Sechs Referenten hat der Stadtrat Kitzingen Mitte Dezember bestimmt. Sechs Menschen, die für ihre jeweiligen Themenbereiche das Beste erreichen wollen. Welche Ziele und Vorstellungen sie verfolgen, stellen wir in diesen Tagen vor. Heute: Walter Vierrether, Referent für Kultur und Tourismus:

Er ist ganz neu im Stadtrat – und dennoch alles andere als ein Neuling. Walter Vierrether hat fast 30 Jahre lang die Tourist-Information in Kitzingen geleitet, er ist seit 1987 Hofrat, hat unzählige Veranstaltungen organisiert und ein engmaschiges Netzwerk zu Persönlichkeiten aus Politik und Showbusiness aufgebaut. Kein Wunder, dass er nach seiner Wahl zum Stadtrat den Posten des Tourismusreferenten angestrebt hat. Dass er jetzt auch für die Kultur zuständig ist, war nicht absehbar. Ist für ihn aber eine willkommene Herausforderung.

Zwölf Referate waren im alten Stadtrat vergeben. OB Stefan Güntner hatte schon früh verkündet, die Zahl reduzieren zu wollen. Von verschiedenen Gruppierungen sei er darauf angesprochen worden, den Posten des Tourismusreferenten anzunehmen, berichtet Vierrether. Als beim gemeinsamen Arbeitswochenende der Stadträte in Elfershausen die Idee aufkam, Kultur und Tourismus zusammenzuführen, hat er „den Hut in den Ring geworfen“. Auch wenn ihm klar war, dass es zu einer Kampfabstimmung kommen wird.

Mit seiner Vorgängerin, der langjährigen Kulturreferentin Brigitte Endres-Paul und ihrem Mann, SPD-Fraktionsvorsitzenden Manfred Paul, verstehe er sich gut. Dennoch: Als Stellvertreter von Endres-Paul wollte er nicht antreten. „Entweder ganz oder gar nicht“, sagt der 69-Jährige – und hat kurz vor der Wahl ein entsprechendes Angebot der SPD ausgeschlagen. „Das kam auch viel zu spät, meine Entscheidung war schon gefallen.“ Mit 22:8 Stimmen wurde Vierrether letztendlich deutlich gewählt. Sein Ziel lautet jetzt: Mehr Schwung ins Referat bringen, den Kulturbegriff breiter aufstellen als bislang.

Als Teamplayer begreift sich der Kitzinger, will möglichst viele Stadträte und Beiratsmitglieder von seinen Ideen überzeugen. „Wir sehen uns als Unterstützer der freien und städtischen Kulturträger“, sagt Vierrether und bezieht seine Stellvertreterin Nina Grötsch (CSU) mit ein. Zusammen verfügten sie über ein großes Netzwerk, das es zu nutzen gelte. „Das Wichtigste ist es, möglichst viele Leute mitzunehmen“, erklärt Vierrether und formuliert ein erstes Ziel: Gemeinsam mit dem Stadtmarketingverein, der Tourist-Info und Claudia Biebl von der Stabsstelle der Stadt Kitzingen soll ein gemeinsamer Veranstaltungskalender auf die Beine gestellt werden. Ein Projekt, über das in Kitzingen seit Jahren diskutiert wird.

In den nächsten Tagen und Wochen will Vierrether außerdem die Leiter der städtischen Kultureinrichtungen besuchen, um deren Wünsche und Anregungen aufzunehmen – wohl wissend, dass es in diesen Corona-Zeiten für alle Kulturträger knüppeldick kommt. Dennoch will er Weichen stellen, zumindest die Kontakte und Strukturen aufbauen, um schnell loslegen zu können, sobald die Zeiten wieder besser werden. „Wir müssen das vorhandene Potenzial in Kitzingen besser nutzen“, fordert er und denkt dabei unter anderem an das Fastnacht- und das Conditoreimuseum – „beide ein Alleinstellungsmerkmal“ –, das Roxy-Kino, das Papiertheater von Gabriele Brunsch – „viel zu wenig gewürdigt“ –, oder auch das Stadtmuseum. Das sollte eines Tages wieder öffnen. „Aber die Räumlichkeiten sollten anders genutzt werden“, wünscht er sich. Wechselnde Ausstellungen von lokalen Künstlern kann er sich vorstellen, als Berater würde er am liebsten Klaus Christof (KIK) mit ins Boot holen. „Der ist in Kitzingen diesbezüglich der kompetenteste Mann.“

Touristisch ist Kitzingen für Vierrether auf einem guten Weg, Verbesserungspotenzial gebe es aber immer. Vierrether betont, dass er einen guten Draht zu seiner Nachfolgerin in der Tourist-Info, Vanessa Feineis, habe und dass auch hier sein Motto gelte: zuarbeiten, unterstützen, Hilfe anbieten. Den Ruf Kitzingens als Weinhandelsstadt würde er in Zukunft gerne stärker mit Leben füllen, Veränderungen beim Weinfest seien beispielsweise denkbar. Eine Vinothek ist für ihn dringend notwendig – ob sie tatsächlich im Dietz-Gebäude untergebracht werden kann, sei allerdings fraglich. „Vielleicht müssen wir uns woanders umschauen.“

Der Wohnmobilstellplatz ist für Vierrether eine Herzensangelegenheit. Ein Ausbau sei wünschenswert. „Aber nicht zu jedem Preis.“ Die Kosten – auch das hat Walter Vierrether in seinem Berufsleben gelernt – müsse man jederzeit im Blick haben. Als Referent hat er wenig Spielraum. Bislang standen jedem Referenten 500 Euro pro Jahr zur Verfügung. Vierrether würde das Budget gerne verdoppelt sehen. Ihm schwebt beispielsweise ein Kulturfonds vor, außerdem möchte er freie Kulturschaffende – wenn möglich – bei Projekten finanziell unterstützen. „Rock Meets Classic-Veranstaltungen“ kann er sich beispielsweise in Zusammenarbeit mit den beiden Kantoren in der Alten Synagoge vorstellen. Bislang war Hauptamtsleiter Ralph Hartner Ansprechpartner für den Kulturreferenten. Jetzt ist es Oberbürgermeister Stefan Güntner. Den direkten Draht zum OB will Vierrether nutzen. Kultur und Tourismus sollen in den kommenden Jahren einen Aufschwung nehmen. „Wenn das verflixte Corona endlich vorbei ist.“