Erster Corona-Fall im Landkreis
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Mittwoch, 11. März 2020
Betroffener Mann befindet sich in Quarantäne – Viele Veranstaltungen werden abgesagt. Unternehmen bangen. Landratsamt richtet Bürgertelefon ein.
Am späten Dienstagabend ist das Coronavirus auch im Landkreis Kitzingen angekommen. Der betroffene Mann kommt aus Dettelbach und befindet sich in Quarantäne. Familienangehörige und andere Personen, die als „Kontaktpersonen 1“ eingestuft werden, befinden sich ebenfalls in Quarantäne.
Der Mann lebt laut Landratsamt mit seiner Frau eher zurückgezogen in einem Privathaushalt. Er wird zurzeit in einem Krankenhaus in Würzburg medizinisch betreut. Er habe wenig Symptome und es gehe ihm gut. Als Grund für die Ansteckung wird eine Ansteckung im familiären Umfeld vermutet. Ein Verwandter war in Südtirol, bevor es zum Risikogebiet erklärt wurde. Das Landratsamt und das Gesundheitsamt bitten die Bevölkerung, weiterhin Ruhe zu bewahren.
Währenddessen werden Veranstaltungen abgesagt, Reisen umgebucht und die Unternehmen in der Region befürchten finanzielle Einbußen. In der Klinik Kitzinger Land müssen die Beschäftigten derweil sparsam mit den Hygieneschutzmitteln umgehen.
Jeden zweiten Tag kommt der eigens eingerichtete Krisenstab in der Klinik zusammen. „Damit wir alle auf dem gleichen Stand sind“, erklärt Florian Neumann. Der Hygienebeauftragte hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. „Die Leute sind nervös“, sagt er. „Viele kommen, um sich testen zu lassen.“ Zehn Patienten, die an einem Vormittag unangemeldet auftauchen, klingt für Laien nicht nach großem Stress. „Aber wenn die Klinik eh schon voll ist, ist das ein großer Aufwand“, sagt er.
Diebe in der Klinik
In den letzten Tagen hat Neumann beobachtet, dass manche Hausärzte ihre Patienten vermehrt ins Krankenhaus schicken, anstatt diese selbst zu testen. „Das ist für uns sehr ärgerlich“, bedauert er. Noch ärgerlich sei es, dass Desinfektionsmittel und Schutzbrillen immer wieder abhanden kommen. „Da gehen tatsächlich Leute durch die Klinik und klauen“, staunt er. Die Konsequenz: Mittlerweile werden alle Desinfektionsmittel an einem sicheren Ort aufbewahrt und streng kontingentiert. Vor allem beim Mundschutz gebe es nach wie vor Lieferengpässe. Pro Isolierzimmer und Schicht bekommt ein Mitarbeiter deshalb zurzeit auch nur einen Mundschutz ausgehändigt.
Während sich die Klinik auf die ersten Fälle einrichtet, werden etliche Veranstaltungen vorsorglich abgesagt. Die Bayerische Staatsregierung hatte am Dienstag Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern untersagt. Vorerst gilt diese Regelung bis zum 19. April. Viele Veranstalter haben bereits reagiert. Der Gewerbeverband in Volkach hat den geplanten Frühlingsmarkt am 22. März abgesagt, die für kommende Woche geplante Ökumenische Bibelwoche in Prichsenstadt fällt ebenfalls aus. Die Veranstaltung soll im Herbst nachgeholt werden. Das Mainfranken Theater in Würzburg setzt ab sofort bis einschließlich 19. April sämtliche Vorstellungen und Konzerte aus. Der Kreuzbergbieranstich in Dettelbach an diesem Freitag ist ebenfalls Opfer des Coronavirus geworden. Das Jubiläumskonzert des Lions-Clubs am 28. März, Carmina Burana, ist abgesagt und soll im Sommer stattfinden. Die VR Bank Kitzingen hat ihre für den 23. März geplante Veranstaltung mit Arnd Zeigler abgesagt.
MusicHall deckelt Besucherzahl
Das für diesen Samstag geplante Road House Festival in Geiselwind ist bereits auf den 15. August verschoben worden. Die weiteren Termine in der MusicHall im Eventzentrum Strohofer sollen allerdings stattfinden. Bis Ende April werden sie auf 999 Besucher gedeckelt. Wer dabei sein will, muss sich vorher anmelden.