Wie sieht Kitzingen im Jahr 2030 aus?
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Donnerstag, 12. April 2018
Oberbürgermeister Siegfried Müller und Bauamtsleiter Oliver Graumann sind optimistisch.
Vor drei Jahren waren die Prognosen noch gar nicht rosig. Bis ins Jahr 2030 wird die Einwohnerzahl in Stadt und Landkreis Kitzingen um rund 1,4 Prozent sinken. So lautete jedenfalls die Aussage der Bertelsmann-Stiftung. In Wahrheit ist die Einwohnerzahl leicht angestiegen. Und dieser Trend wird sich nach der Überzeugung von Oberbürgermeister Siegfried Müller und Bauamtsleiter Oliver Graumann verstetigen.
Eine Kristallkugel haben sie nicht. Einen Blick in die Zukunft wagen sie trotzdem. Ein paar Faktoren sind ja relativ stabil. Und die werden die künftige Entwicklung der Stadt beeinflussen. „Wir haben seit ein paar Jahren eine stabile Situation bei den Gewerbetreibenden“, freut sich Graumann. Ansässige Firmen wie GEA-Huppmann, Leoni oder Ditec haben ihre Flächen und damit auch ihre Mitarbeiterzahl erweitert. Hinzu kommen die ehemaligen US-Standorte ConneKt und Innopark. Alleine die Firma Schäffler wird künftig ein paar hundert Menschen in Kitzingen beschäftigen. Weitere Firmenzuzüge sind in diesem Sog zu erwarten. „Wir haben die richtigen Schritte getan“, bilanziert OB Müller denn auch zufrieden. Erst die Gewerbegebiete entwickelt und damit Firmen angelockt, dann den Wohnraum geschaffen.
Das Bayerische Landesamt für Statistik konstatiert für die Stadt Kitzingen eine Steigerung der Einwohnerzahl von rund 500 Personen vom Jahr 2014 bis ins Jahr 2018. Die Prognose für die weiteren 15 Jahre ist vorsichtig. Die Einwohnerzahl der Großen Kreisstadt wird sich demnach bei 21 000 bis 21 200 einpendeln. Derzeit leben in Kitzingen rund 22 200 Menschen. Ende 2015 waren es 20 750. Die enorme Steigerung hängt mit dem Anstieg in den Asylbewerberunterkünften zusammen.
Müller und Graumann sind bezüglich der Zukunft optimistischer als die Statistiker der Bertelsmann-Stiftung. „Zehn Prozent Wachstum bis ins Jahr 2030 wären gut“, sagt Müller, der mit steigenden Zinsen und damit einhergehend einer leicht gedrosselten Nachfrage nach Wohnraum ausgeht. Bauamtsleiter Graumann ist noch ein wenig zuversichtlicher. Er kann sich durchaus vorstellen, dass Kitzingen im Jahr 2030 die Grenze von 25 000 Einwohnern bricht. Seine Rechnung: Alleine in den Marshall-Heights wird Platz für rund 2000 bis 2500 Menschen geschaffen. Daneben wird die Nachfrage nach Wohnraum in der Innenstadt steigen. Das Bürgerbräu-Gelände, die ehemalige BayWa und das ehemalige Fetzer-Gelände sind für ihn so etwas wie Initialzündungen. Weitere Investoren hätten ebenfalls Interesse an der Übernahme von Wohnraum im Innenstadtbereich signalisiert. Und das Interesse von Privateigentümern an Sanierungen in der Innenstadt steige langsam an.
Mit einem Mix an Angeboten wollen Müller und Graumann attraktive Angebote für interessierte Häuslebauer und Wohnungskäufer schaffen. „Die Erschließung muss dahin gehen, wo der Verkauf gut möglich ist“, sagt Graumann.
„Das Potenzial der
ehemaligen US-Flächen
Will heißen: Gerade ältere Menschen suchen wieder die Vorteile eines Lebens in der Innenstadt. Kurze Wege zu Einkaufsmöglichkeiten und Cafes, der Marktplatz als Treffpunkt und die Mainufer als Möglichkeiten zum Flanieren machen die Innenstadt attraktiv. „Gleichzeitig müssen wir Wohnraum für junge Familien anbieten“, erinnert Müller. Neue Baugebiete am Stadtrand sollen in den kommenden Jahren ausgewiesen werden. Die bestehende Nachfrage zeigt sich am Baugebiet Hammerstil, dessen rund 30 Grundstücke gleich mehrfach überzeichnet waren. „Wir werden intern klären, wo weitere Baugebiete entstehen können“, kündigt Müller an. Gleichzeitig sollen die Baulücken – beispielsweise in den Ortsteilen – nach und nach geschlossen werden. „In Hoheim sind in kürzester Zeit vier bis fünf neue Häuser in diesen Lücken entstanden“, erinnert der OB. Eine Entwicklung, die sich auch in den anderen Ortsteilen abzeichnet. Die werden nach Überzeugung von Graumann auch künftig ihre Eigenständigkeit bewahren. Entwicklungspotenzial für Wohnbebauung sieht er vor allem in Etwashausen und im Mühlberggebiet.
Von der positiven Entwicklung der letzten Jahre und dem Tempo der Veränderungen ist Bauamtsleiter Graumann keinesfalls überrascht. Den Abzug der US-Amerikaner im Jahr 2006, den viele Kitzinger als Rückschlag betrachtet haben, beurteilt er rückblickend als Segen für die Stadt. „Das Potenzial der ehemaligen US-Flächen ist riesig“, sagt er. Ein Potenzial, das jetzt so richtig seine Sogwirkung entfaltet. „Die vielen bestehenden und neuen Unternehmen sind ein Pfund für die Stadt“, freut sich Graumann, der trotz allem Optimismus nicht die Augen vor Problemfällen verschließen will. Das Bahnhofsgelände macht ihm genauso Sorgen wie die Zurückhaltung mancher Wohnungsbesitzer in der Innenstadt bezüglich möglicher Sanierungen. „Gerade bei Erbengemeinschaften fehlt halt oftmals der Wille zum Handeln“, weiß er.
Grundsätzlich sieht er die Stadt allerdings seit ein paar Jahren im Aufbruch. Neubauprojekte wie das Staatsarchiv auf dem Deusterareal oder der Neubau der Polizeiinspektion in den Marshall-Heights werden die Stadt weiter voranbringen. Die gute soziale Infrastruktur – Kindergärten, Horte, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten sind in ausreichendem Maße vorhanden – machen Kitzingen als Standort attraktiv. Grund genug, optimistisch in die Zukunft der Stadt zu blicken.