Druckartikel: Gute Aussichten

Gute Aussichten


Autor: Ralf Dieter

Euerfeld, Donnerstag, 26. Sept. 2019

Felix Ove König ist Kammersieger bei den Zimmerern. Um seine berufliche Zukunft muss er sich keine Sorgen machen.
Schöne Aussichten gehören zum Beruf des Zimmerers dazu. Schwindelfrei sollte man schon sein.


Er hat die richtige Entscheidung getroffen. Und hat sich dafür belohnt. Felix Ove König ist Kammersieger bei den Zimmerern. Sehr zur Freude seiner Ausbilderin Katharina Rößner.

Euerfeld, Hauptstraße: Moderne Hallen stehen am Ortsausgang Richtung Schernau. Hier ist die Firma Rößner zu Hause. Seit mittlerweile fünf Generationen. Katharina Rößner führt die Geschäfte ihrer Eltern, Groß- und Urgroßeltern fort – und bildet Jahr für Jahr mindestens einen neuen Gesellen aus.

Felix König hat vor kurzem ausgelernt. Drei Jahre Ausbildung liegen hinter ihm. Warum er sich nach seiner Mittleren Reife an der Realschule Dettelbach für diesen Beruf entschieden hat? Der 20-Jährige muss nicht lange überlegen. „Weil es einfach Spaß macht.“ Schon während der Schulzeit hat Felix Praktika im Betrieb gemacht, in den Schulferien Geld dazu verdient. Der Kontakt kam über seinen Vater zustande. Der war als Bauzeichner in der Firma tätig.

„Das fühlt sich manchmal an wie eine Sauna auf dem Schieferdach.“
Felix Ove König über das Arbeiten bei 40 Grad Celsius und mehr

„Nicht jeder passt ins Team“, weiß Katharina Rößner. Mindestens ein Praktikum vor der Ausbildung ist für sie deshalb Pflicht. „Man arbeitet auf den Baustellen eng zusammen“, erklärt sie. Da muss die Chemie stimmen. Nach einem kompletten Jahr BGJ (Berufsgrundschuljahr) sind die Auszubildenden zwei Jahre lang im Betrieb tätig. Und das kann ganz schön anstrengend sein. Trotz moderner Maschinen müssen die Mitarbeiter immer wieder schwere Gerätschaften oder Säcke schleppen– bis unter das Dach. „Es gibt Abende, da ist man ganz schön fertig“, gibt Felix König zu und muss lachen. „Aber es tut halt auch gut, die Energie loszuwerden, die man als junger Mensch so hat.

Während im Winter in der Regel die Häuser in den großen Hallen vorgefertigt werden, stehen die Zimmerer von Frühling bis Herbst auf den Baustellen ihren Mann. „Auf den Dächern hat man schon tolle Ausblicke“, sagt Felix König. „Aber bei Regen manchmal auch vollgelaufene Schuhe.“ Der Klimawandel und die heißen Sommertage machen den Zimmerleuten durchaus Sorgen. „Da oben hat es oft mehr als 40 Grad“, sagt der 20-Jährige und spricht deshalb von einem heißen Arbeitsplatz. „Das fühlt sich manchmal an wie eine Sauna auf dem Schieferdach.“ Dennoch: Die positiven Aspekte überwiegen bei weitem. Die Arbeit mit dem natürlichen Werkstoff Holz ist erfüllend, die Aufgaben sind gerade bei einem Familienunternehmen breit gefächert. Von Einfamilienhäusern über Kindergärten bis hin zu einer historischen Scheune, die nach einem Brand neu aufgerichtet wurde, reicht das Portfolio. „Die Abwechslung macht Riesenspaß“, sagt Felix König und ergänzt: „Man bekommt Einblicke in alle Gewerke.“

Die will er in der nahen Zukunft erst einmal vertiefen und weiter im Betrieb arbeiten. Für seine Arbeitgeberin genau der richtige Weg. „Viele junge Leute gehen direkt nach der Lehre auf die Meisterschule, aber da fehlt ihnen oft noch ein Schuss Erfahrung“, sagt sie. Lieber zwei bis drei Jahre im Betrieb weiter arbeiten. Eine Anstellung finden ausgebildete Zimmerer in der Regel problemlos. „Auch bei uns macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar“, bedauert Rößner.

Felix König sammelt derweil nicht nur auf den Baustellen wertvolle Erfahrungen. Als bester der Gesellenprüfung ist er kürzlich auch zum Kammersieger der Zimmerer in Unterfranken gekürt worden. Am 10. Oktober wird er sich mit den anderen bayerischen Kammersiegern beim Landeswettbewerb in Ansbach messen. Drei Tage lang will er sich intensiv auf diesen Wettbewerb vorbereiten. „Und dann schauen, was geht.“ Eine Qualifikation für den Bundeswettbewerb würde ihn schon reizen, schließlich ist es dann nicht mehr weit bis zur Teilnahme an der Weltmeisterschaft. Da ist Deutschland seit kurzem Titelträger. Alexander Bruns aus Bad Dürkheim hat bei den Worldskills im russischen Kazan die Goldmedaille geholt.