Neben dem Sofa stapeln sich Schuhkartons. Liebevoll beklebt mit buntem Papier. Noch sind sie leer, aber schon bald wird Renate Strung sie mit Geschenken füllen und dann gemeinsam mit vielen weiteren Kartons auf die Reise schicken. Sie will Kinder erfreuen, denen es nicht so gut geht. Deshalb setzt sie sich seit über 20 Jahren für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ ein.

Wer denkt, in einen Schuhkarton passt nicht viel rein, der irrt. Ein Plüschtier, eine gestrickte Mütze und ein Schal, ein T-Shirt, Lollys, Stifte, ein Malbuch, ein Waschlappen, eine Zahnbüste, Luftballons... Das alles und noch mehr schaut aus dem noch unverschlossenen Karton heraus, den Renate Strung auf einen Tisch gestellt hat. Und es steckt kommt noch etwas ganz Wichtiges dazu, was man nicht sehen kann: Spannung, Freude und Hoffnung. Das nämlich empfinden die Kinder, wenn sie in einigen Wochen die Kartons auspacken, die weltweit gepackt wurden. 9,1 Millionen waren das im vergangenen Jahr, knapp 350 000 kamen aus Deutschland, davon knapp 40 000 aus Bayern.

Sammelstelle seit 20 Jahren

Entstanden ist die Hilfsaktion „Weihnachten im Schuhkarton“ nach dem Zusammenbruch der Sowietunion 1989, seit 1996 werden auch in Deutschland Päckchen für Kinder in armen Regionen zusammengestellt. Renate Strung hat fast von Anfang an mitgeholfen, erst Flyer verteilt und Werbung gemacht, seit 20 Jahren ist bei ihr eine Sammelstelle eingerichtet, wo sie Päckchen aus der Region annimmt, kontrolliert und schließlich selbst zum Sammelort bringt, an dem die Kartons in große Pakete verpackt und verladen werden.

„Hast Du Lust, mal was zu stricken? Ich könnte Mützen und Schals brauchen.“ Mit diesem Satz ist Renate Strung vor 13 Jahren auf Erika Reinhardt zugegangen, die sie über die Freien Christengemeinde Kitzingen kennt. Seitdem strickt Reinhardt ebenso wie fünf weitere Frauen das ganze Jahr über für die Aktion, während Strung über die Monate viele verschiedene Produkte kauft, die sie dann vor Weihnachten in die Päckchen packt.

Was kommt überhaupt hinein in die Kartons? Sachen für die Schule, zum Anziehen, zum Spielen, Schuhe. Wichtig dabei: Es darf nicht gebraucht sein. Dass früher auch „gut erhaltene“ Sachen erlaubt waren, hat sich nicht bewährt. „Ich musste vieles in die Tonne werfen“, sagt Renate Strung. „Was da teilweise abgegeben wurde, war abartig.“ Für tatsächlich gut erhaltene Dinge gebe es viele andere Annahmestellen, an denen man auch Gutes tun könne. Die Geschenke für die Kinder bei „Weihnachten im Schuhkarton“ dagegen sollten neu sein.

Was darf alles rein?

Enthalten sein dürfen im Karton auch Süßigkeiten: Schokolade ohne Zusätze darf hinein, Traubenzucker, Lutscher und Gummibärchen, wobei alles mindestens bis März nächsten Jahres haltbar sein muss. Andere Lebensmittel dagegen sind nicht erlaubt. Außerdem kommt noch ein sogenanntes „Wow-Geschenk“ hinein. Das kann ein Kuscheltier sein, ein Fußball mit Pumpe, eine Puppe, Schuhe oder ein Musikinstrument. Wer möchte, kann gerne einen Brief oder einen Gruß beilegen. Falls er die eigene Adresse dazuschreibt, bekommt er vielleicht auch Antwort vom Empfänger des Paketes. Renate Strung hat schon einige Briefe erhalten und freut sich jedes Mal wieder über die Reaktion. Wer sich an der Aktion beteiligen will, kann ab sofort seinen gefüllten Schuhkarton bei Renate Strung in Großlangheim abgeben. Sie kontrolliert den Inhalt, schaut, ob alles passt. „Nüsse dürfen nicht rein“, sagt sie, wegen möglicher Allergien, daher darf die Schokolade auch keine enthalten. Auch Seife sollte nicht im Päckchen sein – „dann riecht alles danach“. Außerdem soll außen auf dem Karton ein Etikett angebracht sein, auf dem steht, ob der Inhalt für Jungs oder Mädchen gedacht ist und für welche Altersstufe (2-4, 5-9 oder 10-14 Jahre). Sieht Renate Strung, dass noch etwas fehlt im Karton, füllt sie ihn mit den Produkten auf, die sie das Jahr über gekauft hat, oder mit Gestricktem von Erika Reinhardt und den anderen Frauen. „Passt alles, wird der Karton versiegelt.“

Diesen dann zu öffnen, ist für die Kinder etwas ganz Besonderes. „Die Kartons sind für die Kinder ein Schatz“, sagt Renate Strung, nicht nur der Inhalt, sondern auch der mit buntem Papier verzierten Karton selbst. „Viele heben ihn über Jahre auf und bewahren darin auf, was sie besitzen.“ Wer genau beschenkt wird, weiß Renate Strung nicht. In der Regel sind es Kinder aus osteuropäischen Ländern.

Geld für den Transport

Im vergangenen Jahr gingen die Päckchen aus den deutschsprachigen Ländern nach Bulgarien, Kroatien, Lettland, Litauen, Nordmazedonien, in die Republik Moldau, nach Montenegro, Polen und Rumänien, in die Slowakei und nach Weißrussland.

Damit die Kinder ihre Geschenke erhalten, müssen sie von Deutschland aus dorthin transportiert und dort verteilt werden, was in der Regel Kirchengemeinden übernehmen. Um die Aktion zu finanzieren, sind 10 Euro Begleitgeld erwünscht. In die Kartons selbst darf als Geschenk dagegen kein Geld gelegt werden.

Das Geld für den Transport kann in einem Umschlag mit dem Päckchen abgegeben oder an den Samaritan's Purse e.V. überwiesen werden – zum Beispiel, wenn jemand die Aktion finanziell unterstützen, aber selbst keinen Schuhkarton füllen möchte.

Info: Die gefüllten und mit schönem Papier beklebten, aber noch nicht versiegelten Schuhkartons können ab sofort bis spätestens 15. November bei Renate Strung, Am Viehtrieb 47, in Großlangheim abgegeben werden.