Ein tierisches Happy-End in Iphofen
Autor: Diana Fuchs
Kitzingen, Dienstag, 24. Oktober 2017
Auch wenn er nichts hört und kaum etwas sieht: Der Hund Viktor hat eine Familie gefunden.
Eins wollen sie nicht: eine Tränendrüsen-Geschichte. Lieber eine Geschichte, die zeigt: Die Angst vor Tierheim-Hunden ist unnötig. „Wir sind ganz normale Menschen“, sagt Peter Stephan. „Wenn alle so ganz normal wären – das wäre toll“, kontert Iris von Crailsheim, die stellvertretende Vorsitzende des Kitzinger Tierschutzvereins. Der Verein betreibt das Kitzinger Tierheim. Iris von Crailsheim weiß, dass kaum jemand ältere, kranke oder misshandelte Tiere aufnehmen will. „Deshalb ist es wunderbar, dass es Menschen wie die Stephans gibt.“
Die Familie lebt in Iphofen in einem schmucken Haus mit schönem Garten. Fünf Hunde liegen dort im Grünen bereits begraben – allesamt Vierbeiner aus dem Tierheim, die ihre letzten Jahre unterhalb des Schwanbergs verbringen durften, bei Menschen, die sie lieb hatten.
„Wir hatten immer Hunde aus dem Heim, und zwar immer die älteren und kranken“, erzählt Christiane Stephan. Da war zum Beispiel Kira, die aus einer spanischen Tötungsstation kam. „Sie hatte ein verletztes Ohr und ihr Schwanz war abgerissen, außerdem bekam sie immer wieder epileptische Anfälle. Fünf Jahre hat sie uns begleitet.“
Der vermeintlich letzte Familienhund, die Golden-Retriever-Dame Conny, ist im Juni dieses Jahres gestorben. „Bevor die Stephans Conny aufgenommen haben, war sie bei ihrem Vorbesitzer jahrelang eingesperrt gewesen“, berichtet Iris von Crailsheim. „Sie war auf zwölf Kilo abgemagert, als sie zu uns ins Tierheim kam. Normal wäre bei einem Hund dieser Größe das Doppelte bis Dreifache.“
Aufmerksame Nachbarn hatten die Tierschützer informiert, die das klapperdürre Geschöpf daraufhin aus der Garage befreiten. Als die Stephans Conny zu sich holten, hatte sie schon einen Tumor. „Im Frühsommer haben wir heuer noch einen sehr schönen Urlaub an der Ostsee mit ihr verbracht, sie ist mit uns am Strand rumgetollt“, erzählt Peter Stephan, während seine Frau entsprechende Fotos zeigt. Einige Wochen danach ging es Conny aber rapide schlechter.
Als die zwölfjährige Hündin nicht mehr aufstehen konnte und ganz offensichtlich große Schmerzen hatte, erlöste der Tierarzt sie. „Wir haben sie gehalten und sie ist friedlich eingeschlafen. Aber das war natürlich sehr schlimm für uns alle. Sie war ein gutes Jahr bei uns gewesen“, sagt Christiane Stephan.
Gerade wegen dieser unvermeidlichen Szenen des Abschieds käme manch' einer nie auf die Idee, sich einen alten Hund „anzuschaffen“, der dem Tod natürlich näher ist als ein junger. Iris von Crailsheim weiß aus Erfahrung: „Die meisten Leute wollen einen Welpen oder einen jungen Hund, der das Leben noch vor sich hat.“