Kitzingen: Mann bei Verkehrsunfall schwer verletzt - Ehefrau wird nicht informiert
Autor: Julia Volkamer
Marktsteft, Montag, 12. Juli 2021
Wer ist dafür zuständig, nach einem Unfall die Angehörigen zu verständigen? Für Iris Burkhardt und ihren verunglückten Mann ist die Reihenfolge nicht nachvollziehbar.
Sie ist immer noch geschockt. Aber auch wütend. Fünf Stunden hatte sie auf Kohlen gesessen, hatte auf ihren Mann gewartet, der sich am Morgen mit dem Motorrad für eine „kleine Runde“ aufgemacht hatte – vergebens. Mit jeder Minute wuchsen die Sorgen, aus Nervosität wurde Verzweiflung. Traurige Gewissheit erfuhr Iris Burckhardt erst, als sie selbst nachfragte: Am Telefon erklärte ein Beamter der Polizeiinspektion Kitzingen, dass ihr Mann nach einem Verkehrsunfall mit dem Hubschrauber in die Uni-Klinik nach Würzburg geflogen worden war. Dann brachen bei der Marktstefterin alle Dämme: Warum hatte ihr niemand Bescheid gesagt?
Bei der Polizei in Kitzingen ist man dafür nicht unbedingt verantwortlich, erklärt der stellvertretende Dienststellenleiter Armin Fuchs auf Anfrage. Die Betreuung der Betroffenen sei der Polizei natürlich sehr wichtig. Allerdings fällt die Benachrichtigung der Angehörigen erst in ihren Zuständigkeitsbereich, wenn das Unfallopfer nicht mehr ansprechbar ist oder man sogar damit rechnen muss, dass es nicht überlebt. „In diesem Fall versuchen wir, die Angehörigen von dem Unfall zu verständigen, telefonisch oder auch persönlich.“
Sorgfältige Unfallaufnahme: Mann war an Unfallort bei Bewusstsein
Im Fall von Uwe Burkhardt stand dies aber nicht im Vordergrund, sondern die beweiskräftige Verkehrsunfallaufnahme am Unfallort. „Die Klärung des Unfallhergangs ist auch für den geschädigten Verkehrsteilnehmer wichtig, wenn es um zivilrechtliche Schadensersatzforderungen geht, insbesondere natürlich bei schwerwiegenden Verletzungen“, weiß Fuchs. Die hatte der gestürzte Motorradfahrer nach der ersten Diagnose des Notarztes zwar – er hatte mehrere Brüche im Bein erlitten. Er war aber bei Bewusstsein und ansprechbar. Zumindest, bis er vom Notarzt ruhiggestellt wurde.
Video:
Um die Erstversorgung kümmerte sich das Rettungsteam des Bayerischen Roten Kreuzes. Sven Appold, stellvertretender Kreisgeschäftsführer in Kitzingen, sagt, die Verständigung der Angehörigen sei nur dann Aufgabe der Polizei, wenn eine Todesnachricht überbracht werden muss. Wird ein Patient in eine Klinik eingeliefert, verschiebt es sich in deren Aufgabenbereich, „gegebenenfalls“ die Angehörigen zu verständigen.
Das bestätigt auch Susanne Just, Sprecherin des Universitätsklinikums Würzburg. „Grundsätzlich ist das Ziel, möglichst bald mit den Angehörigen zu kommunizieren.“ Allerdings habe die medizinische Behandlung der Schwerverletzten, die gerade in den ersten Stunden nach dem Unfall alle Aufmerksamkeit erfordert, oberste Priorität. „Der Austausch kann oder muss dann situativ auch erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, wenn die medizinische Versorgung und die Einschätzung des Gesundheitszustands es erlauben.“ So sei auch die Vorgehensweise im Fall von Uwe Burkhardt gewesen. Allerdings seien an diesem unglückseligen Samstag mehrere Schwerverletzte gleichzeitig zu versorgen gewesen – darunter auch ein weiterer Motorradfahrer. Die Verständigung der Angehören rückte erst einmal in den Hintergrund.
Ehefrau wartet vergeblich: Fünf Stunden im Dunkeln gelassen
Das kann auch Iris Burkhardt nachvollziehen. In ihrer Gefühlswelt überwiegen Wut und Enttäuschung darüber, dass sie eben gar nicht benachrichtigt wurde – zumal sich das mehrfach gebrochene Bein als die harmlosere Verletzung herausstellte.
Die wurde noch am selben Nachmittag in einer mehrstündigen Operation versorgt, konnte letztlich aber erst nach dem Wochenende abgeschlossen werden – weil bei den Untersuchungen eine schwerwiegende Verletzung der Nervenenden im Gehirn festgestellt wurde. Die Folgeschäden sind noch nicht abzuschätzen.