„Es geht auch anders“

3 Min
Daumen hoch: Jens Pauluhn mit der Landtagsdirektkandidatin der ÖDP, Sylvia Paulus-Hildner, auf der Bank neben dem Falterturm ...
Foto: Pauluhn

Sommerserie Teil 8: Jens Pauluhn (ÖDP) sieht noch viel Handlungsbedarf in der Stadt.

Sie haben unterschiedliche politische Ansichten. Sie diskutieren und streiten miteinander. Sie finden Lösungen. Und sie haben einen klaren Blick auf die Gegenwart und Zukunft ihrer Stadt. Wir haben den neun Fraktionsvorsitzenden im Kitzinger Stadtrat die gleichen zehn Fragen gestellt – die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus.

Sind Sie mit der Entwicklung Kitzingens in den letzten vier Jahren zufrieden?

Jens Pauluhn: Kitzingen entwickelt sich in vielen Bereichen sehr positiv. Es ist attraktiv und schön hier zu leben. Leider erkennen dies viele Bevölkerungsteile nicht. Trotzdem gibt es für Verwaltung und Stadtrat keinen Grund „sich auszuruhen“, denn „wer stehen bleibt, ist ganz schnell abgehängt“. Persönlich wünsche ich mir, dass seitens der Bevölkerung wesentlich intensiver an kommunalpolitischen Themen konstruktiv mitgearbeitet wird.

„Es gibt ein erhebliches

Defizit an verfügbaren

Bauplätzen.“

Jens Pauluhn, Fraktionsvorsitzender ÖDP

Was hat sich zum Positiven verändert?

Pauluhn: Nach vielen Jahren der intensiven Arbeit der ÖDP sind endlich die Probleme im Notwohngebiet in der Egerländer Straße im Bewusstsein des Stadtrates angekommen. Insbesondere durch die Arbeit meiner ÖDP-Kollegin Bianca Tröge als Referentin für die „Soziale Stadt“ wurde die Diskussion versachlicht sowie konstruktiv und zielführend geführt. Kitzingen ist insbesondere durch private Investoren und deren positive Begleitung durch die Verwaltung attraktiver geworden. Ich höre viele positive Rückmeldungen – hauptsächlich von Auswärtigen. Die Arbeitslosenquote liegt trotz der Integration der Flüchtlinge nahe an der Vollbeschäftigung.

Und was hat sich zum Negativen verändert?

Pauluhn: Es gibt ein erhebliches Defizit an verfügbaren Bauplätzen. Durch meine eigene Berufstätigkeit als Bauamtsleiter in zwei anderen Mittelzentren Unterfrankens weiß ich, dass es auch anders geht. Die positive Entwicklung im Bereich der Gewerbe- und Industrieansiedlung lässt sich nur fortsetzen, wenn in diesem Bereich endlich durch die Stadt – und nicht durch Bodenspekulanten – naturverträglich gehandelt wird. Innenentwicklung geht dabei vor Außenentwicklung. Der Erhalt unserer historischen Altstadt wird leider zu oft zugunsten privater Investoren aufgegeben. Auch Meinungen von Fachleuten werden ignoriert. Das führt dann zu fast katastrophalen Ergebnissen wie bei der neuen Fassadengestaltung unseres Fasnachtmuseums (welches ansonsten ein tolles Projekt ist). Die Innenstadt hat sich in vielen Bereichen toll entwickelt. Dem steht jedoch ein großer Verlust an innenstadtrelevanten Geschäften (zum Beispiel Herrenbekleidung, Haushaltswaren, Elektroartikel) gegenüber.

Welche Veränderungen würden Sie gerne in den kommenden zwei Jahren noch anstoßen?

Pauluhn: Der Stadtrat sollte sich seiner Verantwortung als 60%iger Anteilseigner bei dem kommunalen Energieversorger LKW endlich bewusst werden. Andere regionale Energieversorger machen es uns täglich vor, dass durch innovative Projekte auch mit einer umweltschonenden Energieproduktion dezentral wirtschaftlich gearbeitet werden kann.

Die Generalsanierung der Wirtschaftsschule muss auf den Weg gebracht werden.

