Druckartikel: Politik auf Spuren der Bibel

Politik auf Spuren der Bibel


Autor: Daniela Röllinger

Kitzingen, Mittwoch, 15. Sept. 2021

Der Kitzingerin Sabrina Stemplowski ist das „C“ in ihrer Partei wichtig. Bei Wanderungen diskutiert die Listenkandidatin des Evangelischen Arbeitskreises der CSU mit Bürgern über christliche Werte und aktuelle Themen.
Das junge, weibliche Gesicht des Evangelischen Arbeitskreises der CSU: Sabrina Stemplowski tritt bei der Bundestagswahl auf Platz 62 der Landesliste an. Die 35-Jährige gehört dem Kitzinger Stadtrat an und ist Referentin für das Ehrenamt.


Was sie noch alles machen wolle, wird Sabrina Stemplowski in diesen Tagen oft gefragt. Die 35-jährige Kitzingerin ist Juniorchefin eines Modehauses, Stadträtin, Referentin fürs Ehrenamt, Geschäftsführerin der Frauen Union Unterfranken, Beisitzerin im Landesvorstand des Evangelischen Arbeitskreises der CSU. Und als junges Gesicht eben dieses EAK tritt sie jetzt als Listenkandidatin bei der Bundestagswahl an.

Platz 62 auf der Landesliste. Alles andere als eine aussichtsreiche Position, um in den Bundestag einzuziehen. 246 Abgeordnete der CDU/CSU gehören dem aktuellen Bundestag an, der allergrößte Anteil Direktkandidaten, nur wenige sind über die Listen eingezogen. Im Gegensatz zur Landtagswahl ist die Liste bei der Bundestagswahl geschlossen, der Wähler kann ihr nur als Ganzes zustimmen und nicht einem bestimmten Kandidaten seine Stimme geben. „Vorgewählt“ werden kann die Kitzingerin also nicht. „Ich weiß, dass ich keine Chance habe“, sagt Sabrina Stemplowski denn auch. „Aber ich vertrete gerne den EAK.“ Zumal sie dort durchaus noch „Ausbaubedarf an jungen und weiblichen Leuten“ sieht. „Und ich unterstütze gerne unsere Direktkandidaten.“

„Nachhaltigkeit ist ein urtypisches christliches Ziel“

Dem EAK gehört Stemplowski seit mehreren Jahren an, ist Beisitzerin im Landesvorstand. Das C in der Partei ist ihr wichtig. In der Kirche ist sie nicht aktiv und das ganz bewusst. „Ich habe mich für die Politik entschieden. Ich kann mich auch dort für die Kirche engagieren“, findet sie. Dass viele junge Leute beide Bereiche – Politik und Kirche – relativ „unsexy“ finden, schreckt sie nicht ab, im Gegenteil. Und so spielt der Glaube bei den Biodiversitätswanderungen, die sie im Vorfeld der Wahl in Unter- und Mittelfranken veranstaltet, jedes Mal wieder eine wesentliche Rolle.

Bei der ersten von ihr organisierten Wanderung konnte sie wegen einer Sommergrippe selbst nicht dabei sein, aber bei den folgenden Veranstaltungen setzte und setzt sie Impulse zu ausgewählten Bibelstellen, tauscht sich mit den Bürgern bei einem Getränk aus. „In Unterfranken gibt es Wein, in Mittelfranken Bier“, sagt sie lachend. Lockere Gespräche sind es – auch mit Menschen, die mit der Partei nichts am Hut haben. Zugleich aber sind diese Wanderungen und Gespräche „eine dynamische Auseinandersetzung mit christlichen Werten und aktuellen Themen“, so hat sie es bei der Bekanntgabe ihrer Listenkandidatur beschrieben. „Wir versuchen, die Bibel erlebbar zu machen“, sagt die 35-Jährige.

Nach Themen suchen muss sie dabei nicht lange. „Die Nachhaltigkeit ist zum Beispiel ein urtypisches christliches Ziel.“ Das Land zu bestellen und dabei darauf zu achten, dass auch die nachkommenden Generationen das noch können. Schonend mit Ressourcen umgehen. Die Natur schützen. Diese Themen seien nicht aktuell, „weil die Grünen einen Hype haben“, sondern seien „urchristsoziale Themen“. Auch die aktuellen Abgeordneten der CSU setzen ihrer Meinung nach viele „grüne“ Themen. „Das ist einfach in unserer parteilichen Philosophie fest verankert.“ Zugleich müsse aber auch das Soziale und das Unternehmertum im Blick bleiben. „Der Dreiklang muss passen. Wir brauchen alle drei Bereiche, damit es funktioniert. Man kann nicht einen unter den Tisch fallen lassen“, findet die Kitzingerin. Und so nennt die Betriebswirtin bei den Themen, die ihr wichtig sind, neben der Nachhaltigkeit unter anderem auch eine christliche Arbeitsethik, eine angemessene Entlohnung, bezahlbares Wohneigentum. „Junge Familien müssen sich etwas aufbauen können.“

„Es ist wichtig, dass junge Frauen sich in der Politik engagieren“

Zu all dem passt, was Sabrina Stemplowski auf die Frage antwortet, die ihr so oft gestellt wird: Was sie denn noch alles machen wolle? Sie sieht sich in der Verantwortung und in der Pflicht, auch aus christlicher Sicht. Es sei wichtig, dass junge Frauen sich in der Politik engagieren. Sie könne aber verstehen, wenn junge Frauen andere Schwerpunkte setzen, beispielsweise wegen der Familienplanung. „Ich bin jung, habe keine Kinder, habe einen Partner, der hinter mir steht.“ Sie mache das nicht, weil sie sich für „toll“ halte oder aus egoistischen Zwecken. „Ich will etwas für die Allgemeinheit bewirken.“