendpflege genutzt wird“, erklärt Kulczynski. Ein Neubau soll es auf jeden Fall werden. Und dafür gibt es derzeit vier mögliche Standorte, verteilt im gesamten Stadtgebiet. Der Auftrag, den bestmöglichen Ort zu finden, liegt gerade im Bauamt. „Wir untersuchen die verschiedenen Standorte bezüglich ihrer Eignung“, bestätigt dessen Leiter Oliver Graumann. Will heißen: Gibt es genug Freiräume für Außenaktivitäten? Besteht die Gefahr einer Ruhestörung für die Nachbarn? Sind die Grundstücke groß genug und gut zu erreichen? Bis Ende diesen Jahres will er dem Stadtrat eine vergleichende Darstellung vorlegen. „Damit wir dann weiter planen können.“

Für die große Lösung

Jochen Kulczynski hat sich schon auf seinen Lieblingsstandort festgelegt. Im Bereich Bleichwasen könnten der nahe Skaterplatz und die Freizeitanlagen mit genutzt werden. Einen Neubau bezeichnet er als „super Chance“ für die künftige städtische Jugendarbeit. Aus diesen Gründen heraus ist auch Dr. Stephan Küntzer, Referent für Jugend und Familien im Stadtrat, für diesen Standort. „Außerdem würde das besagte Grundstück sich im Besitz der Stadt befinden“, nennt er einen weiteren Vorteil. Für ihn ist die Nähe zur Stadt ein entscheidendes Kriterium für die Standortfindung. Küntzer favorisiert ohne Wenn und Aber eine große Lösung, spricht von einem künftigen „Leuchtturmprojekt“. Das wäre auf Jahre hinaus „eine gute Anlaufstelle für die Jugendlichen in Kitzingen, aber auch für Familien.“ Im Herbst erwartet er die richtungsweisende Entscheidung des Stadtrates.

Zwei Jahre Zwischenlösung?

Derweil gehen die Aktivitäten von „JungStil“ ungebremst weiter. Konzerte werden veranstaltet, die Stadtjugendpflege ist in Schulen und bei städtischen Festen präsent, beim Stadtfest wird zum ersten Mal ein Skating-Contest angeboten und das Ferienpassprogramm wird ebenfalls weiterlaufen. Kulczynskis Kalkulation für die nahe Zukunft: Zwei bis drei Jahre werden er und seine Mitarbeiter wohl in und mit der Zwischenlösung im Stadtteilzentrum leben müssen. Dann erfolgt der Umzug. „Eine Jugendgeneration geht uns dabei flöten“, weiß er. Dafür sei man mit einem zweckmäßigen Neubau dann für 20 und mehr Jahre gut aufgestellt.