"Hunde sind keine Kinder im Fellkostüm"
Autor: Diana Fuchs
Kitzingen, Mittwoch, 30. Januar 2019
Den "Hundeflüsterer" Marcel Combé nerven Hundehalter durch ihre Fehlverhalten
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Marcel Combé heißt der wohl bekannteste Hundetrainer in Franken. Der Nürnberger Tier-Experte findet, dass viele Halter ihre Hunde zu sehr vermenschlichen. Wie ein harmonisches Zusammenleben von Zwei- und Vierbeinern funktionieren kann, erklärt er im Interview.
Herr Combé, haben Sie als Hundetrainer einen Lieblingshund?
Marcel Combé: Ja, meine Lieblingshunderassen sind der Rottweiler und der Dackel. Beide haben ihren eigenen Kopf. Zurzeit habe ich aber wieder eine andere Rasse als Notfall daheim sitzen. Einen sieben Jahre alten Deutschen Schäferhund mit krummen Knochen. Er ist ein ausgemusterter Diensthund. Der gesundheitliche Allgemeinzustand des Tieres ist leider schlecht. Aber wenn man einmal mit dem Tierschutz angefangen hat, dann kann man damit nicht mehr aufhören und stellt seine persönlichen Vorlieben eben hinten an. Deswegen bin ich wieder beim kranken Deutschen Schäferhund gelandet. Es ist wirklich eine Schande, was aus dieser Rasse gemacht worden ist.
Inwiefern eine Schande?
Der Schäferhund ist ein Pflegefall. Den hat man total überzüchtet. Dabei war wohl auch viel Geldgier im Spiel. Bei meinem aktuellen Pflegefall handelt es sich um einen Wachhund von der Bundeswehr, der ein Leben lang draußen in einem Zwinger gelebt hat. Aber den bekommen wir schon wieder hin – mit viel Liebe, Ruhe und gutem Fressen. Nach dem Leben als Wachhund sehnt sich Aragon jetzt einfach nach Ruhe und Geborgenheit.t
Von welchen Hunderassen raten Sie Menschen in der Großstadt ab?
Herdenschutzhunderassen wie Kangal oder Maremmano sowie Hütehunde wie Aussie oder Border sind ein absolutes No-Go in der Innenstadt. Diese Hunde sind Arbeitstiere! Wenn sie nicht artgerecht ge- und unterhalten werden, kommt es sehr, sehr häufig zu unschönen Beißvorfällen. Da kann es dann leider auch schon mal passieren, dass der nette Australian Shepherd in der Wohnung Frau Holle gespielt hat, wenn man abends von der Arbeit nach Hause kommt. Oder der Herdenschutzhund es gar nicht einsieht, dass der neue Kollege, den man auf einen Kaffee mit nach Hause eingeladen hat, jetzt als Fremder mit in „seine Herde“ hineindürfen soll.