An der Haustür, in Hofläden, auf Märkten, teils sogar online: Landwirte vermarkten ihre Produkte auf verschiedenen Wegen. Immer öfter gibt es auch Verkaufsautomaten, aus denen die Kunden rund um die Uhr Waren aus regionaler Erzeugung beziehen können. Bei einer Info-Veranstaltung des Amtes für Landwirtschaft haben sich im vergangenen Jahr viele Erzeuger über diese Möglichkeit informiert. Die Familie Keil hat sie jetzt in Hüttenheim verwirklicht.

Sabine und Roland Keil sind mit der Landwirtschaft groß geworden. Ihre Eltern bauen Wein und Obst an, die Familie erzeugt schon seit 1935 Destillate. Seine Eltern hatten früher ihren landwirtschaftlichen Hof im Ort, sind Anfang der 1980er Jahre ausgesiedelt. Das Ehepaar betreibt den Hof im Nebenerwerb mit Ackerbau und Weinbau. Ferkel stehen seit vielen Jahren nicht mehr im Stall, dafür widmet sich Sabine Keil leidenschaftlich der Imkerei. Ihren Honig sowie Honig-Produkte hat sie bislang im Hof an der Haustür oder auf Märkten verkauft sowie in einigen Supermärkten und in Dorfläden.

Die Hüttenheimerin hat schon länger darüber nachgedacht, die Direktvermarktung auszubauen. „Aber ein Hofladen ist zeitintensiv“, sagt sie. „Das können wir personell nicht stemmen.“ Auf einer Messe hat sie vor zwei Jahren einen Verkaufsautomaten entdeckt und sich näher darüber informiert. „Das hat sich wie ein Virus festgesetzt.“ Seit einigen Wochen steht der Automat nun im Betrieb am Rande des Ortes, nicht offen, sondern in einem extra Verkaufsraum.

Sabine Keil hatte sich von Beginn an überlegt, nicht nur die Produkte ihres eigenen Betriebs und dem ihrer Eltern, der Hofbrennerei Falk, anzubieten, sondern auch andere Erzeuger mit ins Boot zu holen. So können sich die Kunden nun rund um die Uhr mit Honig, Likör, Schnaps, Wurst und Schinken, mit Nudeln, Frischmilch und Joghurt, mit Freilandeiern aus Birklingen, Käse aus Markt Herrnsheim, Herrnsheimer Apfelschorle, Wasser und mit Wein von Hüttenheimer Winzern versorgen. Auch Brot hat sie im Angebot, wenn auch abgepackt. „Sie können sich eine komplette Brotzeit rausholen“, so Keil. An Tischen und Bänken im Verkaufsraum und davor lässt sich die Brotzeit dann gleich verzehren. Ein Angebot, das die Geschäftsführerin des Weinparadies Franken, Kerstin Kloha, freut: „Picknick ist ja wieder im Trend.“

Von Touristen wie Landkreisbürgern, die mit dem Rad oder auf den Wanderwege unterwegs, wird das Angebot gerne genutzt. „Auch Jugendliche kommen immer wieder mit dem Rad“, berichtet Roland Keil. Die Lage ist günstig, der Steigerwaldpanoramaweg verläuft wenige Meter entfernt, die Traumrunde Hüttenheim/Seinsheim ist nicht weit, ebenso verschiedene Radwege. Sowohl aus touristischer Sicht als auch für die Nahversorgung sei der Verkaufsautomat eine Bereicherung, sagte denn auch Bürgermeisterin Ingrid Reifenscheid-Eckert bei der offiziellen Eröffnung Ende vergangener Woche. An Tagen, an denen Geschäfte und Gaststätten geschlossen haben, sei so ein individuelles Angebot gut.

Genaue Zahlen, wie viele Verkaufsautomaten für regionale Produkte von Landwirten und Winzern betrieben werden, gibt es nicht. Aber die Zahl nimmt ebenso zu wie die der Interessenten. „Wir hatten im vergangenen Jahr ein Seminar über Automaten oder eine Vertrauenskasse. Da waren über 30 Leute da“, sagt Thea Schlesinger, die im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für die Direktvermarktung zuständig ist. In der Landesanstalt für Landwirtschaft gibt es im Projekt „Forum Diversifizierung“ eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Direktvermarktung mit Hilfe von Automaten befasst. Verkaufsautomaten würden es dem Kunden ermöglichen, rund um die Uhr regionale Produkte zu beziehen und den Direktvermarktern zugleich Zeit sparen, heißt es dort.

Wie viele Direktvermarkter es im Landkreis genau gibt, ist schwer zu sagen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bietet zwar die Möglichkeit, sich kostenlos in eine Liste einzutragen, aber längst nicht jeder nutzt dieses Angebot. Über 80 Betriebe aus dem Landkreis Kitzingen sind auf „regionales-bayern.de“ gelistet. „Aber viele, die ihre Produkte anbieten, stehen da gar nicht drauf“, bedauert Thea Schlesinger. Sie ist im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für die Direktvermarktung zuständig.

„Direktvermarktung fängt oft mit dem Verkauf von Kartoffeln, Äpfeln, Eiern oder Spargel an der Haustür an.“
Thea Schlesinger, Amt für Landwirtschaft

Besonders viele Direktvermarkter gibt es im Weinbau und im Gartenbau, dazu kommen Landwirte, die Kartoffeln, Spargel, Äpfel, Eier oder Walnüsse direkt an der Haustür verkaufen. Einen Hofladen braucht es dafür nicht. „Aber so fängt die Direktvermarktung oft an“, so Schlesinger. Und die wird dann zum Hofladen ausgebaut. Beispielsweise in Großlangheim und der Großgemeinde Schwarzach entstehen derzeit neue Hofläden, erklärt sie.

Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bieten Qualifizierungsseminare für alle, die einen neuen Betriebszweig aufbauen wollen – sei es Direktvermarktung mit Hofladen oder Automat, sei es Urlaub auf dem Bauernhof, Bauernhofgastronomie, soziale Landwirtschaft oder erlebnisorientierte Angebote. Die Zwei-Tages-Module finden an verschiedenen Veranstaltungsorten in Bayern statt. Im Seminar für Direktvermarkter geht es um Betriebsmanagement, Gesprächsführung beim Verkauf, Umgang mit Kunden, Marketing, Präsentation und Dekoration für den Laden.

Den direkten Kundenkontakt gibt es am Automaten im Bienenhof Keil nicht. Wohl aber die Möglichkeit, am Telefon, das Roland Keil neben dem Automaten platziert hat, mit den Keils zu sprechen – bei Fragen oder Problemen. Sowohl er als auch seine Frau sind offen für jegliche Anregungen, schließlich ist das Automaten-Projekt auch für die beiden noch neu. Und sie denken darüber nach, ihr Angebot noch auszuweiten. Sabine Keil: „Wer Ideen hat, her damit!“