Sie sorgen für Aufregung. Und keiner weiß, woher sie kommen.

Gitti Heiligtag kann sich noch gut an den Tag erinnern: Es war ein Sonntag und sie hat mit ihren Enkeln „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt, als ihr Mann plötzlich ausrief: „Schaut mal, da sind zwei Pfauen im Garten.“ Im ersten Moment habe sie gedacht, ihr Mann sei verrückt geworden, gesteht sie am Telefon und muss lachen. Schnell stellte sich heraus, dass ihr Mann völlig klar bei Verstand war und ist. Die beiden Pfauen gab und gibt es wirklich. Sie sorgten im Oktober über mehrere Tage hinweg für Aufsehen in der Kitzinger Siedlung. Und tun es jetzt wieder. Mitte Oktober hat Heinz Herrenschmidt die beiden Tiere zum ersten Mal gesehen. Den ganzen Vormittag haben sie auf dem Dach des Nachbarhauses verbracht, berichtet er. Herrenschmidt wohnt in der Böhmerwaldstraße. Nicht nur dort sind die beiden Pfauen gesichtet worden. Im Internet berichten etliche Bewohner der Siedlung von Sichtungen, unter anderem in der Steigerwaldstraße. Im November und Dezember war Ruhe. Anfang Januar ging es wieder los. „Zuletzt habe ich sie am Dienstag dieser Woche gesehen“, erzählt Herrenschmidt. Früh um 8 Uhr stolzierten sie in seinem Garten umher, immer zu zweit. „Da ist es doch wahnsinnig kalt“, sagt er und sorgt sich. „Ob die bei uns überleben können?“

Sie können. Davon ist zumindest Uwe G. Hartmann überzeugt. Hartmann ist Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Kitzingen und Umgebung. Mit Pfauen kennt er sich aus, auch wenn keiner seiner Mitglieder diese Tiere züchtet oder besitzt. „Zu laut“, sagt Hartmann. 20 Mal lauter als Katzen würden sie rufen, während der Balz 15 bis 20 Mal pro Tag. „Das kann man niemandem zumuten.“

„Ob die bei uns überleben können?“
Heinz Herrenschmidt, Pfauen-Beobachter

Fünf bis sieben Kilo wiegt ein ausgewachsenes Tier. Je jünger sie sind, desto weiter können sie fliegen. Auf vier bis fünf Kilometer schätzt Hartmann den Radius ein. Wenn der Schwanz, mit dem sie ihr prächtiges Rad schlagen, ausgewachsen ist, ist es vorbei mit den weiten Ausflügen. Dann kommen sie nicht mehr weit. Nach eineinhalb Jahren ist es normalerweise so weit. Altvögel fliegen dann eher hoch als weit, wie jeder Besucher von Freizeitparks, in dem Pfauen leben, weiß. Die Pfauen sitzen dort oft auf Dächern – so wie dieser Tage in der Kitzinger Siedlung.

Vieles spricht also dafür, dass es sich bei den beiden Siedlungs-Pfauen um Jungtiere handelt. Drei Arten gibt es: afrikanische, solche die in Südostasien beheimatet sind und diejenigen, die in Indien, im Bereich des Himalaya leben. Letztere sind „winterfest“, überleben auch niedrige Temperaturen. Zu erkennen sind sie an einer blauen Zeichnung am Hals – so wie sie bei den beiden Ausreißern in der Siedlung zu erkennen ist.

Hartmann kann sich vorstellen, dass sie in der Nähe des Sickerbaches nicht nur Wasser, sondern auch Nahrung wie Würmer oder Mäuse finden – und in den Vorgärten ergänzen sie ihre Nahrungssuche. „Die fressen fast alles“, erklärt der Experte. In Indien werden sie deshalb auch verehrt – weil sie unter anderem junge Kobras verschlingen.

Gitti Heiligtag erinnert sich, wie sich die beiden großen Vögel über die Krümel hergemacht haben, die sie eigentlich für die kleineren Singvögel im Garten ausgebracht hat. „Danach sind sie eine halbe Stunde in unserem Garten herumspaziert“, erzählt sie. Grundsätzlich hat sie nichts gegen den Besuch der beiden Pfauen. „Wenn sie mir nur nicht die Terrasse vollkacken würden“. Nach ihrer Beobachtung handelt es sich tatsächlich um zwei Jungtiere. „Die Schwanzfedern sind noch nicht ausgewachsen.“ Woher die beiden Exemplare kommen? Uwe Hartmann muss passen. Meldepflichtig sind sie nicht, erklärt er. In Kitzingen kennt er niemanden, der Pfauen hält. Sein Tipp: In Mainbernheim gibt es jemanden, der allerlei Tiere in einem Gehege hält. Alfons Sauerhammer hat nicht nur Enten und Hühner in seinem rund 10.000 Quadratmeter großen Grundstück, sondern auch eine Ziegenherde, Zwergkängurus und Emus. Pfauen sind auch dabei, wie sein Sohn auf Anfrage dieser Redaktion berichtet. Abgängig sei aber keiner. Und so bleibt es vorerst ein Rätsel, woher die beiden Siedlungs-Pfauen stammen.