Großes Kino
Autor: Ralf Dieter
Volkach, Montag, 13. März 2017
Die Volkacher Fußballer und der Dreh für Lommbock
Natürlich fiebern sie darauf hin – so wie tausende andere Mainfranken auch. Der Unterschied: Die vier Jungs sehen sich vielleicht selbst auf der großen Kinoleinwand. Wenn auch nur für einen kurzen Augenblick.
Vor 16 Jahren ist die Kifferkomödie Lammbock in Würzburg und Umgebung gedreht worden. Am morgigen Mittwoch läuft die Premiere der Fortsetzung in den deutschen Kinos. Für Lommbock hatte die Filmcrew jede Menge Komparsen gesucht. 13 Volkacher Fußballer hatten es in die Endauswahl geschafft. An den Drehtag in Würzburg und die Begegnung mit deutschen Kinostars wie Moritz Bleibtreu oder Lucas Gregorowicz, können sie sich noch gut erinnern. An eine eiskalte Überraschung vor rund drei Wochen erst recht. Wann läuft schon ein nackter Mann bei eisigen Temperaturen über den matschigen Rotgrandplatz?
Nackter Mann am Rotgrandplatz
Treffen mit Marco Heinrich, Patrick Kebel, Lucas Springer und Felix Nicola im altehrwürdigen Sportheim. Wimpel an den Wänden, verstaubte Pokale auf den Regalen. Bilder von längst vergessenen Tagen. Der Putz bröckelt, das ganze Gebäude atmet den Charme der 60er-Jahre. „Das ist schon brutal“, sagt Torwart-Trainer Heinrich und blickt sich um. Die ehemalige Offizierskaserne stammt aus den 50er Jahren, seither hat sie nur ein paar nötige Reparaturarbeiten gesehen. „Alle vier, fünf Jahre steht hier das Hochwasser drin“, erzählt Kebel und schmunzelt. Der neuesten Errungenschaft kann das allerdings nichts anhaben. Auf dem Dach prangt ein großes Schild mit der Aufschrift „VFL Volkach.“ „Das haben wir von der Filmcrew geschenkt bekommen“, erzählt Springer.
Ein paar Tage lang war der gesamte Freibadparkplatz mit Wohnmobilen und Lkw zugestellt. Dreharbeiten. Im Kino ist dann nur eine kurze Szene zu sehen. Die Hauptdarsteller fahren im Auto vorbei in Richtung Fahr, aus der Ferne ist das Schild auf dem Vereinsheim zu sehen. „Die allermeisten Szenen spielen in Würzburg“, sagt Felix Nicola, der Lommbock schon in der Sneak-Preview gesehen hat. „Die zweitmeisten bei uns in Volkach und Umgebung.“
Jede Szene mindestens zehn Mal
Lommbock erzählt die Geschichte der beiden Kiffer Kai (Moritz Bleibtreu) und Stefan (Lucas Gregorowicz). Letzterer lebt im drogenfreien Dubai, muss für seine anstehende Hochzeit jedoch amtliche Papiere in Deutschland besorgen. Die alte Freundschaft wird auf die Probe gestellt. Alexandra Neldel, Wotan Wilke Möhring und Elmar Wepper komplettieren das Starensemble. Hunderte Komparsen sind außerdem für den Dreh gesucht worden. Die Volkacher Fußballer haben sich in letzter Minuten mit einem selbst gedrehten Video beworben – und offensichtlich den Geschmack der Filmemacher getroffen. Die Folge: Einladung zum Drehtag im Odeon in Würzburg. Disco-Atmosphäre, Nebelmaschine, ein paar hundert Leute im Raum. „Da waren gefühlt 50 Grad Celsius im Saal und eine Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent“, erinnert sich Kebel. Etwa acht Stunden mussten die Komparsen ausharren, an Drinks nippen und eine heiße Club-Atmosphäre imitieren. Die meiste Zeit verbrachten sie mit Warten. Rund zwei Stunden sind tatsächlich gedreht worden. „Jede Szene mindestens zehn Mal“, erinnert sich Lucas Springer. Das Ergebnis des schweißtreibenden Drehtages auf der Leinwand: Rund eine Minute und 45 Sekunden.
Hat sich das gelohnt? Die vier Jungs nicken mit den Köpfen. „Die Filmcrew war supernett“, erinnert sich Nicola. Und eine Begegnung mit den Schauspielern hat es dank der Hartnäckigkeit der Fußballer auch gegeben. Als alle anderen Komparsen längst im Auto Richtung Heimat saßen, sind die Volkacher noch mal zurück zum Drehort. Und tatsächlich: Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz nahmen sich ein paar Minuten Zeit für ein Gespräch und ein Erinnerungsfoto. „Das sind schon coole Typen“, fasst Marco Heinrich die Begegnung zusammen.
Ein anderer cooler Typ stand dann vor rund drei Wochen beim Abendtraining am Spielfeldrand in Volkach. Nur die Trainer waren eingeweiht worden, die meisten Spieler der 1. und 2. Mannschaft völlig ahnungslos. Mit alter Jacke und langem Haar stand er da, rief eine nicht zitierfähige Beschreibung des weiblichen Geschlechts, entledigte sich seines Mantels und stürmte splitterfasernackt auf den Platz. „Ein paar Strümpfe hatte er noch an“, erinnert sich Lucas Springer. „Sonst nichts.“ Noch skurriler wurde es, als die Trainer ihre Spieler anwiesen, sich nicht ablenken zu lassen, sondern einfach weiter zu machen. Im Vorfeld waren sie mit der Information gefüttert worden, dass ein Regionalsender einen Beitrag über den Amateurfußball planen würde.