Museum: Es bleiben Fragezeichen
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Montag, 29. Juni 2020
Das Städtische Museum in Kitzingen wird geschlossen. Dauerhaft, versichert OB Stefan Güntner. Und wohin mit den Ausstellungsstücken?
Die Entscheidung war deutlich. Und sie beendet eine Ära. Seit 125 Jahren gibt es in Kitzingen ein Städtisches Museum. Ab dem 29. Juni 2020 nicht mehr.
Das Museum bleibt dauerhaft geschlossen. Der Museumsbetrieb wird vollständig eingestellt. Die Verwaltung wird beauftragt, alle erforderlichen Maßnahmen zur endgültigen Abwicklung des Museums zu ergreifen. Das sind die Eckpunkte, denen am Donnerstagabend 21 von 30 Stadträten zustimmten. Einen Tag später erklären OB Stefan Güntner und Hauptamtsleiter Ralph Hartner die Hintergründe – und die weitere Vorgehensweise.
2007 ist das Museum im eigens dafür umgebauten „Kastenhof“ in der Landwehrstraße eröffnet worden. Viele Hoffnungen ging damit einher. „Die Hoffnung auf viele Besucher hat sich nicht bewahrheitet“, sagt Stefan Güntner. Obwohl – und das gesteht Ralph Hartner der Museumsleiterin Stephanie Falkenstein durchaus zu – einige sehenswerte Ausstellungen konzipiert wurden. Rund 23.000 Einwohner hat Kitzingen mittlerweile. „Mein Anspruch ist es schon, dass zehn bis zwanzig Prozent wenigstens einmal pro Jahr das Verlangen spüren, ins Museum zu gehen“, sagt Güntner. Tatsächlich kamen im Schnitt weniger Besucher pro Jahr. 2018 waren es von Januar bis zur Schließung im September rund 1100 – plus Schul- und Arbeitsgruppen zählten Falkenstein und ihre Team 1930 Gäste.
Die Einnahmen waren über Jahre hinweg übersichtlich, dem gegenüber standen Personal- und Betriebskosten, Abschreibungen und andere Ausgaben. „Pro Jahr mussten wir rund 250.000 Euro zuschießen“, erklärt Güntner. 2018 entschied der damalige Stadtrat, dass es so nicht weitergehen könne. Das Museum wurde vorerst geschlossen, Leiterin Stefanie Falkenstein beauftragt, ein neues Konzept vorzulegen. Die Historikerin lieferte. Im Januar 2019 erhielt jeder Stadtrat 120 Seiten mit drei Varianten. In zwei Sitzungen der Fraktionsvorsitzenden wurde das Konzept besprochen.
„Wir haben uns ausführlich damit beschäftigt“, betont Güntner. Sein persönliches Fazit: „Das Konzept hat mich nicht überzeugt.“
Was Güntner – und offensichtlich auch der Mehrheit der Stadträte fehlte: ein Alleinstellungsmerkmal. Ein Anreiz für die Kitzinger Bevölkerung, das Museum zu besuchen. „Auch im neuen Konzept war der größte Raum für archäologische Funde vorgesehen“, sagt Güntner. Ein Durchbruch sehe anders aus, ergänzt Hartner.
Er wird sich schon an diesem Montag mit Stephanie Falkenstein im Museum treffen, um die Übergabe des Museums zu regeln. „Es gibt noch viele Unklarheiten“, gibt er zu. Werden die Ausstellungsstücke ausgelagert? Kommen sie ins Depot im Dachboden? Was wird aufgehoben und was weggegeben? In Professor Klaus Reder, Heimatpfleger und Leiter der Kulturabteilung im Bezirk Unterfranken will Hartner professionelle Hilfe anfordern. „Die meisten Objekte befinden sich im Besitz der Stadt“, sagt OB Güntner. Ob alle Objekte erhaltenswert sind, sei eine der Fragen, die es zu klären gilt. Eine Tendenz lässt sich aus seinen Worten heraushören. „Fünf Leiterwagen brauchen wir sicher nicht.“