"Nicht immer nur Mosaiksteinchen"
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Mittwoch, 01. August 2018
Sommerserie, Fraktionsvorsitzende im Interview: Astrid Glos (SPD) moniert mangelndes Projektmanagement
Sie haben unterschiedliche politische Ansichten. Sie diskutieren und sie streiten miteinander. Sie finden Lösungen. Und sie haben einen klaren Blick auf die Gegenwart und Zukunft ihrer Stadt. Wir haben den neun Fraktionsvorsitzenden im Kitzinger Stadtrat die gleichen zehn Fragen gestellt – die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus.
Sind Sie mit der Entwicklung Kitzingens in den letzten vier Jahren zufrieden?
Astrid Glos: Nun ich denke, allein aus den Haushaltsreden der letzten vier Jahre sollte zu erkennen sein, dass wir, die SPD, sicherlich nicht umfänglich zufrieden sind. Viele der anvisierten Projekte und Maßnahmen wurden bislang noch nicht in Gänze umgesetzt beziehungsweise gerade mal vorgeplant. Uns fehlt der Realismus. Was kann ich wirklich schaffen und wie gehe ich an die Umsetzung? Hierbei fehlt das Projektmanagement, das auch in gewissem Sinn antreibt und das Ziel genau formuliert, wann ich es fertig gestellt haben möchte. Das stellen wir uns von einer modernen, aufgeschlossenen, projektorientierten Verwaltung vor. Ich denke gerade an die Parkplätze beim Bahnhof. Die Flächen, die zur ersten Umsetzungsphase gehören, sind in unserem Besitz, also, warum dauert es so lange? Insgesamt ist uns wichtig, dass wir uns Ziele setzen und nicht nur immer Mosaiksteinchen zur Erledigung bringen. Bedauerlicherweise vergeben wir auch viele Aufgaben nach außen, ohne dass sich unsere Stadtplaner selbst in die Entwicklung unserer Stadt einbringen. Unsäglich finden wir auch die Ruine am ehemaligen Marktcafé, dass es noch nicht gelungen ist, hier mit dem Bau zu beginnen. Auch hier hätten wir uns vorstellen können, dass es seitens der Stadt eine Entwicklung gegeben hätte und nicht durch einen Investor.
Was hat sich zum Positiven verändert?
Glos: Nun wir haben mit unserem Gartenschaugelände einen absoluten Mehrwert. Der Wohnmobilstellplatz zieht viele Besucher und Touristen an. Die städtische Mainseite ist aufgewertet und wird noch weiter ertüchtigt, zwar aus einem anderen Grund (marode Kaimauer), aber da entsteht weiter ein schönes Ambiente inmitten der Stadt an unserem Fluss. Die Investoren, die mit ihrem Wohnungsbau an exponierten Stellen für attraktive Angebote sorgen. Die Entwicklung der Konversionsflächen und die Schaffung von weiteren Arbeitsplätzen sichern ein angenehmes Wohlfühlen hier bei uns in Kitzingen. Derjenige, der sich für Kitzingen entscheidet, findet neben den verschiedensten Schularten und Bildungsangeboten sowie guten Einkaufsmöglichkeiten auch eine Vielzahl an kulturellen Angeboten, die das Leben in unserer Stadt abrunden, sei es durch die Museen, die vielen Veranstaltungen in der Alten Synagoge, unsere tolle Musikschule, ab Herbst auch noch die Wiedererstarkung des Roxy-Kinos. Kitzingen ist eine liebens- und lebenswerte Stadt.
Und was hat sich zum Negativen hin verändert?
Glos: Von negativ möchte ich nicht sprechen, eher von Stillstand. Dabei denke ich an die Gestaltung des öffentlichen Raumes, an die Innenstadt und die Aufenthaltsbereiche in der Innenstadt. Hier wäre es schön, wenn an die Gesamtstadt gedacht wäre und nun abschnittsweise eine Umsetzung erfolgen würde. Teilweise hat man begonnen, hier einen Platz umzugestalten, dort eine „Holper- und Stolperpiste“ zu beseitigen. Aber insgesamt sollten hier die Materialien festgelegt und dann für die gesamte Innenstadt gelten.