MS: Heilung nein - doch ein gutes Leben mit Multiple Sklerose ist möglich
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Samstag, 28. August 2021
Multiple Sklerose ist die "Krankheit mit 1000 Gesichtern". Eine Heilung gibt es zwar nicht. Doch vier Frauen aus dem Landkreis Kitzingen machen trotzdem Hoffnung - auf ein gutes Leben mit der Erkrankung.
Sie wird als die „Krankheit mit den 1000 Gesichtern“ bezeichnet. Multiple Sklerose (MS) kann in ganz unterschiedlichen Ausprägungen daherkommen. Heike Rickel und ihre Mitstreiterinnen von der Selbsthilfegruppe wollen den Gesichtern ihren Schrecken nehmen – durch Informationen, Aufklärung und gesellige Stunden.
Anfang des Jahres hat sich ein Wechsel an der Spitze der Selbsthilfegruppe im Landkreis Kitzingen vollzogen. Nach 32 Jahren hat Angelika Gahr den Vorsitz abgegeben. Heike Rickel hat übernommen und mit Martina Ondreka, Christa Schmitt und Gertraud Kliche ihren Vorstand komplettiert. So unterschiedlich die vier Frauen auch sind, eines eint sie: eine Krankheit, die seit Jahrzehnten erforscht wird – aber immer noch nicht heilbar ist.
MS: Neurologische Erkrankung kann jede*n treffen
Im Alter von 16 Jahren hatte Martina Ondreka die ersten Symptome. „Rückblickend ist mir das jedenfalls klar“, sagt sie. Damals hatte kein Arzt die Diagnose MS auf dem Schirm und weite Teile der Bevölkerung meinten, dass MS für Muskelschwund steht. „Dabei ist es eine neurologische Erkrankung“. Mit 25 Jahren konnte Martina Ondreka – nach einem akuten Schub – nicht mehr die Treppe hinaufsteigen.
„Es folgte ein ständiges Auf und Ab“, erinnert sie sich. Eine Chemo-Therapie, die Teilnahme an einer Studie, dann alle zwei Tage Spritzen. „Ich habe schon überall Verhärtungen an meiner Haut von den vielen Einstichen“, sagt sie und Gertraud Kliche nickt. „Ich habe seit drei Jahren keine Lust mehr aufs Spritzen“, berichtet sie. Seither hat sie auf Tabletten umgestellt. „Es geht mir nicht so gut damit“, bekennt Kliche.
Multiple Sklerose kann jeden treffen. Mögliche Auslöser gibt es en masse: Umwelteinflüsse, Stress oder eine Virus-Infektion. Die Krankheit kann familiär gehäuft auftreten, vererbbar ist sie aber nicht.
Multiple Sklerose: Langes Warten auf Diagnose
Bei Gertraud Kliche haben die Beschwerden auch sehr früh begonnen, in der Lehrzeit. Sensibilitätsstörungen, Sehstörungen und Kopfschmerzen hat sie gehabt. Immer wieder. Die Diagnose kam erst 30 Jahre später. „Damals hatten die Ärzte im Allgemeinen MS gar nicht so auf dem Zettel“, sagt Martina Ondreka.
Rheuma ist diagnostiziert worden oder eine psychische Störung. Das hat sich verändert. „Heute kommen die Ärzte eher auf die Idee, einen Betroffenen zum Neurologen zu schicken“, sagt Christa Schmitt. Bei ihr wurde die Diagnose relativ spät erstellt – im Alter von 47 Jahren.