Eine Bereicherung für Stadt und Umland
Autor: Daniela Röllinger
Kitzingen, Montag, 07. August 2017
Vor 40 Jahren wurde das Kitzinger Hallenbad eröffnet. Es blieb über all die Jahre ein Besuchermagnet
Innerlich hat es ihn wahrscheinlich geschüttelt. Überliefert ist nur das Foto: Ein Mann im Anzug, in der Hocke, auf gekacheltem Boden, leckt gerade den Zeigefinger seiner rechten Hand ab. Es war der Abgeordnete Rudolf Müller, der anlässlich der Eröffnung des Kitzinger Hallenbades das Sole-Wasser kostete. 40 Jahre ist das jetzt her. Zeit für einen Rückblick.
Den Freizeitwert Kitzingens erhöhen und eine Bereicherung für die Stadt und das Umland schaffen: Diese zwei Ziele hatte sich die Stadt Kitzingen gesetzt, als der Stadtrat Anfang der 1970er Jahre beschloss, ein Hallenbad zu bauen. 1972 wurde der erste Bauentwurf vorgelegt. Im September 1973 wurden die Baupläne genehmigt, im Juni 1974 der erste Auftrag vergeben. Ein Jahr später, im Juli 1975, erfolgte der erste Spatenstich. In dem Jahr also, in dem das Iphöfer Hallenbad in Betrieb ging, die Bäder in Dettelbach und Volkach gab es da bereits.
Acht Standorte im Gespräch
Dass das neue Bad direkt neben der B 8 entstehen würde, war nicht von Anfang an klar. In den allerersten Überlegungen, schon im Jahr 1964, war nur an eine Kleinschwimmhalle in Verlängerung des Volksbades gedacht worden. Später standen dann acht Standorte für ein Hallenbad zur Debatte: Das Jugendhaus, die Liegewiese auf der Mondseeinsel, das Schulzentrum Mühlberg, das Sportgelände Mühlberg, der Garten des Kapuzinerklosters, der Sickergrund, ein Grundstück am Hammerstiel oder die Fläche gegenüber des E-Centers. Die verkehrsgünstige Lage an B 8 und St 2271 sowie die Nähe zum Freibad gaben schließlich den Ausschlag für den heutigen Standort.
7,1 Millionen Mark hat Kitzingen in den Bau des neuen Hallenbades investiert. Die Besonderheit: Das Wasser wird bis heute mit Natur-Sole aus eigener Quelle angereichert. Der Salzgehalt des Wassers im Hallenbad beträgt ein Prozent. Bevor die Schwimmer das Bad erobern konnten, fand am 11. März 1977 zunächst die feierliche Einweihung mit geladenen Gästen statt – die Gelegenheit, an der der Abgeordnete sich persönlich über den Geschmack des Sole-Wassers informierte. Am 12. März 1977 wurde das Bad für die Allgemeinheit eröffnet. Es kam gut an: Alleine in den neuneinhalb Monaten bis Ende 1977 wurden 85 092 Besucher gezählt.
Das zehnjährige Bestehen wurde groß gefeiert – drei Tage gab es im April 1987 ein großes Hallenbadfest mit viel Programm bei freiem Eintritt. Doch nur wenige Monate später, im August, musste das Hallenbad erstmals einer größeren Sanierung unterzogen werden. „Das Solewasser und der Zahn der Zeit nagen am Hallenbad“ titelte damals diese Zeitung, Rost fraß sich unter dem Nichtschwimmerbecken durch die Eisenarmierung. Auch in den folgenden Jahren wurde die Revision im Sommer für kleinere, oft aber auch größere Arbeiten genutzt: 1993 wurde eine neue Lüftungsanlage eingebaut, Kostenpunkt: 250 000 Mark. 1994 bekam das Bad ein Blockheizkraftwerk.
Dass sich etwas mit dem Bad tun muss, wurde ab 1998 deutlich: Ein Gutachten wies auf gravierende Schäden hin, und die weiteten sich aus. 2001 dachte der Stadtrat erstmals darüber nach, ob das Sole-Hallenbad in kleiner Lösung saniert oder in eine Badelandschaft umgebaut werden sollte. Die Debatte zog sich über Jahre hin. 2006 wurden die ersten Planungen für eine Generalsanierung und Erweiterung des Hallenbades um eine große Sauna-Landschaft vorgestellt. Die Kostenschätzung belief sich auf 9,5 Millionen Euro. Im gleichen Jahr fiel der Beschluss, dass das Bad ab 2008 eine externe Betriebsführung erhalten soll.
Der Betrieb im „alten“ Hallenbad endete am 20. Mai 2007 mit einer Stöpselparty, die Sanierung konnte beginnen – und die Suche nach einem neuen Namen. Dazu lobte die Stadt einen Wettbewerb aus. Über 400 Vorschläge gingen ein. Im Mai 2008 stand fest: Das neue Hallenbad soll „Aqua-Sole“ heißen.