Die bisherige Museumsleiterin Stephanie Falkenstein nutzt die Zeit ihrer Freistellung dazu, ein umfangreiches Buch über das Kitzinger Stadtmuseum zu schreiben. Es ist ab sofort erhältlich.
Es sind fast 700 Seiten. Sie sollen zeigen, welches Potenzial das Kitzinger Stadtmuseum hat. Herausgeber ist der Förderverein des Museums, geschrieben hat das Buch Stephanie Falkenstein.
1895 ist das Stadtmuseum in Kitzingen gegründet worden. Es ist, neben dem Stadtmuseum in Aschaffenburg, das älteste noch erhaltene in Franken. Der Kitzinger Stadtrat hatte 2020 allerdings beschlossen, das Museum dauerhaft zu schließen, dessen Leiterin wurde gekündigt. Nach einem langen Prozess wurde die Kündigung Anfang März 2021 vom Arbeitsgericht in Würzburg für rechtens erklärt.
Vom Tag ihrer Freistellung im Sommer 2020 an hat sich Stephanie Falkenstein ans Werk gemacht und die Geschichte des Museums in Wort und Bild zusammengefasst. In einem halben Jahr Arbeit ist ein sehenswertes und reich bebildertes Werk entstanden. Falkenstein spannt dabei den Bogen von der Geburtsstunde des Museums bis hin zu den letzten Jahren, in denen es etliche Ausstellungen und Projekte gab. Jeden Tag habe sie mindestens sechs Stunden mit der Arbeit verbracht, berichtet sie. Ihr Ehrgeiz war es, das Buch noch im Jahr des Jubiläums fertig zu bringen. Das ist ihr gelungen. Kurz vor Weihnachten waren die zwei Bände fertig.
Backsteinmauer statt Bretterwand
Falkenstein beschreibt darin die Anfänge des Museums, den Beschluss des Rates vom 19. April 1895, einen Kredit zu gewähren, um einen Museumsraum im damaligen Stadtbauhof zu schaffen, der nicht nur durch eine Bretterwand, sondern durch eine einfache Backsteinmauer abgetrennt wird. Drei Jahre später entstand ein zweiter Raum im Rathaus, die Inventarisierung des Bestandes begann.
Nach und nach sammelten sich Schenkungen, Stiftungen und Leihgaben der Bürgerschaft an. Im Jahr 1963/64 zog der Museumsbestand in die Landwehrstraße 23 um. Als Leiter des Museums und des Archivs fungierte Dr. Ernst Kemmeter. Ihm folgten Dr. Helga Walter und Doris Badel und im Jahr 2002 Stephanie Falkenstein. Im April 2007 wurde das Museum nach umfangreichen Sanierungsarbeiten sowie einer vollständigen Neukonzeption der Ausstellungsräume wieder eröffnet. 3,1 Millionen Euro hatte sich der Stadtrat das Projekt kosten lassen.
Cranach und Zunftkanne
Stephanie Falkenstein hatte da schon vier Jahre Erfahrung als Leiterin des Museums. Vom ersten Tag an sei sie verliebt ins Museum gewesen, erinnert sie sich. Sie habe sich gefühlt wie in einem alten Schloss. Nach und nach hat sie die Sichtung der umfangreichen Objekte übernommen, staunte über einen Cranach, der im Obergeschoss zwischen vielen anderen Gemälden hing und freute sich über allerhand Schätze in den Regalen und Depots.
Dem „Kitzinger Schmerzensmanns“ aus der Werkstatt von Cranach dem Jüngeren widmet sie im Buch ein umfangreiches Kapitel, beschreibt weitere Kostbarkeiten wie eine Zunftkanne der Fischer- und Schifferzunft, Apostelfiguren oder die Rüdenhäuser Schlossapotheke, der ein Raum im Museum gewidmet war. Der bürgerliche Weinhandel in Kitzingen wird am Beispiel der Firma Wilhelm Meuschel jr. beschrieben und es gibt Zusammenfassungen der Ausstellungen, die unter Falkensteins Leitung organisiert wurden. Band 1 endet im Jahr 2011.