Gleichberechtigt, aber nicht gleichgestellt
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Dienstag, 06. März 2018
Seit 100 Jahren gibt es das Frauenwahlrecht in Deutschland. Alle Ungerechtigkeiten sind aber noch nicht beseitigt.
Es gibt noch viel zu tun. Auch im Jahr 2018. Von einer Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau könne keine Rede sein. Zumindest nicht in Bezug auf die Arbeitswelt.
15 Frauen hatten sich am Kitzinger Bahnhof eingefunden, um an einen runden Geburtstag zu erinnern. Vor 100 Jahren wurde das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt. „Ein wichtiger Schritt“, sagt Karin Post-Ochel, die Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes in Kitzingen. Ein Schritt, dem auch hundert Jahre später noch viele weitere folgen müssten.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei für Frauen in den letzten Jahrzehnten besser geworden. Steigerungspotenzial gebe es aber nach wie vor. Das treffe besonders auf die Entlohnung zu. „Der equal-pay-day ist am 18. März“, erinnert Post-Ochel. Will heißen: Bis dahin arbeiten Frauen quasi umsonst, weil sie nach wie vor in vielen Berufen deutlich weniger verdienen als Männer – trotz gleicher Qualifikationen.
„Bei der Bezahlung stehen Frauen allgemein weiterhin deutlich schlechter da
als Männer.“
Die Teilzeit und der Niedriglohn – im Landkreis Kitzingen ist beides weiblich: Noch immer sind hier 72 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs in Frauenhand. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hin. Bei den rund 9000 Teilzeit-Stellen im Landkreis liege der Frauenanteil nach Angaben der Arbeitsagentur sogar bei 82 Prozent.
Ibo Ocak, Geschäftsführer der NGG Unterfranken, spricht deshalb von einer „Karrierefalle“: Gerade in Hotels, Restaurants und Bäckereien seien Minijobs und Teilzeit-Verträge stark verbreitet. „Die Kellnerin in Vollzeit ist die Ausnahme“, so Ocak. Wer jedoch 20 oder 25 Stunden arbeite, habe es beim beruflichen Aufstieg deutlich schwerer. „Bei der Bezahlung stehen Frauen allgemein weiterhin deutlich schlechter da als Männer“, kritisiert Ocak. So verdienten Frauen in Deutschland zuletzt 21 Prozent weniger als Männer. Das habe das Statistische Bundesamt ermittelt. Im EU-Durchschnitt lag der so genannte „Gender Pay Gap“ dagegen lediglich bei 16 Prozent. „Es kann nicht sein, dass Paula nur deshalb auf bis zu mehrere hundert Euro pro Monat verzichten muss, weil sie nicht Paul heißt“, kritisiert Ocak.