Kitzingen Seit dem 3. Juni ist das Roxy-Kino in Kitzingen wieder geöffnet. Eine gute Nachricht – die sich aber noch nicht überall herumgesprochen zu haben scheint. Christine Jenike und Michael Schmitt wollen das ändern. Die Vorsitzenden des Kino-Fördervereins haben viele Pläne, um das Kino wieder zu einem lebendigen Ort zu machen.

Wie lief der Neustart nach sieben Monaten Pause?

Jenike: Am 3. Juni war das Kino voll. So voll, wie es in Corona-Zeiten halt sein darf. In den Tagen danach flaute das Interesse aber etwas ab.

Woran liegt das?

Schmitt: Das hat sicher verschiedene Gründe, unter anderem sicher die Testpflicht. Und wir haben ein sehr ambitioniertes Programm in zwei Sälen. Zum Beispiel haben wir im Juni sieben neue Filme am Start, das Kino ist außer montags jeden Abend geöffnet. Am Wochenende sind wir ganz gut besucht, unter der Woche nicht so.

Jenike: Und wie schon vor Corona stellen wir fest: Kinos müssen mittlerweile mehr sein als Stätten, in denen Filme angeschaut werden. Ein gewisser Event-Charakter wird erwartet – und von den Kunden auch goutiert.

Wie reagieren Sie darauf?

Jenike: Wir lassen uns einiges einfallen. Zum Start von Nomadland am 17. Juni bieten wir beispielsweise Fingerfood und amerikanische Drinks an, passend zum Filminhalt.

Schmitt: Der Erlös kommt übrigens der Kitzinger Tafel zugute.

Jenike: Am 25. und 26. Juni zeigen wir „Bella Martha“ mit einer umwerfenden Martina Gedeck als Gourmetköchin. Dazu reichen wir kleine Häppchen – serviert nach den Corona-Regeln.

Schmitt: Und bei „Oeconomia“, ein Film über die Auswirkungen des modernen Wirtschafts- und Geldsystems wollen wir einen oder mehrere Experten zu Wort kommen lassen. Die Anfragen laufen.

Kann es sein, dass es sich immer noch nicht herumgesprochen hat, dass es in Kitzingen wieder ein Kino gibt?

Jenike: Möglich, die Corona-Pause hat uns natürlich wieder ein wenig zurückgeworfen. Mit einer Plakataktion an prominenten Stellen im Stadtgebiet wollen wir auf uns aufmerksam machen. Und unser Open-Air-Kino im Sommer wird das Renommee sicherlich zusätzlich steigern.

Was ist geplant?

Schmitt: Von Ende Juli bis Ende August werden wir an vier oder fünf Wochenenden im Weingut Bernhard in Sulzfeld bekannte Filme zeigen. Das Ambiente ist ideal, ein Hof, mit Blick auf die Weinberge. Allerdings brauchen wir noch ein paar Helfer.

Wozu?

Schmitt (lacht): Wir zwei können das nicht alleine stemmen. Die Stühle müssen aufgestellt, die Leinwand, der Beamer und das Audiorack aufgebaut werden. Sollte es regnen, muss alles möglichst schnell wieder eingepackt werden.

Wie viele Besucher können zum Open-Air-Kino kommen?

Jenike: Maximal 60. Vorausgesetzt, die Inzidenzen sind stabil unter 50. Aber davon gehen wir aus.

Der Landkreis Kitzingen lag bis vor kurzem über 50. Welche Konsequenzen hatte das fürs Roxy?

Schmitt: Die Gäste mussten einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen oder nachweisen, dass sie zweimal geimpft sind. Das sind natürlich auch Hürden für einen Besuch, die wegfallen, sobald wir stabil unter 50 liegen.

Dann können die Gäste ohne Test kommen?

Jenike: Ohne Test und am Platz müssen sie eventuell auch keine Maske mehr tragen. Aber auf die Abstände müssen wir weiter achten. Es können also maximal 33 Personen ins Kino in den großen Saal und etwa 26 in den kleineren – es hängt aber auch von der Anzahl der Personen pro Haushalt ab.

Schmitt: Auch deshalb freuen wir uns, wenn der Ausbau unserer Empore endlich vonstatten geht. Das gibt ein ganz anderes Kinogefühl, mit Sofas und kuscheligen Sitzecken.

Für wie viele zusätzliche Gäste?

Schmitt: Maximal zehn. Wir hoffen, dass die endgültige Eröffnung noch in der nächsten Zeit klappt.

Sie hatten sieben Monate geschlossen. War das finanziell zu stemmen?

Schmitt: Wir sind relativ gut über diese Zeit gekommen. Wir haben sowohl die November-, als auch die Dezemberhilfen vom Staat erhalten und ebenfalls die Anlaufhilfen. Unser Vermieter hat uns die Hälfte der Miete erlassen. Trotzdem gab es natürlich Fixkosten. Wenn wir von dem Kino leben müssten, wären wir jetzt pleite. Zum Glück betreiben wir es ehrenamtlich.

Jenike: Wir haben in der Zeit auch einige Preise für unser Engagement erhalten, den Erwin-Rumpel-Preis oder den Kulturförderpreis der Stadt. Von der Stiftung der Bayerischen Versicherungskammer ist der Förderverein mit 5000 Euro bedacht worden. Das Geld wird unter anderem in die Anschaffungen für das Open-Air-Kino angelegt.

Dann können Sie jetzt relativ befreit durchstarten?

Schmitt: Hoffentlich. Im Juli planen wir wieder mit regelmäßigen Event-Veranstaltungen wie dem Genusskino, dem Kaffee-Kuchen-Kino, dem Wein- und Literatur-Kino und wir wollen wieder Regisseure einladen. Wir werden unsere Räume dann auch wieder vermieten für private Feiern.

Das Kino ist auch von Corona nicht klein zu kriegen.

Jenike: So ist es, aber ich sehe durchaus eine Gefahr für die Zukunft, weil es Verleihfirmen gibt, die ihre Blockbuster parallel zum Kinostart streamen. Das trifft uns, als Arthaus-Kino vielleicht nicht so hart. Aber es kann sein, dass Kino seinen exklusiven Charakter verliert. Aber der „Tod des Kinos" wird schon seit Jahren immer wieder vorausgesagt. Es wird auch dieses Mal überleben!

Das aktuelle Kino-Programm ist unter www.das-roxy.de zu finden.

Wer beim Open-Air-Kino in Sulzfeld helfen möchte, meldet sich bitte unter info@dasroxy.de bei Eva Schmitt.