Druckartikel: Schöne Kühe und sehr viel Milch

Schöne Kühe und sehr viel Milch


Autor: Diana Fuchs

Kitzingen, Dienstag, 23. Januar 2018

Rinderzuchtverband: Die Region Kitzingen hat die beste Milchleistung in ganz Bayern.
Kuhflüsterer: Ute und Klaus Wanner mit ihrer tierischen Schönheitskönigin Sira.


Wäre Sira eine Menschenfrau, würden sich die Männer nach ihr umdrehen. Diese großen Augen mit den langen Wimpern, dieser ansehnliche Hintern... Sira ist allerdings kein Mensch. Sie ist eine gut 800 Kilo schwere Kuh-Schönheit. Bei der Kreistierschau hat sie in der Kategorie Fleckvieh den ersten Platz belegt.

Sie war eine der Attraktionen für die Mitglieder des Rinderzuchtverbands Franken und des Milcherzeugerrings Unterfranken, die sich zur Jahreshauptversammlung trafen. In Dettelbach ging es nicht nur um tierische Schönheit, sondern um ganz menschliche Pläne und das vergangene Wirtschaftsjahr.

Der Rinderzuchtverband (RZV) Franken kann auf starke Betriebe im Kreis Kitzingen zählen. Das ist wichtig, denn nach wie vor sinkt die Gesamtzahl der fränkischen Betriebe. 97 haben im vergangenen Jahr die Milchviehhaltung aufgegeben, so dass die Zahl der Verbandsmitglieder auf 3223 zurückgegangen ist. Die Statistik zeigt aber auch die positive Situation im Kreis Kitzingen. Die höchste Lebensleistung in Sachen Milchproduktion verbucht beim unterfränkischen Fleckvieh Rudolf Schellers Kuh Warta. Das 2003 geborene Tier, das elf Kälber geboren hat, gab in seinem Stall in Euerfeld bis Jahresende 121.050 Liter Milch.

Der zweite Platz gebührt Kuh Gamma aus dem Stall von Manfred Reppert aus Haidt. Die ebenfalls 2003 geborene Gamma, die zwölf Kälbern das Leben geschenkt hat, gab 117.110 Liter Milch. Beim Gelbvieh („Frankenvieh“) hat es die zwölfjährige Kuh Gini der Belz GdbR aus dem Nenzenheim auf Rang zwei (Milch-Lebensleistung) geschafft – mit immerhin 85.410 Litern Milch.

„Das sind schon sehr, sehr gute Leistungen“, kommentiert Wolfgang Wanner, Verbandsverwalter und Geschäftsführer der RZV-Geschäftsstelle Würzburg. Er betont, die Tiere würden keineswegs auf die Milchproduktion „getrimmt“: „Diese Leistung kommt nur, wenn Haltung, Pflege und Fütterung passen, also das Tierwohl an erster Stelle steht.“ Ziel sei es, nicht nur leistungsfähige, sondern auch möglichst langlebige, gesunde Tiere im Stall zu haben.

Die Auszeichnung „beste Betriebe in Unterfranken“ erhalten diejenigen Höfe, die im Durchschnitt die höchste Milchleistung der gesamten Herde aufweisen. Fett- und Eiweißgehalt fließen in die Bewertung ein. Diesmal war der Landkreis Kitzingen gleich fünfmal auf dem Siegertreppchen vertreten: Bei der Rasse „Fleckvieh“ kam Otto Kraus aus Biebelried auf den ersten Platz, vor Kilian Karl aus Nenzenheim und der Dürr GbR aus Kaltensondheim. Beim „Gelbvieh“ siegte Wolfgang Eckert aus Mönchsondheim vor der Dornheimer Weigand GdbR.

„Manches Mal wird sogar Goldspray hergenommen, damit das Fell schön glänzt.“
Ute Wanner, Landwirtin aus Wässerndorf

Als „herausragend“ bezeichnet Wanner die Ergebnisse der Milchleistungsprüfung für die Region. Als einziger Kreis in Unterfranken konnte Kitzingen im vergangenen Jahr die Marke von durchschnittlich 8000 Kilogramm Milch knacken. Das ist sogar bayernweite Spitze. Mit 8095 Kilo pro Tier und Jahr sind die Kitzinger Kühe ganz besonders gute Milchgeber. Woran das liegt? Wolfgang Wanner meint: „Wir sind eine Ackerbauregion. Luzerne und Mais, die hier angebaut werden, sind für Milchkühe hervorragend.“