Die städtische Kitzinger Bau GmbH muss wieder verstärkt in die Schaffung von zusätzlichem bezahlbarem und sozialverträglichem Wohnraum – sowohl durch Sanierungen als auch durch Neubau – investieren. Und der Radweg entlang der Kaltensondheimer Straße muss jetzt endlich kommen.

Welches Projekt war das wichtigste in der bisherigen Legislaturperiode?

Pauluhn: Die positiven Entwicklungen für den Wohnungsmarkt der Innenstadt. Zusätzliche Wohnungen dort führen oft zu freien Einfamilienhäusern. Weiterhin ist dadurch eine weitere Belebung der Innenstadt zu erwarten.

Die konstruktive Begleitung bei der Entwicklung der ehemaligen amerikanischen Militärflächen. Dadurch konnten sowohl die Interessen der privaten Eigentümer als auch die gesamtstädtischen Interessen gewahrt werden. Außerdem die kontinuierlichen und nachhaltigen Investitionen in ein dichtes Abwasserkanalnetz. Die Investitionen in unsere Kindergärten und Schulen sichern die Attraktivität unserer Stadt.

„Umweltpolitik findet im kommunalen Verantwortungsbereich der Stadt praktisch nicht statt.“
Jens Pauluhn

Welches Thema ist bislang noch nicht ausreichend gewürdigt worden?

Pauluhn: Umweltpolitik findet im kommunalen Verantwortungsbereich der Stadt praktisch nicht statt. Der Umweltbeirat wurde mittlerweile seit zirka acht Jahren nicht mehr einberufen.

Die Nutzung vorhandener innerstädtischer Baulandflächen, um dem Flächenfraß entgegen zu wirken und vorhandene Infrastrukturen besser auszunutzen. Außerdem wünsche ich mir eine verstärkte Einbindung der Bevölkerung in die kommunalpolitische Arbeit, z.B. durch Live-Streaming während der Stadtratssitzungen.

Wie beurteilen Sie das Miteinander im Stadtrat?

Pauluhn: Die Gesprächskultur innerhalb des Stadtrates einschließlich Oberbürgermeister hat sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – wesentlich verbessert. Inzwischen spielen die vorrangig destruktiven Kräfte auch nur noch eine unbedeutende Rolle.

Wie sehen Sie die Zukunft des Städtischen Museums?

Pauluhn: Das Städtische Museum wird leider von der breiten Öffentlichkeit, sowohl von der Stadt- als auch der Landkreisbevölkerung, zu wenig wahrgenommen. Es fehlt derzeit an einem umfassenden Konzept, das sowohl die museale wissenschaftliche Arbeit als auch die Attraktivität für Besucher fördert. Der Stadtrat muss aber auch entscheiden, wieviel Geld ihm dieses wert ist.

Welche Schulnote geben Sie OB Siegfried Müller und warum gerade diese?

Pauluhn: Die Arbeit eines Oberbürgermeisters lässt sich nicht an einer Schulnote festmachen. Dazu sind seine Aufgabenfelder viel zu breit gefächert. Letztendlich ist es die Aufgabe des Stadtrates, die Ziele und Wege vorzugeben und deren Umsetzung zu kontrollieren – wenn der OB und seine Verwaltung selbst nicht genug einbringen sollten. Im Bereich der Baulandentwicklung eines Mittelzentrums kann aber aus meiner Erfahrung heraus nur der Oberbürgermeister persönlich Flächen erwerben. Sowohl beim Erwerb bereits jetzt bebaubarer privater Flächen im Innenbereich als auch der flächenschonenden Entwicklung von Neubaugebieten sehe ich ganz erhebliche Defizite.

Welches ist Ihr Lieblingsort in Kitzingen?

Pauluhn: Kitzingen ist in seiner Gesamtheit attraktiv. An vielen Orten genieße ich das Zusammensein mit der Familie, Freunden und Bekannten oder auch mal die Ruhe: Gartenschaugelände, der heimische Garten, die Innenstadt, den Brückenschoppen, das ländliche Umland. Mein derzeitiges Lieblingsbild ist das mit unserer Landtagsdirektkandidatin Sylvia Paulus-Hildner auf der Bank neben dem Falterturm.