Im März 2020 sind sie in Wiesentheid angekommen. Voller Elan und voller Vorfreude auf eine neue Zirkus-Saison. Es folgte eine unverschuldete Zwangspause. Fast eineinhalb Jahre später bereiten sich Corina Renz und ihre Familie auf den ersten Auftritt vor.

„So etwas haben wir noch nie erlebt“, sagt Corina Renz und schüttelt den Kopf. Den Zirkus Solero gibt es in der vierten Generation. Eine so lange Zeit ohne Auftritte mussten selbst die Vorfahren nicht einlegen. Die Winterpause 2019/2020 hatte die sechsköpfige Familie in Kitzingen verbracht. In der Armin-Knab-Straße in der Siedlung hatten sie nicht zum ersten Mal einen geeigneten Platz gefunden. Im März ging es nach Wiesentheid. Von da an sollte die Tour durch Deutschland starten. Doch der Platz vor der Steigerwaldhalle wurde zu etwas, das die Familienmitglieder eigentlich gar nicht kennen: einer Art Heimat.

Dank an die Gemeinde

„Erst haben wir gedacht, dass wir nach vier Wochen weiterziehen können“, erinnert sich Corina Renz. Dann wurde der Lockdown immer weiter verlängert, die Auflagen ließen eine Tour mit Auftritten vor hunderten Zuschauern auch im Sommer 2020 nicht zu. Dann kam der Herbst. Die Familie entschied, in Wiesentheid zu bleiben.

„Die Wiesentheider haben sich rührend um uns gekümmert.“
Corina Renz, Zirkusdirektorin

„Wir sind der Gemeinde und den Nachbarn sehr dankbar, dass wir so lange hier bleiben konnten“, sagt Corina Renz. Der Platz vor der Steigerwaldhalle ist ideal: Genug Raum für die Kamele, Hunde und Ziegen sowie den umfangreichen Fuhrpark. Grünflächen und asphaltierte Bereiche, die sich abwechseln. Und verständnisvolle Nachbarn. „Die Wiesentheider haben sich rührend um uns gekümmert“, sagt Renz. Anwohner haben Essen vorbeigebracht, Landwirte Heu und Stroh für die Tiere.

Vom örtlichen Bäcker gab es immer wieder mal eine Ration Brot für die Kamele. „Ohne Spenden hätten wir es nicht geschafft“, sagt die Zirkusdirektorin. Soforthilfen hat sie nicht beantragt. „Wir sind in Brandenburg gemeldet, haben als Zirkusleute aber keine wirkliche Heimat“, erklärt sie.

Die Aufregung steigt

Trotz aller Schwierigkeiten, trotz all der Monate ohne Hoffnungsschimmer: ans Aufgeben hat die Familie nie gedacht. „Unser Herz hängt an diesem Zirkus“, sagt Corina Renz und ihre älteste Tochter Alysia nickt. Für sie steht jetzt schon fest, dass sie den Zirkus einmal in die fünfte Generation führen wird.

Jetzt geht es aber erst einmal darum, wieder so etwas wie Normalität zu erlangen. In den letzten Tagen ist das große Zirkuszelt aufgebaut worden, die Renzens haben ihr Training wieder forciert. Der erste Auftritt nach 16 Monaten Stillstand steht an diesem Donnerstagnachmittag an. „Ich bin vor jedem Auftritt nervös“, gesteht Corina Renz. „Aber das ist noch einmal was ganz anderes.“ 120 Zuschauer dürfen maximal ins Zelt, dessen Außenwände offen bleiben – Auflagen vom Gesundheitsamt. Normalerweise passen dreimal so viele Zuschauer unter das blaue Zeltdach. Die Kontaktdaten müssen erfasst werden, die Zuschauer mit Mundschutz zu ihren Plätzen gehen. Dort dürfen sie ihn ablegen. „Das bekommen wir alles hin“, sagt Corina Renz und freut sich, dass es keine Testpflicht vor einem Besuch gibt.

Lachendes und weinendes Auge

Fünf Auftritte wird es bis zum Sonntagabend geben, dann packt die Zirkusfamilie ihre Siebensachen und fährt weiter nach Rottendorf. Was danach kommt? Corina Renz zuckt mit den Schultern. „Wissen wir noch nicht.“ Hauptsache, das Zirkusleben mit Auftritten, mit Auf- und Abbau und Reisen quer durch Deutschland geht wieder los. „Wir werden mit einem lachenden und einem weinenden Auge von hier fortgehen“, sagt Corina Renz und schaut sich um. Wiesentheid ist für die Zirkusfamilie fast so etwas wie eine Heimat geworden.

Die Auftritte in Wiesentheid: Donnerstag, 1. Juli, Freitag und Samstag, 2. und 3. Juli, jeweils 17 Uhr. Sonntag, 4. Juli, 11 und 14 Uhr.

Kontakt und Kartenreservierung: Tel. 01577/3393265