Woher rührt diese Unzufriedenheit?
Gimperlein: Ich denke, dass die älteren Einwohner die 80er und 90er Jahre vermissen, als die Amerikaner hier stationiert waren und abends viel geboten wurde. Heute gehen die Jüngeren abends nach Würzburg zum Feiern. Dort ist das Angebot für Nachtschwärmer deutlich attraktiver. In der Kitzinger Innenstadt ist schon etwas los, aber das ist Jahreszeiten bedingt. Aber das abendliche Ausgehen ist ja nicht die wichtigste Aufgabe des Stadtmarketingvereins.
Sondern?
Gimperlein: Wir wollen Kitzingen voranbringen. In vielen Bereichen. Denken Sie nur an die Innenstadt.
Was ist damit?
Gimperlein: Die gilt es zu stärken. Der Altstadtkern ist richtig schön, trotzdem gibt es Leerstände. Auf der anderen Seite gibt es in den Randlagen der Innenstadt Geschäfte, die sich schwer tun. Ich kann mir vorstellen, dass sich das perspektivisch verändert.
Und wie?
Gimperlein: Geschäfte wird es vor allem im zentralen Bereich geben, in den so genannten 1a-Lagen, rund um den Marktplatz. Die angrenzenden Viertel eignen sich viel besser als Wohngegend. Problem ist, dass der Eigentümer bei Wohnraum nur die Hälfte der Miete erhält. Doch Wohnraum wird dringend benötigt und bringt Kaufkraft in die Stadt. Daher wäre dies langfristig wohl die bessere Investition für den Vermieter.
Das heißt, der Innenstadtbereich wird sich künftig weiter konzentrieren?
Gimperlein: Ich denke schon, aber das muss kein Nachteil sein. Lieber eine funktionierende, kleinere Innenstadt mit inhabergeführten Geschäften und guten Markenartikeln, als eine „ausgefranste“ Innenstadt, in der sich die Geschäfte schwer tun.
Zumal der Online-Handel zusätzlich Druck ausübt.
Gimperlein: Das sehe ich nur zum Teil so. Es gibt schon jetzt Geschäfte, die den Online-Handel und den stationären Handel wunderbar miteinander verbinden. Vom Kunden gedacht ist das auch optimal. Meine Idealvorstellung wäre: Die Leute shoppen im Internet, bestellen sich Sachen, die vor Ort abgeholt werden können. Der Einzelhändler hat den Kunden im Laden und kann dort seine Vorteile aufzeigen. Der Kunde hat die Haptik, Beratung und das Erlebnis. Und das Ganze ist dabei noch nachhaltig, das heißt, es gibt keinen unnötigen Versand der Waren.
Wird es die Läden vor Ort noch lange geben?
Gimperlein: Aber sicher. Jeder will doch nach wie vor einen Schaufensterbummel machen – oder auf die Schnelle noch etwas einkaufen können.
Warum haben wir in Kitzingen überhaupt so viele Leerstände?
Gimperlein: Viele Eigentümer verlangen schlichtweg zu hohe Mieten. Die schrecken potenzielle Existenzgründer und Mieter natürlich ab. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass Kitzingen im Vergleich zu anderen Städten dieser Größe sehr gut da steht. Das bestätigt uns auch der Einzelhandelsverband.
Gibt es keine Anfragen für die leeren Räumlichkeiten?
Gimperlein: Sie werden es nicht glauben. Für jeden Leerstand gibt es Anfragen. Aber nicht jede Anfrage ist gut für die Stadt.
Das heißt?
Gimperlein: Der Kitzinger Einzelhandel ist noch relativ gesund, weil wir so wenig Ketten haben. Denken Sie an die großen Filialisten, beispielsweise in der Modebranche oder bei den Optikern. Das Problem ist, dass solche Ketten auf lange Sicht die inhabergeführten Geschäfte vertreiben.
Von denen viele Mitglieder im Stadtmarketingverein sind.
Gimperlein: Klar. Wir haben im Moment etwa 180 Mitglieder. Tendenz steigend.
Ihre Mitglieder wollen sie natürlich vor der Konkurrenz durch große Ketten schützen.
Gimperlein: Sicher. Andererseits wollen wir eine möglichst abwechslungsreiche Innenstadt schaffen. Letztendlich können wir in diesen Dingen nur beratend tätig sein. Das letzte Wort hat der Vermieter.
Was fehlt Ihnen auf dem Weg zu einer abwechslungsreichen Innenstadt?
Gimperlein: Neben zwei, drei besonders fränkischen gastronomischen Einrichtungen für den Abend vor allem eine Vinothek. Es wäre mein ganz persönlicher Traum, wenn wir die realisieren könnten.
Warum ein Traum?
Gimperlein: Weil wir den Tourismus stärken und die Einheimischen ebenfalls anlocken würden.
Winzer und Weinhändler gibt es in Kitzingen.
Gimperlein: Schon, aber leider sehr weit entfernt von der Innenstadt.
Also eine Vinothek am Marktplatz?
Gimperlein: Das wäre super, denken Sie nur an das Dietz-Gebäude. Dort eine Vinothek direkt am Marktplatz zusammen mit dem Stadtschoppen auf der Alten Mainbrücke – das stelle ich mir super vor. Ich würde so eine Vinothek auch gar nicht auf die Stadt Kitzingen konzentrieren wollen.
Sondern?
Gimperlein: Wir sind die Hauptstadt im Weinlandkreis und nicht umsonst historische Weinhandelsstadt. Also sollten wir auch eine Landkreis-Vinothek etablieren. Interessierte Winzer haben wir schon, die das große Potenzial von Kitzingen erkannt haben. Die Touristen würden das sicherlich annehmen. Ein gastronomisches Angebot dazu und wir könnten hier eine kleine Flaniermeile etablieren.
Sie klingen trotz aller Schwierigkeiten hoffnungsvoll.
Gimperlein: Das bin ich auch, absolut. Seit 2013 bin ich im Stadtmarketingverein Kitzingen aktiv und ich merke von Jahr zu Jahr wie Kitzingen immer mehr aufblüht.
Woraus ziehen Sie diesen Optimismus?
Gimperlein: Wir bekommen neue Einwohner und Firmen über die Konversionsflächen. Das Fastnachtmuseum wird Gäste anlocken, vielleicht wird eine Veranstaltungshalle im conneKT gebaut und ein Hotel am Main. Das alles ist ein guter Nährboden für die weitere Vermarktung. In Sachen Veranstaltungen sind wir jetzt schon gut aufgestellt.
Wo sehen Sie Ihre Hauptaufgabe in den kommenden Jahren?
Gimperlein: Ich will viele Dinge anstoßen, Menschen miteinander vernetzen und natürlich selbst aktiv bleiben. Langweilig wird mir sicher nicht, es gibt genug zu tun. Vieles haben wir schon merklich positiv verändert und genau das macht mir so viel Spaß!
Zur Person: Frank Gimperlein ist am 23. Juli 1988 geboren, hat Kaufmann gelernt und dann eine Eventagentur gegründet. Seit fünf Jahren ist er im Stadtmarketingverein aktiv, war vor allem für die Organisation von Veranstaltungen zuständig. Seit dem 1. Juli ist er als Nachfolger von Claudia Biebl Geschäftsführer des STMV.