Mit der Liebe zu den Bergen fing es an. Längst ist daraus eine Liebe zu dem Land und zu seinen Menschen erwachsen. Dr. Christine Reuter und Peter Schöderlein sind seit mehr als 20 Jahren in der Nepal-Hilfe aktiv. Für ihr neuestes Hilfsprojekt haben sie 70.000 Euro gesammelt – in den letzten zwölf Monaten. Sie sind Bergsteiger aus Leidenschaft: Die 61-jährige Ärztin aus Bad Mergentheim und der Elektromeister aus Dettelbach. Nach Asien, Afrika und Südamerika haben sie ihre Expeditionen geführt. Ihr Herz haben sie schon früh in Nepal verloren. Als unglaublich hilfsbereit und gastfreundlich beschreiben sie die Einheimischen. Ein Schlaflager für die Nacht? Ein Platz am Tisch? Ein geteiltes Essen? „Ist dort alles eine Selbstverständlichkeit“, sagt Schöderlein. Die Gastfreundschaft haben die beiden auf ihre Art zurückgezahlt.

Geld kommt direkt vor Ort an

Seit mehr als 20 Jahren sammeln sie für Hilfsprojekte in Nepal. Mit Dia-Vorträgen fing es an. „Mittlerweile ist es fast schon ein Selbstläufer geworden“, sagt Christine Reuter. Viele Spender sind seit Jahren dabei. Nach den Erdbeben 2015 ist die Hilfsbereitschaft noch einmal gestiegen. Rund 250.000 Euro sind seither auf ihrem Spendenkonto eingegangen. „Das Geld kommt direkt vor Ort an“, versichert sie. Möglich machen das die vielfältigen Kontakte, die sich über die Jahre aufgebaut haben.

„Als Nächstes wollen wir in die Lehrerausbildung investieren.“
Dr. Christine Reuter, Nepalhilfe

Die Bildung und die medizinische Versorgung liegen den beiden besonders am Herzen. Zwei Schulen haben sie nach dem Erdbeben komplett finanziert. „Aufbau und Unterhalt“, sagt Reuter. Die Regularien werden an die Bedürfnisse vor Ort angepasst.

Zwei Stunden beträgt der Fußmarsch für manche Kinder bis zur Schule. Während der Ernte wollten etliche Eltern ihre Kinder nicht gehen lassen. „Sie werden als Helfer gebraucht“, weiß Schöderlein. Also ist eine Auszeit für ein paar Wochen im Jahr genehmigt worden. „Und so haben wir die Eltern mit ins Boot geholt“, freut sich Reuter.

Apotheke für Arme

Flexible Lösungen in Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort erarbeiten: So lautet das Credo der beiden. In diesem Sinne sind in den letzten Jahren etliche „Zwergschulen“ entstanden. Die ersten bis dritten Klassen werden dort zusammen beschult. Die Wege für die Kinder sind dadurch kürzer geworden. „Als Nächstes wollen wir in die Lehrerausbildung investieren“, kündigt die Ärztin an, die als eines ihrer ersten Projekte eine „Armenapotheke“ ins Leben gerufen hat. Mittlerweile fahren Ärzte mit einem gesponserten Jeep regelmäßig in die entlegenen Dörfer, um die Bevölkerung medizinisch zu betreuen.

Hilfe zur Selbsthilfe lautet das Motto der beiden. Seit Mitte der 90er-Jahre unterstützen sie ein Waisenhaus. 40 Kinder – „die ansonsten keine Chance hätten“, so Schöderlein – werden dort betreut. Schulbildung inklusive. Nach und nach konnte Land rund um das Waisenhaus gekauft werden. Dank Ackerland und Gärtnereien versorgt sich das Waisenhaus mittlerweile fast komplett selbst. Es gibt eine Biogasanlage und eine Wasseraufbereitungsanlage. Etliche Kinder haben ihre Ausbildung bereits abgeschlossen, einige arbeiten jetzt als Lehrer oder Ärzte. „Ohne das Waisenhaus wären sie untergegangen“, ist Schöderlein überzeugt. Für ihre Verdienste haben die beiden 2018 das Bundesverdienstkreuz erhalten. Seit 2019 waren sie nicht mehr im Land. Corona hat Reisen unmöglich gemacht. Dank ihrer vielfältigen Kontakte wissen sie, dass Covid 19 auf dem Land keine allzu große Rolle spielt, in Kathmandu hat es dagegen schon Lockdowns gegeben. „Aber es wird natürlich nicht so viel getestet und dokumentiert wie bei uns“, weiß Christine Reuter. Sobald es die Umstände zulassen, wollen die beiden wieder nach Nepal reisen und ihr neuestes Projekt mit umsetzen. Ein neues Hospital soll gebaut werden. Weitere Spenden sind jederzeit willkommen.

Spendenkonto für die Nepalhilfe von Peter Schöderlein und Dr. Christine Reuter: Sparkasse Mainfranken, IBAN: DE 14 7905 0000 0047874433; BIC: BYLADEM1SWU; Stichwort: „Nepal“.

Schöderlein im ZDF

83 Jahre jung ist Peter Schöderlein. Aber dank seiner Bergsteigermuskeln fit wie kaum ein anderer. Für die Redakteure von „terra Xpress“ war er genau der richtige Kandidat für die Sendung „Alt werden, jung bleiben“, die am Sonntag, 25. April, von 18.25 bis 18.55 Uhr ausgestrahlt wird. Schöderlein tritt dabei gegen seinen Enkel an der Kletterwand an. Wer dabei wohl gewinnt?