Doch neben der Milch zählt auch die Schönheit. Hier gibt es eine Parallele zum Menschen – bei beiden Spezies gibt es Miss-Wahlen. Die Laufstege der Rinder sind Hallen wie die Dettelbacher Frankenhalle und die Ansbacher Rezathalle. Hier präsentieren Landwirte regelmäßig ihre schönsten Tiere. Sie putzen ihre Rinder fein heraus. Auf großen Schauen werden sogar professionelle Kuhfitter, also Styling-Profis, angeheuert –, damit von der Rasur bis hin zum Fellglanz alles stimmt und die Vorzüge des Tieres bestmöglich zur Geltung kommen. „Manches Mal wird sogar Goldspray hergenommen, damit das Fell besonders schön glänzt“, erzählt Ute Wanner aus Wässerndorf.

Sie und ihr Mann Klaus nutzen kein Spray, aber natürlich waschen auch sie die Tiere vor jeder Schau und bürsten kurz vor dem Bewertungslauf noch einmal das Fell. Die Wanners halten rund 60 Milchkühe; die allerschönste ist aktuell die 2002 geborene Fleckvieh-Dame Sira.

„Wenn wir mit ihr das Laufen geübt haben, hat sie sich schon richtig in Position gebracht“, erzählt Klaus Wanner lachend. Dennoch: Auch wenn sie ein „sehr gutes Fundament“, eine wunderbare Bemuskelung und schöne Milchadern besitzt – einen Sonderstatus im heimischen Stall bekommt sie nicht. „Sie wird behandelt wie alle anderen“, betont Klaus Wanner. „Sie lebt in einer ziemlich ruhigen Herde, da gibt es eh kaum Reibereien.“ Sira, die derzeit trocken steht, also in der „Mutterschutz-Phase“ ist, sei von Natur aus sehr gutmütig. „Sie lässt viel mit sich machen. Aber wenn's ihr langt, dann langt's ihr auch. In Dettelbach hatte sie zum Beispiel nach der Schau die Schnauze voll und war kaum noch zu halten, so schnell wollte sie aus der Halle raus.“

Pro Monat präsentieren sich mehrere Hundert Rinder in der Frankenhalle. „Bei den Auktionen des RZV konnte in diesem Wirtschaftsjahr ein hervorragendes Ergebnis erzielt werden“, freut sich Wolfgang Wanner. In allen Gattungen – vom Bullen bis zum Mastkalb – stellte er einen deutlichen Anstieg der Verkaufszahlen fest. Und darüber hinaus, betont Wanner, sei die Nachfrage von innerhalb und außerhalb Bayerns ebenfalls groß. „Schöne, gesunde, leistungsfähige, unkomplizierte Tiere möchte man eben überall haben.“

Tiere wie Sira also. „Sie hat das Potenzial, vielfache Mutter und eine sehr gute Milchkuh zu werden“, sagt Klaus Wanner. Schönheitskönigin ist sie ja schon. Aber wie wird man das überhaupt? „Das ist wie beim Menschen“, meint Ute Wanner. „Manchen sieht man das Alter an oder ob sie viele Geburten hinter sich haben – andere dagegen sehen auch nach zehn Kälbern wunderschön aus. Vor allem braucht es eben die entsprechenden Gene.“ Zum exzellenten Körperbau kommt bei Sira ein perfektes Euter, das nicht zu tief sitzt, sondern oberhalb der Sprunggelenke ihrer Hinterbeine endet. „Man sieht gut das Zentralband, das mitten durch das Euter läuft“, erklärt Klaus Wanner ein Schönheitsmerkmal.

Seine Frau Ute ergänzt: „Auch das ist wie beim Menschen: Ein großer, fester Busen ist für Schönheitsköniginnen wichtig.“ Eins allerdings unterscheide tierische und menschliche Miss-Wahlen doch: „Während es bei Frauen oft heißt, der Hintern sei zu dick, werden Kühe für ihren gut aufgefleischten Popo gerühmt.“

Über 100 000 Kühe

Der Rinderzuchtverband Franken e.V. ist mit über 3.200 Mitgliedern, die in Mittel-, Unter- und Randgebieten Oberfrankens über 100.000 Herdbuchkühe (v. a. Fleckvieh, Holstein, Gelbvieh) halten, eine der größten Zucht- und Vermarktungsorganisationen Süddeutschlands. In Ansbach und Dettelbach werden jährlich über 30.000 Kälber, 1.600 Jungkühe und 400 Zuchtbullen ins gesamte Bundesgebiet abgesetzt; fast 3500 Tiere werden in die ganze Welt exportiert.