Druckartikel: Liebe ist, was du draus machst

Liebe ist, was du draus machst


Autor: Diana Fuchs

Kitzingen, Montag, 13. Februar 2017

Valentin in aller Welt: Schokolade für Kollegen, Prinsesstaarta für die Familie
Liebe statt Angst - Love not fear: Die Castellerin Klara Riehle (rechts) war bei der Anti-Trump-Demo in Washington dabei.


Nein, er ist keine Erfindung der Blumenhändler. Auch nicht der Süßwaren-Fabrikanten. Der Valentinstag am heutigen 14. Februar geht tatsächlich auf etwas zurück, das „Liebe“ heißt. Die soll heute gefeiert werden. Und zwar von allen, nicht nur von Liebespaaren.

Mindestens ein christlicher Märtyrer, vielleicht sogar mehrere, hatten ihre Finger im Spiel. Valentin von Terni und Valentin von Viterbo sollen das Martyrium durch Enthaupten erlitten haben – der eine, weil er Paare nach kirchlichem Ritus traute, obwohl Kaiser Claudius II. das untersagt hatte. Im Jahr 469 n. Chr. hat Papst Gelasius I. einen Valentin-Gedenktag eingeführt. 1969 wurde der Tag aus dem römischen Kalender gestrichen. Mancherorts gibt es um den 14. Februar herum aber immer noch Gottesdienste, in denen Paare gesegnet werden.

Trotz des christlichen Hintergrundes ist aus dem Valentinstag mittlerweile ein sehr kommerzialisierter Tag geworden. Viele Menschen mögen das nicht und verweigern sich deshalb dem „Liebestag“. Andere dagegen feiern eigene, faszinierende Traditionen. Landkreisbürger, die in anderen Teilen der Welt leben oder von dort stammen, haben viel Spannendes und Liebevolles zu erzählen.

Harald Gegner zum Beispiel. Mit seiner Frau Kristin lebt der gebürtige Casteller seit 15 Jahren in Schweden, genau gesagt im südschwedischen Höör in der Nähe von Malmö. „Bei uns heißt der Valentinstag übersetzt allerdings 'Aller Herzens Tag'", berichtet der zweifache Vater. „Und das passt perfekt für unsere Familie, denn zwei in unserer Familie haben kurz vor Valentin Geburtstag.“ Also feiern die Gegners umso mehr. „Da beginnt der Tag dann immer mit einer typisch schwedischen, grünen Prinsesstaarta – also Prinzessinnentorte – für die ganze Familie. Im Grunde, wenn man es nicht ganz so genau nimmt, feiern wir im Februar also zweimal Valentin.“

Zweimal gefeiert wird auch in Japan – wenn auch auf ganz andere Art und Weise. Und das kam so: Findigen Unternehmern, die die westliche Tradition im Land der aufgehenden Sonne etablieren wollten, überlief ein fataler Übersetzungsfehler: Lediglich die Herren wurden bis Ende der 1970er Jahre zu Valentin beschenkt. Klar, dass die Damen den Brauch nicht ins Herz schlossen. Das änderte sich, als Ende der 70er Jahre quasi ein zweiter Valentinstag eingeführt wurde, an dem nur die Frauen beschenkt werden.

„Am 14. Februar ist es in Japan Sitte, dass Frauen den Männern Schokolade schenken – nicht andersrum“, erzählt Satoko Kishimoto, die seit zwei Jahren in Castell wohnt. Für Mädchen und junge Frauen sei dies eine gute Gelegenheit, ihre Zuneigung zu einem Jungen oder Mann auf unschuldige Weise zum Ausdruck zu bringen. Daneben muss Schokolade aber auch an Kollegen und sogar an Vorgesetzte überreicht werden. Das ist die sogenannte „Giri-Choco“ – Giri bedeutet Pflicht. Für den Liebsten gibt es „Honmei-Choco“, übersetzt etwa „Schokolade der wahren Gefühle“.

Die beschenkten Herren müssen den Brauch einen Monat später erwidern. „Am 14. März, dem 'White Day', geben die Männer den Frauen in ihrer Umgebung Gegengeschenke“, weiß Satoko Kishimoto. „Es wird erwartet, dass diese zwei- oder dreimal so wertvoll sind, wie das, was die Männer bekommen haben.“ Das kann unter Umständen richtig teuer werden. Wer 30 oder 40 Kolleginnen hat, der investiert umgerechnet schon mal mehrere hundert Euro.

