Druckartikel: Landung im Acker

Landung im Acker


Autor: Ralf Dieter

Kitzingen, Dienstag, 03. April 2018

Weil die Thermik nicht ausreichte, musste ein Segelflieger am Ostermontag eine alternative Landemöglichkeit suchen.
Acker statt Beton: Auf diesem Feld bei Hörblach landete der Segelflieger.


Eine ungewöhnliche Osterüberraschung erlebte ein Pilot des Luft-, und Segelsportclubs Kitzingen (LSC) am Montagnachmittag. Die Thermik reichte nicht mehr für die Rückkehr an den Heimatflughafen in Kitzingen. Man könnte auch sagen: Ach, du dickes Ei.

LSC-Vorsitzender Herbert Sattler relativiert die Geschehnisse einen Tag später am Telefon. Eine so genannte „Außenlandung“ sei nichts Außergewöhnliches, werde auch immer wieder von den Piloten trainiert. Etwa ein- bis dreimal pro Jahr kann es zu einer solchen Situation kommen. In der Regel ist eine ausbleibende Thermik ausschlaggebend für eine Außenlandung. Wichtig sei es deshalb immer, die Umgebung im Blick zu haben und mögliche Landeflächen auszukundschaften. In diesem Fall war der Flieger ganz in der Nähe der Hörblacher Seen fündig geworden. Unser Leser Manfred Thomann war einer der ersten, der das Segelflugzeug in dieser ungewöhnlichen Umgebung entdeckte.

„Ich war spazieren“, erzählt er. „Da sah ich das Flugzeug, das in der Nähe der Hörblacher Seen, kurz vor dem Großlangheimer Wald, eine unfreiwillige Außenlandung gemacht hatte. Es stand in einem für die Aussaat vorbereiteten Acker.“ Manfred Thomann näherte sich dem Landeort und konnte feststellen, dass Pilot und Copilot unverletzt geblieben waren. Auch die Maschine hatte die Landung ohne Schäden überstanden.

„Nach Angaben des Piloten waren sie vom Flugplatz in Kitzingen aus gestartet und mit guten Aufwinden über der Mainschleife gekreist“, berichtet Thomann. „Als sie sich auf den Rückweg zum Kitzinger Flugplatz machten, verloren sie bei Schwarzach stark an Höhe und merkten, dass sie den Großlangheimer Forst nicht mehr überfliegen und damit den Flugplatz nicht mehr erreichen konnten.“ So entschloss sich der Pilot auf einem Acker zu landen. Die beste Lösung für eine „Außenlandung“.

„Im Moment sind die Äcker ja noch braun und ohne Bewuchs“, sagt Herbert Sattler. „Da ist so eine Außenlandung noch ein ganzes Stück leichter als im Sommer.“ Dennoch: Hindernisse oder Gräben können so eine Landung außerhalb des Flughafengeländes auch im Frühjahr zu einem gefährlichen Manöver machen. In diesem Fall hatte der Pilot die richtige Fläche ausgekundschaftet. Die Maschine ist heil geblieben.

Neben Manfred Thomann waren mittlerweile auch andere Spaziergänger auf das Segelflugzeug aufmerksam geworden. „Mit einigen Helfern gelang es, das Segelflugzeug aus dem Acker zu schieben und für den Rücktransport nach Kitzingen bereitzustellen“, erzählt er. Ein Transporter mit Anhänger hatte sich bereits auf den Weg gemacht.

Für den Piloten und seinen Co-Piloten ging die Außenlandung auch dank der besonnenen Helfer glimpflich ab. „In Dettelbach wurde bei einem ähnlichen Fall vor ein paar Jahren gleich die Polizei und ein Rettungshubschrauber gerufen“, erinnert sich Herbert Sattler. Dieses Mal organisierten die freiwilligen Helfer und die Mitglieder des LSC den Transport aus eigenen Kräften. Auch der Landwirt muss sich keine Sorgen um etwaige finanzielle Einbußen machen. Mögliche Flurschäden werden durch die Haftpflichtversicherung des Luftsport-Clubs abgedeckt.