„Hockey ist cooler als Fußball“
Autor: Diana Fuchs
Marktbreit, Freitag, 12. Oktober 2018
Ein schneller Teamsport, der auch Frauen in seinen Bann zieht: Hockey hat in Marktbreit Tradition. „Das Fitnessstudio kann man sich sparen“
Marktbreit ist eine Insel. Okay, nicht im wörtlichen Sinn. Aber in Sachen Hockey auf jeden Fall. Während überall im Raum Kitzingen König Fußball regiert, ist es in Marktbreit eine andere rasante Team-Sportart. „Hockey ist unser Leben“, sagen viele Marktbreiter voller Elan und Leidenschaft. Die elfjährige Ella ist sich sogar sicher: „Hockey ist cooler als Fußball.“
Schläger, Ball, zwei Tore, Turnschuhe, Schienbein- sowie Mundschutz: Mehr braucht man nicht, um Hockeyspaß erleben zu können. Die Marktbreiter freilich haben einen modernen Kunstrasenplatz, der auch höherklassiges Spielen ermöglicht. Hier trainieren aktuell acht Frauen-, Männer-, Mädchen- und Jungenmannschaften.
Jeden Mittwochnachmittag beispielsweise treffen sich zuerst die „Minis“ von zwei bis sechs Jahren, danach die Mädchenmannschaft der Neun- bis Elfjährigen. Beim Trainingsspiel der Mädels geht es hoch her: „Schrubber!“, ruft Lia und fegt über den Platz.
Die glatte Seite ihres bunten Schlägers windet sie dabei wie eine Schlange immer hinter dem Ball entlang, den sie so zum gegnerischen Tor bugsiert. „Spiel ab!“, ruft Trainerin Kathrin Gebauer ihr zu und ihre Kollegin Waltraud Glockner deutet auf eine Mitspielerin in aussichtsreicher Position. Der Angriff gelingt – aber leider geht der Ball knapp am Tor vorbei.
„Nächstes Mal zieht ihr das Feld mehr in die Breite. Und schaut immer auf den Ball, seid anspielbereit“, schärft Leonie Eichhorn den Kindern ein. Die 18-Jährige unterstützt das Trainerinnen-Duo regelmäßig. „Sie ist eine Superhilfe“, freut sich Kathrin Gebauer. Gerade an den Spieltagen würden viele helfende Hände gebraucht. „Spieltage“ finden etwa alle vier Wochen statt: Dann treffen sich vier Hockey-Teams verschiedener Clubs an einem Ort und spielen jeweils gegeneinander. „Da die Mädels-Teams nur zweimal zehn Minuten spielen, würde sich die weite Fahrt zu den anderen Clubs – zum Beispiel nach Nürnberg, Schweinfurt, Bayreuth – einzeln kaum lohnen. Deswegen bündeln wir die Spiele.“ Die 39-Jährige ist schon seit vielen Jahren ehrenamtlich beim MHC aktiv, als Trainerin, aber auch darüber hinaus. „Ich war zum Beispiel dabei, als dieses Pflaster verlegt wurde“, deutet sie auf die Wege am Sportgelände.
Die Liebe zum Hockey-Club kommt nicht von ungefähr: Kathrin Gebauer ist quasi auf dem Hockeyfeld aufgewachsen. Schon im Alter von wenigen Monaten stand sie auf dem Platz – „im Kinderwagen, weil der Papa und meine Geschwister gespielt haben“. Natürlich hantierte sie schon als Kleinkind selbst mit dem Schläger – genauso wie es jetzt ihre Kinder Theo und Max tun. „Hockey ist einfach unser Sport, seit Willi Kleinschroth 1953 die Hockey-Abteilung im SC Marktbreit aufgebaut hat“, berichtet Gebauer.
Willi Kleinschroth infizierte mit seiner Leidenschaft viele andere Marktbreiter, was zur Gründung des MHC, des Marktbreiter Hockey-Clubs, führte. „Wir haben Leute im Verein, die schon Bundesliga gespielt haben“, berichtet Kathrin Gebauer. „Und das Schöne ist: Das sind ganz normale Menschen ohne irgendwelche Allüren. Auf dem Platz herrscht schon immer eine sehr familiäre Atmosphäre, man duzt sich und hilft zusammen. Das ist schon toll.“