Seit sie in Deutschland lebt, zelebriert die junge Japanerin den Valentinstag nur noch gemäßigt. Lächelnd sagt Satoko Kishimoto: „Ich schenke meinem Mann nach alter japanischer Tradition Schoko-Pralinen. Abends gehen wir, denke ich, gemütlich Essen.“

Essen ist auch in den USA ein wichtiges Thema zu Valentin. Sogar Haustiere bekommen Leckerli. „Paare beweisen sich ihre Liebe meistens mit einem schönen Abend in einem Restaurant oder im Kino. Männer nutzen den Valentinstag oft, um die Dame ihres Herzens erstmals zu einem Date zu bitten“, erklärt Klara Riehle. Die Gymnasiastin aus Castell lebt derzeit für ein Jahr bei einer Gastfamilie in Virginia. Sie hat gelernt, dass in Amerika nicht nur Pärchen Valentin feiern – auch Familie und Freunde zeigen sich gegenseitig, wie gern sie sich haben, zum Beispiel mit Blumen, Schokolade oder hübschen Karten.

„Die Eltern, insbesondere die Mütter, überraschen ihre Kinder gerne vor der Schule mit einer Kleinigkeit“, erzählt Klara Riehle. „Auch die Lehrer gestalten ihren Unterricht oft zum Thema Liebe und lassen ihre Schüler Gedichte schreiben, bringen Donuts oder andere Süßigkeiten mit.“ Manche Highschools und Colleges haben an diesem Abend ein „valentines dance“, einen Valentinstanz, bei dem Schüler oder Studenten mit ihrem „Date“ in der umgestalteten Schul-Cafeteria einen netten Abend verbringen können.

Sehr schöne Erinnerungen an den Valentinstag in Kanada hat Audrey St-Martin, die aus der Kleinstadt Joliette in der Nähe von Montreal stammt und seit kurzem in Kitzingen lebt. „In Kanada ist der Valentinstag nicht nur für Verliebte ein großer Tag, sondern für alle, speziell auch für Kinder und Familien“, berichtet die junge Mutter. „Als Kindern war uns das Dekorieren immer ganz wichtig. Wir haben daheim und in der Schule Girlanden aufgehängt, die wir selbst gebastelt hatten. Beim Essen wurden Kerzen angezündet. Außerdem gab es immer den Überraschungs-Valentin: Kleine Texte, die man an Lehrer, Eltern, Freunde, Geschwister oder die Großeltern geschrieben hat und in denen man sagt, warum man die betreffende Person mag.“ Dass sich am Valentinstag die ganze Klasse gern in Rot gekleidet hat, sei immer „sehr lustig“ gewesen.

Auch wenn sie jetzt in Europa lebt, hält Audrey St-Martin mit ihrer vierjährigen Tochter Iris und ihrem Mann Martin Breunig die kanadische Tradition hoch. Gemeinsam mit der Kleinen hat Audrey am Wochenende Girlanden gebastelt. Die werden heute Nachmittag die Kaffeetafel schmücken. „Es gibt selbst gebackenen Schokokuchen. Damit wir uns darauf so richtig freuen können, haben wir in den letzten Wochen versucht, nur ganz wenig Schokolade zu essen.“

Etwas Besonderes werden wohl auch die feurigen Italiener zu Valentin veranstalten, oder? Wenn er solche Klischees hört, schüttelt Giovanni Bellanti lachend den Kopf. Der Iphöfer, dessen Vater aus Sizilien stammt, ist genau der gleichen Meinung wie seine Frau Claudia: „Wir sehen das ganz unaufgeregt. Und den Kommerz um Valentin herum finden wir eher schrecklich.“ Aufgesetzte, festgelegte Tage, an denen man feiern „muss“ – die gibt es bei den Bellantis nicht. „Wir haben sogar an Silvester geheiratet, damit wir an diesem Tag einen echten Grund zum Feiern haben.“

Um aber einfach etwas mehr Liebe in die Welt zu tragen, sei jeder Tag gut geeignet, sind sich Giovanni und Claudia Bellanti einig. Sicher auch der Valentinstag.