Geschnitten wird nur gut geschützt
Autor: Daniela Röllinger
Kitzingen, Montag, 04. Mai 2020
Der Besuch beim Friseur ist ab dieser Woche wieder möglich. Aber er wird anders ablaufen als vor Corona. Für Kunden und Mitarbeiter gibt es einiges zu beachten.
Die Maske sitzt, der Spuckschutz im Kassenbereich ist montiert, Desinfektionsmittel und Handschuhe stehen bereit: Monika Henneberger freut sich darauf, nach sechs Wochen Corona-bedingter Schließung wieder Kunden in ihrem Friseursalon empfangen zu dürfen. „Endlich können wir unsere Dienstleistung wieder anbieten.“
Dass dringend mal wieder ein Friseurbesuch fällig wäre, ist vielen Leuten mittlerweile anzusehen. Der Pony reicht bis zum Kinn, die Nackenhaare über die Schulter, der Ansatz ist grau, von einer Form der Haarpracht ist nichts mehr zu erkennen. Die Friseure hatten das vor Augen, doch tätig werden durften sie nicht, auch wenn es sie sicher in den Fingern gejuckt hat. Umso größer die Erleichterung, als Ministerpräsident Markus Söder am 16. April verkündete, dass die Friseure ab dem 4. Mai wieder öffnen dürfen. Weil viele Salons traditionell montags geschlossen sind, machen die meisten am morgigen Dienstag, 5. Mai, wieder auf.
So wie die Obermeisterin der Kitzinger Friseurinnung, Monika Henneberger, die einen Salon in Mainbernheim betreibt. Seit Verkündung des Wiedereröffnungstermins hatte sie alle Hände voll zu tun, um ihren Salon vorzubereiten, ihre Mitarbeiter zu schulen, sich bei Videokonferenzen mit der Innung zu informieren und ihre Erkenntnisse an die Kollegen im Landkreis weiterzugeben, damit die wissen, was erlaubt ist und was nicht. Sie hat Desinfektionsmittel gekauft und Mund-Nasenschutz, Einmalhandschuhe und Einwegumhänge – obwohl auch Umhänge verwendet werden dürfen, die nach der Nutzung nicht entsorgt, sondern gewaschen werden. „Es war gar nicht so leicht, das alles zu bekommen“, erzählt Henneberger.
Im Kassenbereich hat sie eine Plexiglasscheibe als Spuckschutz einbauen lassen, im Laden und an der Tür Hinweisschilder für die Kunden angebracht und unzählige Terminanfragen entgegengenommen. Nach teilweise mehr als sechs Wochen warten viele sehnsüchtig darauf, sich die Haare schneiden zu lassen. In so manchem Salon klingelte das Telefon bis in die Nacht hinein.
Monika Henneberger möchte den Kunden ausdrücklich danken, dass sie diese lange Zeit gewartet haben und ihren Friseuren treu geblieben sind. „Ich freue mich darauf, meine Kunden jetzt wieder verwöhnen zu dürfen“, sagt sie, und fügt „so gut es geht“, an. Ganz ohne Abstriche geht es aufgrund der Vorgaben nicht.
Schnitt und Farbe
„Wir bieten unsere gewohnten Dienstleistungen an, mit Ausnahme der Behandlungen im Gesicht“, betont Henneberger. Das bedeutet, dass die Haare nicht nur geschnitten, sondern auch gefärbt oder Strähnchen gezogen werden dürfen. An Augenbrauen und Wimpern dagegen darf der Friseur nicht ran, kein In-Form-Schneiden, kein Färben. „Da würden wir direkt vor dem Gesicht arbeiten, das geht nicht“, stellt die Innungsobermeisterin klar. Dass Rasuren und alle anderen Bart-Arbeiten hinfällig sind, versteht sich von selbst – schließlich müssen die Kunden beim Friseurbesuch einen Mund-Nasenschutz tragen. Genauso wie die Friseure. Monika Henneberger hat die Ausstattung für ihre Mitarbeiter besorgt. Die Kunden müssen ihren Schutz selbst mitbringen. „Höchstens wenn er beim Haare waschen nass wird, könnten wir einen Ersatz anbieten“.
Haare waschen ist beim Friseurbesuch jetzt Pflicht. „Es reicht nicht, wenn der Kunde sie daheim schon gewaschen hat“, betont Henneberger. Das Robert Koch Institut könne nicht ausschließen, dass sich auf dem Weg zum Friseur Viren in den Haaren festsetzen. Selbst vor dem Färben steht daher jetzt eine Haarwäsche im Salon an – obwohl die Mittel auf trockenem Haar angewendet werden. Also wird zwischendurch geföhnt.